Der richtigen Zeitrahmen für die Meditation

Meditation lebt von der regelmäßigen Wiederholung und Übung. Es gibt zahlreiche Anleitungen, die dabei helfen können einen Einstieg in die Meditation zu finden. Aber wie lässt sich der richtiger Zeitrahmen für die Meditation finden?

Mich hat die Frage nach dem für mich passendem zeitlichen und inhaltlichem Rahmen immer wieder beschäftigt. Einerseits habe ich einige Einschränkungen in der Beweglichkeit, die ich berücksichtigen und für die ich Lösungen finden muss, andererseits bin ich auch einfach nicht der Typ für „Schema F“. So gut und sinnvoll Vorgaben und Empfehlungen von außen sein mögen, diese „einfach“ übernehmen und mir aneignen, das ist nicht mein Ding. Ich möchte meine eigenen Lösungen finden, erst dann fühle ich mich wohl. Daher habe ich lange Zeit experimentiert, wie nun ein passender Zeitrahmen, speziell für die Sitzmeditation gefunden werden kann und bin zu folgenden Ideen und Lösungen gekommen:

Den richtigen Zeitrahmen für die Meditation finden

  1. Lieber kurze und regelmäßige Meditationszeiten, als nur gelegentliche lange Meditationen. So beeindruckend es ist, wenn man sich am Wochenende beispielsweise gleich 2 Stunden Zeit nimmt, es bringt wenig, wenn die restliche Woche nichts läuft. Daher ist es besser, sich im Bedarfsfall nur 5 Minuten Zeit zu nehmen, dann aber täglich.
  2. Im Bedarfsfall auf andere Achtsamkeitsübungen ausweichen. Dies macht dann Sinn, wenn so wirklich gar nichts zu gelingen scheint. Auch hier ist es wichtig auf Regelmäßigkeit zu achten. Beispielsweise sich beim morgendlichen Duschen, wirklich auf das Duschen konzentrieren, das Wasser auf der Haut spüren, das abtrocknen, usw – gedankliche Pläne für den Tag immer wieder loslassen und zur Wahrnehmung des Duschens zurückkehren. – Ich habe in Phasen, wo ich mich nur schwer auf das Meditieren einlassen konnte, damit begonnen, den Weg zur Arbeit für achtsames Gehen zu nutzen. Diese Übung gestaltete sich im Laufe der Zeit zu einem wunderbaren, entspannten Rahmen vor und nach dem Arbeiten, den ich bis heute beibehalte. Ich achte darauf, den Boden unter meinen Füßen zu spüren, den Wind auf meiner Haut, den Regen, die Sonne, die Geräusche. Solche einfachen Übungen helfen, dranzubleiben und den Zugang zur Meditation nicht ganz zu verlieren und irgendwann dann doch wieder „die Kurve zu bekommen.“
  3. Offenes Meditieren. Mit offenem Meditieren meine ich, die Sitzmeditation ohne festen, vorgegebenen zeitlichen Rahmen zu gestalten. Ich habe es so gehandhabt, dass ich einfach mal längere Zeit ausprobiert habe, wie lange ich die Sitzmeditation von mir aus übe und wann der Zeitpunkt da ist, wo ich denke: „Ok, jetzt reicht es.“ Im Laufe der Zeit kristallisierte sich so ein gewisser Rahmen heraus. Bei mir lag er bei ca. 15 Minuten.
  4. Offenes Meditieren – Plus: Mit offenem Meditieren – Plus meine ich, zu der persönlich gefundenen angenehmen Zeit (siehe zuvor in Punkt 3) nochmal einige, wenige Minuten anzufügen. Ich habe dann beispielsweise an die 15 Minuten, die ich mich in der Regel gut aufs Meditieren einlassen konnte, nochmal 5 Minuten hinzugefügt. Dies lässt den Hintergrund der eigenen Grenzen bewusster wahrnehmen und Lösungen finden, sowie diese Grenzen schrittweise ein Stückchen zu erweitern.
  5. Mit eigenen Einschränkungen und Begrenzungen bewusst umgehen und persönliche Lösungen ausprobieren: Wichtig erscheint es mir auch, die eigenen Grenzen und Einschränkungen besonders achtsam wahrzunehmen. Egal, ob körperliche Erkrankungen oder Beeinträchtigungen, Stressreaktionen, Behinderungen, emotionale Tiefs oder was auch immer eine Rolle spielt: Es ist wichtig, nicht darüber hinwegzugehen, sondern im Bedarfsfall eigene und ganz persönliche Lösungen zu finden. Ich verzichte beispielsweise inzwischen bewusst auf Meditationshocker oder Meditationskissen und nutze einen Stuhl für die Sitzmeditation. Manchmal lege ich mir ein kleines Kissen in den Rücken, manchmal nutze ich einfach den Balkonstuhl und achte sehr bewusst darauf, dass es mir körperlich gut geht. Außerdem dehne und bewege ich mich zwischenzeitlich und lockere ggf. meine Muskulatur – mit Sicherheit sehr viel öfter, als der „Durchschnitts-Meditierende“ (wenn es denn so etwas gibt).
  6. Gerade für Anfänger sinnvoll finde ich den Bodyscan. Er ist eine ideale Basisübung, um ein besseres Gefühl für die eigenen körperlichen Reaktionen zu bekommen. Auch wer Erfahrung im Meditieren hat, wird vom Bodyscan immer wieder profitieren.
  7. Ob man besser morgens, abends oder im Tagesverlauf meditiert, ist aus meiner Sicht ebenfalls etwas, was man ausprobieren sollte. Je nach meiner jeweiligen Arbeitszeit, wechselt diese beispielsweise bei mir.

Meditation – sich einlassen, statt aushalten oder weglassen

Wichtig erscheint mir insbesondere eins: In der Meditation geht es nicht darum, sich an irgendeinem Durchschnitt orientieren oder irgendwelchen Empfehlungen einfach nur zu folgen. Meditation ist keine sportliche Leistung. Es geht auch nicht darum, etwas auszuhalten. Meditation bedeutet, sich auf das Meditieren wirklich einzulassen. Der zeitliche Rahmen sollte sich genau daran orientieren und dürfte je nach Person und Situation unterschiedlich lang oder kurz sein. Im Laufe der eigenen Übungspraxis gelingt es dann in der Regel immer besser, mit den eigenen persönlichen Grenzen umzugehen und bei Bedarf individuelle und tragfähige Lösungen zu finden.

Die Quelle meiner Texte…

Ganz nebenbei: Meditation ist die Quelle meiner Texte auf dieser Webseite. Ohne das Meditieren – mit all den Hochs und Tiefs, die es dort gibt – wäre ein Größteil meiner Texte hier nie entstanden. Ich hätte viele meiner Gedanken und Ideen einfach nicht gehabt. Natürlich meditiere ich nicht, DAMIT mir etwas einfällt, das würde nie im Leben funktionieren. Meine Texte entstehen eher im Loslassen aller Pläne, Vorhaben und ToDo-Listen und sind eher die Folge oder auch Auswirkung der Meditation.

Klangschale auf Dielenfußboden

Digitale Welt

Unsere digitale Welt hat viele Möglichkeiten. Ich schätze diese sehr mit all ihren Geräten, mit all den vielfältigen Vernetzungs- und Informationsmöglichkeiten. Oft denke ich, wie schön es gewesen wäre, hätte ich diese Möglichkeiten als Jugendliche und junge Erwachsene gehabt. Damals habe ich manchmal wochenlang auf irgendein Buch gewartet, um an Informationen heran zu kommen. Und Telefonieren war auch so ein Thema. Einige ganz wenige Telefonate im Monat, immer schön nach 21 Uhr, damit es nicht so teuer wird. Eine Wahlwiederholung hatte mein erstes eigenes Telefon noch nicht. Es war grün, hatte eine Wählscheibe und hing an einer in der Wand fest installierten Schnur. Mit meinen wenigen Telefonaten kam ich auf rund 35 DM im Monat. An ein Fax war noch gar nicht zu denken. Das erste 20-bändige Taschenlexikon war dann eine aufregende Sache. So viele Informationen auf so relativ wenig Raum. Ich stöberte stundenlang in den Büchern – nicht, weil ich eine bestimmte Information suchte, sondern einfach so, weil es so schön war und so einfach und so informativ.

Heute ist dies alles viel einfacher. Es gibt kaum eine Information, die nicht irgendwo im Internet zu finden ist. Ich bin auch nicht mehr gezwungen, das halbe Ruhrgebiet nach irgendeiner passenden Hose abzusuchen, die mal nicht zu kurz für mich ist. Insbesondere muss ich nicht notgedrungen irgendwo in der Herrenabteilung nach einer Jeans schauen, die zwar lang genug ist, aber der Schnitt für mich als Frau nunmal nicht passt. Bin ich froh, dass dieser Zirkus vorbei ist! Finde ich nichts vor Ort, bestelle ich meine Hosen im Internet.

Ich genieße diese digitale Welt, ich nutze sie auch. Trotzdem: Es gibt auch ein Leben ohne ständig aufploppende Nachrichten am Smartphone und auch außerhalb des Laptop-Rahmens findet eine Menge Leben statt. Um etwas zu notieren, brauche ich nicht jedesmal irgendeine App auf dem Handy. Da reicht meistens auch ein gewöhnliches Notizbuch und ein Stift. Das ist viel unabgelenkter und irgendwie auch sinnlicher. Es ist insbesondere einfacher, mal nur den eigenen Gedanken nachzuhängen oder in sich hinein zu spüren.

Notizbuch mit Füller

Die digitale Welt sorgt dagegen für ständige Ablenkbarkeit. Die Gefahr von Reizüberflutung ist hoch. Auch wenn sich in der digitalen Welt vieles entdecken lässt, es besteht die Gefahr, dass wir dabei das Wichtigste verlieren: Uns selbst. Aus diesem Grund habe ich mich vor ca. 4 Monaten Zeit zunächst von Facebook, später auch von Twitter verabschiedet. Instagram ist mir zu aufwändig. Fotos machen und mir Hashtags überlegen, wenn ich mich einfach mal über das Social-Media-Netz ein wenig austauschen will, finde ich zu umständlich. Ich habe doch nicht meine Arbeitszeit reduziert, um die dann zur Verfügung stehende Zeit mit solch aufwändigen Dingen zu verbringen. Da schaue ich doch lieber mal bei den unterschiedlichsten Bloggern vorbei, die immer wieder Interessantes zu erzählen haben.

Erfreulicherweise gibt es auch die Minimalismus-Stammtische, sowie die auch in diesem Jahr stattfindende Minimal-Kon, das Jahrestreffen für Minimalismus-Interessierte aus dem deutschsprachigen Raum. Es gibt also immer noch zahlreiche Möglichkeiten, sich über Minimalismus und „Gott und die Welt“ auszutauschen, ohne dass irgendein Social-Media-Algorithmus darüber entscheidet, was ich sehe oder nicht.

Die Herausforderung und Chance unserer Zeit ist es, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen, sich aber nicht davon dominieren zu lassen. Damit haben wir die phantastische Möglichkeiten, die Vorteile der analogen und digitalen Welt miteinander in Einklang zu bringen.

Minimalismus – der Blick auf das Wesentliche

Ich habe noch einmal sehr deutlich gespürt, dass vieles von dem, was ich in den letzten Monaten gemacht habe, nie ohne meinen minimalistischen Lebensstil funktioniert hätte. In den letzten 4 Monate lag mein Fokus ganz klar auf meiner normalen Berufstätigkeit und dem Schreiben des Buches, sowie der nötigen Erholung dazwischen. Mit einem „üblichen“, d.h. annähernd durchschnittlichem Konsumstil wäre in meinem Berufsfeld eine Vollzeitstelle nötig. Dann hätte ich aber nie ein Buch schreiben können, schon gar nicht wäre ich dann in der Lage gewesen, jetzt auch noch umzuziehen. Der Blick auf das Wesentliche, also auf das, was hier und jetzt gerade so ansteht, erleichtert mir wirklich vieles.

Das Manuskript meines Buches „Wenig Dinge braucht das Glück“ sind inzwischen beim Verlag. Entrümpeln, Aufräumen und Achtsamkeit miteinander zu verbinden, ist schon etwas ungewöhnlich. Aber mir gefällt es. Natürlich hätte ich noch dies, das und jenes schreiben können. Irgendwann war ich aber an dem Punkt, an dem ich bemerkte, dass alles, was ich noch hinzufüge, in den Bereich der Verschlimmbesserung gehen würde. Irgendwann ist es dann einfach genug mit dem Schreiben – selbst dann, wenn ich einzelne Themen noch ins Unendliche ausweiten könnte. Aber wenn die Leser_Innen vor lauter Lesen nicht zum Aufräumen kommen, ist das ja auch irgendwie unsinnig 😉. Nun warte ich gespannt auf die Layouts für das Cover des Buches.

Fast wie ganz nebenbei, habe ich dann auch noch die neue Wohnung gefunden, in die ich bald einziehen werde. Als ich gestern aus dem Fenster schaute, sah ich zufällig, wie jemand schräg gegenüber auszog und erstmal alle Dinge draußen auf die Wiese vor das Haus stellte. Lieber Himmel bin ich froh, weniger Besitztümer zu haben. Ein „normaler“ Umzug hat etwas von Horror pur. Meine Sachen einzupacken war zum Glück kein großer Aufwand und ich bin in diesem Punkt sehr entspannt.

Eine Zimmerecke, in der 2 größere und 2 kleinere Kartons stehen, sowie 5 unterschiedlich große Taschen und 1 Koffer stehen. Am rechten Bildrand ein auseinander genommener Schrank.

Auf dem Bild oben fehlen nur noch einige Dinge aus Küche und Bad, die derzeit noch in Verwendung sind. Einiges Werkzeug und Putzutensilien landen ja ohnehin immer als erstes in der neuen Wohnung.

Blick in Küchenunterschrank: rote Kiste mit Putzuntensilien, 2 Holzkästen mit einigen Küchenutensilien. Vor dem Schrank stehend: 1 Werkzeugkiste, rechts daneben eine weiße Box mit Nahrungsmittelvorräten
Die wesentlichen Dinge für die Zeit kurz vor und nach dem Umzug.

Der einzige Haken dieses minimalistischen Umzuges ist eigentlich nicht wirklich ein Haken: Ein Umzug mit Umzugsunternehmen hätte sich weder für mich, noch für das Umzugsunternehmen gelohnt. Zuwenig Kram. So etwas nenne ich Luxusproblem. Also lasse ich mir etwas mehr Zeit. Das ein oder andere Teil wird sogar zu Fuß in der rund 200 Meter entfernten neuen Wohnung landen. Ganz einfach deshalb, weil ich sowieso häufiger dort entlang gehe. Dann werden noch ein paar Teile mit dem Carsharingauto transportiert und Anfang Juni die Möbel. Beim nächsten Minimalismus-Stammtisch Ruhrgebiet am 3.6. ist dann alles in der neuen Wohnung. Dass zwischendurch alles ein wenig improvisiert ist, stört mich nicht – ganz im Gegenteil. Es macht mir sogar Spaß. Mich erinnert es an Camping mit den eigenen Möbeln und somit empfinde ich eher Urlaubsgefühle, als Umzugshorror. Es muss einfach nicht immer perfekt sein. Wenn ein paar Dinge mal nicht ständig griffbereit sind, stört es in keinster Weise. Ich kann essen, schlafen, mich erholen. Der Blick auf das Wesentliche fällt mir leichter als früher. Das entspannt und befreit.

im Vordergrund ein Holztisch auf dem eine Kaffeetasse, Wasserflasche, Glas und Laptop stehen. Im Hintergrund ein Fenster. Es sind 2 Baumkronen zu erkennen.

1 Jahr Minimalismus-Wohnung – ein Resumee

Vor etwas über einem Jahr zog ich in meine jetzige Wohnung. Nach 12 Jahren Wohnen in Beziehung und WG nun wieder eine Wohnung für mich alleine. Es war mir klar, dass Minimalismus als Lebensstil genau zu mir passt und  meine vier Wände entsprechend ausgerichtet sein sollten. Einige Teile musste ich mir aber trotzdem noch kaufen. Eine Rückblende nach etwas über einem Jahr, was sich bewährt hat und was nicht.

Was sich nicht bewährt hat:

Einbauküche
Ein großer Einrichtungsbereich war meine Küche. Ich wusste zwar, dass ich ohnehin nicht so viel koche, daher eine kleine Ausstattung reicht. Aber die Herausforderung war der extrem kleine Küchenraum. [Wie ich diese Herausforderung gelöst habe, steht hier: Minimalismus in der Küche]

Blick auf die Holzarbeitsplatte mit links Spüle, dann Utensilien für Kaffee kochen, dann Einzelkochplatte mit Wasserkessel

Was mir jetzt nach einem Jahr Nutzung auffällt: Die Kombination von Holz und der Farbe weiß gefällt mir. Die Küche ist praktisch und hat in dem kleinen Raum tatsächlich viel Arbeitsfläche. Die Küche gefällt mir trotzdem nicht so richtig. Sie war halt vorrangig eine pragmatische Entscheidung. Einbauküchen sind nicht mein Ding. Ich werde sie nie mögen – auch dann nicht, wenn sie schön aussehen und praktisch sind. Ich bin ein Fan von Modulküchen: Hier eine Spüle, dort ein Kühlschrank und irgendwo noch eine Arbeitsfläche mit der Kochplatte. Weil ich Einbauküchen nicht mag, ist die jetzige Küche auch immer noch keine wirklich eingebaute Einbauküche. Das hätte ich mir eigentlich denken können, habe ich aber nicht … Und so sind die Fußleisten sind immer noch nicht dran, die Abschlussleisten der Arbeitsplatte ebenfalls nicht. Den Einbaukühlschrank hätte ich auch nochmal etwas exakter einbauen können. Ich hatte aber bislang einfach keine Lust daran und konnte mich entsprechend nicht dazu aufraffen. Es stört mich aber auch nicht so wirklich.

Bedarf an Schränken überschätzt
Meinen Bedarf an Schränken, um Zeugs unterzubringen, habe ich überschätzt. 3 kleine gebrauchte Holzschränke hatte ich. Alle drei stehen inzwischen auseinander gebaut im Keller. Die in die Schränkchen ursprünglich hinein gestellten Dinge, passten problemlos woanders hin. Also wenn noch jemand Ivarschränke braucht…

Ein wenig ähnlich geht es mir derzeit mit 2 weiteren Schränken, beide insgesamt 1,50m breit und 35cm tief. Irgendwann entdeckte ich die geniale Falttechnik von Marie Kondo und seither ist mir klar, dass Kommoden nicht nur für T-Shirts, sondern für viele andere Dinge sehr viel praktischer sind. Bei den Schränken geht es mir ähnlich, wie mit der Küche: Sehr schön, irgendwie passen sie aber nicht richtig zu mir. Zum Glück waren die Schränke nicht neu, sie sind also kein Fehlkauf, sondern haben schon einige Lebenszeit hinter sich. Ganz nebenbei fällt eine weitere „kleine Marotte“ von mir auf: Die Schränke haben keine Türgriffe, seit 11 oder 12 Jahren nicht. Mir gefällt es ohne Griffe besser.

2 birkenfarbene Schränke, 100 und 50cm breit.

Was sich bewährt hat:

Mein Futon. Auf einem Futon zu schlafen, ist einfach klasse. Ich genieße es immer noch und möchte darauf nicht wieder verzichten. [Näheres dazu hier: Auf einem Futon schlafen]

Futon zu eine Art Sofa zusammengefaltet

Die flexiblen Tische. Ich habe einen rechteckigen und einen quadratischen Tisch. Darüber hinaus noch einen sehr alten schwedischen Klapptisch in der Küche. Alles ist wunderbar flexibel. Da ich ohnehin gerne mal die Wohnung umräume, geht das mit diesen Tischen einfach wunderbar und ich kann sie sehr multifunktional nutzen [Siehe: Multifunktionales Wohnen]

rechteckiger Esstisch für 2 - 4 Personen

Kein Auto. Bin ich froh, kein Auto mehr zu haben! Es ermöglicht mir u.a. in Teilzeit arbeiten zu können. In 5 Minuten erreiche ich Bus, S-Bahn und U-Bahn. In 20 Minuten bin ich zu Fuß bei meiner Arbeitsstelle, in der gleichen Zeit mitten in der Innenstadt von Dortmund. Das anfängliche Carsharing habe ich wieder gekündigt, da ich es kaum genutzt habe. Im Bedarfsfall ist es günstiger für mich, mir einfach einen Leihwagen zu mieten.

Keinen Fernseher, keine Stereoanlage. Beides brauche ich nicht, es fehlt mir nicht und ich bin froh, dass dieses Zeug nicht bei mir herum steht. Ich nutze den Computer, der sich problemlos multifunktional verwenden lässt.

Nicht zu früh und nicht zu schnell kaufen hat sich ebf. bewährt. Nicht alles, was ich zu brauchen meine, verwende ich dann im Alltag auch. Fehlt etwas, kann ich es dann immer noch kaufen. Das meiste Zeugs fehlt aber meistens gar nicht. Es hätte eh bloß herum gestanden. Wozu drei Kochlöffel, wenn ich mit einem Kochlöffel auch prima klar komme? Und sollte mir wirklich irgendwann doch noch ein weiterer Kochlöffel fehlen, kann ich mir den dann auch noch kaufen.

Wie es weiter geht:

Die Küche wird einfach erst mal so bleiben, wie sie ist. Derzeit wohne ich im Dachgeschoß, da passt es so am besten. Da ich nächstes Jahr 57 Jahre werde und sicherlich nicht mehr mit 70 Jahren die Einkäufe in die 4. Etage schleppen möchte, mache ich mir zur Küche erst Gedanken, wenn mal irgendwann eine Wohnung in Erdgeschoß oder 1. Etage ansteht. Die Wohnlage ist perfekt für mich, daran möchte ich nichts ändern, auch gefällt mir genossenschaftliches Wohnen besser, als private Vermieter oder Vermieter, die ihre Häuser vorangig als reines Investitions- oder Spekulationsobjekt sehen.

Die Schränke werden über kurz oder lang sicherlich durch Kommoden oder ähnliches ersetzt. Diese passen besser zu mir, ggf. werde ich sie mit ein paar Rollen ausstatten, um sie leichter verschieben zu können.

Minimalismus ist Luxus

Wieder einmal ist mir klar geworden: Minimalismus als Lebensstil ist Luxus. Natürlich nicht der Luxus, viele Dinge zu besitzen, sondern der Luxus der individuellen Lösungen. Es ist der Luxus, sich am eigenen, persönlichen Bedarf orientieren zu können. Es ist der Luxus, wenig Zeit mit Putzen und Aufräumen zu verbringen.  Es ist auch der Luxus, dass ich für Dinge, die ich nicht kaufe, nun mal auch nicht arbeiten gehen muss.

Minimalismus ist Burnout-Prävention

Letztlich ist Minimalismus sogar der Luxus, weiterhin erwerbstätig bleiben zu können. Ich kann meinen – manchmal sehr anstrengenden – Beruf als Sozialpädagogin weiter ausüben. Viel Konsum würde bedeuten, dass ich Vollzeit arbeiten müsste. Allerdings ist dies nach den vielen Jahrzehnten sozialer Berufstätigkeit genau das, was ich nicht mehr ohne weiteres schaffen würde und auch nicht mehr möchte. Minimalismus ist für mich daher auch eine perfekte Burnout-Prävention. Es geht mir so viel besser. Ich fühle mich wohler. Ich bin ausgeglichener und entspannter. Von diesem Luxus profitiere dann nicht nur ich selbst, sondern auch die Menschen, mit denen ich täglich beruflich zu tun habe.

Filmtipp: Zeit für Stille

Zeit für Stille

Es ist der Samstag vor dem 1. Advent, als ich losziehe, um mir im Kino den Film „Zeit für Stille“ anzuschauen. Ich verlasse meine ruhige Wohngegend. Als ich mich der vielbefahrenen Straße nähere, dringt Autolärm an mein Ohr. An der U-Bahn-Haltestelle wird es wieder ruhiger, nur die Geräusche der Rolltreppe sind zu hören. Einige Menschen unterhalten sich, dann quietschen die Bremsen der heran fahrenden U-Bahn. Der Großteil der Menschen hier ist auf dem Weg in die Einkaufszone der Innenstadt. Das alljähliche Vorweihnachtsshopping hat längst begonnen. Die ehemals stille Adventszeit ist längst zu einem Weihnachtsjahrmarkt geworden – bunt, laut, voll. 

Frau von hinten fotografiert. Wehende Haare. Im Hintergrund verschwommen ein vorbeifahrender Zug.
Foto: © www.zeit-fuer-stille.de

Eine Handvoll Menschen hat schließlich trotzdem den Weg ins Kino gefunden. Es ist still, selbst die üblichen Popcorn-Raschelgeräusche fehlen.

 

Zeit für Stille – der Film

Grünes Feld. An der Grenze zum Horizont ein mittig stehender Baum
Foto: www.zeit-fuer-stille.de

Patrick Shen gelingt es in dem Dokumentarfilm, nicht nur Bilder zu zeigen und interessante Interviews zu führen, sondern die Inhalte für den Zuschauer erlebbar werden zu lassen. Ich bin im ersten Moment überrascht, über die heute so selten gewordenen, langen Bildeinstellungen, genieße sie dann aber um so mehr. Sie lassen tatsächlich meine Augen und Ohren zur Ruhe kommen und mich intensiver in den Film eintauchen. Plötzlich wird der im Wind wehende Grashalm interessant. Ob es der schweigende Wanderer ist, die Mönche im Kloster oder die Menschen bei der japanischen Teezeremonie, überall ist die Weite und das Aufatmen dieser Stille spürbar. Die Zeit scheint zu stehen und die vermeintlichen Grenzen zwischen Mensch und Natur verwischen.

Die Wirkungen des Lärms werden ebenfalls eindrucksvoll dokumentiert. Mir wird deutlich, was für eine mitunter verrückte Welt wir selbst produzieren. Die Auswirkungen des Lärms ist für mich bis in den Kinosessel hinein spürbar. Ich empfinde manche Geräusche so unangenehm, dass sich meine Muskulatur unwillkürlich zusammen zieht. Ich bin froh, als sich die Zeit für Stille wieder im Film und auch in mir ausweitet. 

Zeit für Stille: Ein sehens-, hörens- und spürenswerter Dokumentarfilm.

 

Daten zum Film:

Titel: Zeit für Stille
Regie: Patrick Shen
Sprache: Englisch mit deutschen Untertiteln
FSK: o. Altersbeschränkung
Laufzeit: 81 Min.
Kinostart: 30. November 2017
Verleih: Mindjazz-Pictures

Kinotermine

http://mindjazz-pictures.de/kinotermine

 

Webseite: www.zeit-fuer-stille.de

Trailer 1:

 

Trailer2 (ohne Worte):

 


 

Grenzen erkennen und überwinden

Manchmal ist das, was wir so üblicherweise als „normal“ bezeichnen, so gar nicht normal. Und wenn es gar zu einer Art „Normalitäts-Schablone“ gerät, wird es Zeit, diese Begrenzungen zu überwinden. Ich lasse mal all die Normalitäts-Definitionen und  -diskussionen beiseite, konzentriere mich auf den ganz gewöhnlichen Alltag und greife mal eins meiner ebenfalls ganz gewöhnlichen Erlebnisse heraus: 

„… Dann ist es auch egal…“

Ich war auf dem Weg zu einer MBSR-Übungsgruppe, als ich die Treppe vom Bahnsteig zur U-Bahn hinunter ging und mir ganz spontan und wohlgelaunt durch den Kopf ging: „Ok, dann bin ich jetzt eben alt. Dann ist es auch egal.“

Verdutztes Innehalten.

Mooooment!

So alt bin ich doch noch gar nicht. Ok, 56 Jahre. Aber nicht 65, nicht 76 und nicht 82. Aber irgendwas fühlte sich plötzlich anders an. Doch was überhaupt? Und was bedeutet denn für mich „egal?“ Und warum fühlt sich das dann auch noch gut an?

„Normalitäts-Schablonen“

Ich nutzte die anschließenden Übungen der MBSR-Achtsamkeitsgruppe um hinzuspüren, wie es mir geht, hier und jetzt und von Moment zu Moment. Diese einzelnen Momente sind häufig besondere Herausforderungen, aber sie sind auch der Schlüssel zur Lösung.

Aufgrund einiger körperlicher (orthopädischer) Einschränkungen habe ich deutlich mehr Schwierigkeiten zu bewältigen, als die meisten anderen TeilnehmerInnen, manches geht gar nicht. Die rechte Hüfte ist deutlich unbeweglicher als die linke. Fußfehlstellungen machen etwas längeres beschwerdefreies Stehen nahezu unmöglich, ein deformierter Lendenwirbel und überdehnbare Gelenke machen Vorsichtsmaßnahmen nötig. Jahre und Jahrzehnte habe ich mich damit gestresst, mich damit herum gequält und bis zum Umfallen geübt. Ich wollte doch irgendwie nur mal dahin kommen, „normal“ mitmachen zu können. Es ging aber nicht, zumindestens nie annähernd so gut, wie die meisten anderen TeilnehmerInnen und dies nicht nur in MBSR-Gruppen, sondern auch in den diversen Gymnastik-, Fitness-, Physiotherapie- und weiß-ich-was-Gruppen.

Die letzten Wochen hat mich dies sehr beschäftigt. Und natürlich: Mit 20 oder 30 Jahren hatte ich auch diese Probleme, aber da konnte ich sie noch besser „wegstecken“ und  mich mit der Illusion aufrecht halten, dass ich einfach nur fleißig üben muss, damit es dann besser wird. Und klar, spüre ich nun mit 56 Jahren, dass darüber hinwegsehen oder üben, üben, üben eben auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Aber genau da liegt auch die Chance.

Grenzen erkennen

Was nicht „normal“ ist, muss auch nicht „normal“ sein. Genau das ist dann auch dieses „Dann-ist-es-auch-egal-Gefühl“, welches mich so wohltuend auf dem Weg zur U-Bahn durchströmte. Grenzen als Grenzen erkennen und  auch einfach mal zu akzeptieren, befreit. Es befreit von all dem Druck des „Normal-sein-Wollens.“

Grenzen überwinden

Es befreit auch, Grenzen an den richtigen Stellen einfach auch mal zu überwinden. Bei mir sind es beispielsweise die Grenzen der üblichen Meditations- und MBSR-Übungen. Mir reichen sie so nicht. Deshalb erweitere ich sie inzwischen, variiere, probiere und fühle hin, wie es mir geht, was ich brauche, was ich evtl. auch anders brauche, als die Menschen um mich herum.

All die vielen unpassenden „Normalitäts-Schablonen“ benötigen viel zu viel Energie. Nicht nur in MBSR und Meditation, sondern auch in so vielen anderen Bereichen: So scheint es heute fast „normal“, bis zum Umfallen zu konsumieren. Shoppen, bis der Arzt kommt. Ich will es aber nicht. Deshalb begrenze ich sowas und bin da gerne „unnormal“ . Ich gönne jedem seine und ihre Wohnungsdeko wirklich, ehrlich und von ganzem Herzen. Ich kann mich sogar daran erfreuen – bei Anderen! Bei mir will ich diese Deko nicht. Tannen gehören für mich in die Natur und nicht in den Christbaumständer. Den Kleiderschrank zu entrümpeln ist für mich auch kein Minimalismus, das ist nur das notwendige Übel auf dem Weg dahin.

Achtsamkeit und Minimalismus ist, wenn ich die Begrenztheiten des Zuviels überwinde und genau hinspüre, was ich wirklich brauche. Achtsamkeit und Minimalismus ist, wenn Raum zum Atmen da ist: Begegnung statt Begrenzung, Miteinander statt Gegeneinander, fürsorglich statt missgünstig. Es gibt lebenswerteres, als sich mit „Normalitäts-Schablonen“ und deren Begrenzungen aufzuhalten – genau das ist für mich Achsamkeit und genau das ist für mich auch Minimalismus.

7 Jahre Achtsamkeit: Wirkliche Bedürfnisse

Vor 7 Jahren entdeckte ich Achtsamkeit und Meditation für mich. Vieles hat sich dadurch geändert und verändert. Da dies nicht alles in einen einzigen Text hineinpasst, heute Teil 2:

Wirkliche Bedürfnisse

Als Sozialpädagogin (und im Erstberuf Erzieherin) bin ich schon aus beruflichen Gründen vorrangig fokussiert auf die Bedarfe anderer Menschen. Das ist seit Jahrzehnten mein Beruf und ich mache diesen Beruf tatsächlich immer noch sehr gerne. Aber natürlich ist so ein Beruf auch anstrengend und belastend. Ich spürte diese Belastung irgendwann immer deutlicher, die Stressymptome nahmen zu – was mich letztlich auch zu Meditation und Achtsamkeit brachte.

Im Rahmen der unterschiedlichen Achtsamkeitsübungen, gelangte eine Frage im Laufe der Zeit immer mehr für mich in den Mittelpunkt: Wo bleibe ICH eigentlich? Was ist MEIN Bedarf? Was sind meine wirklichen Bedürfnisse? Alle möglichen Wünsche hatte ich durchaus. Aber Wünsche sind einfach das, was sie sind: Wünsche. Sind sie deshalb auch meine wirklichen Bedürfnisse?

Wünsche konsumieren, statt Bedürfnisse erfüllen

Monatelang übte ich überwiegend ‚Metta für mich selbst.‘ Ich bemerkte, dass die jahrzehntelange überwiegende Konzentration auf das Wohlergehen Anderer dazu geführt hatte, dass ich innerlich blind geworden war für meine persönlichen Bedürfnisse. Es fühlte sich an, als seien diese irgendwo im Nebel unsichtbar geworden oder in irgendeinem Dickicht verloren gegangen. Achtsamkeit brachte mich dazu, zu erkennen, dass das, was ich für meine Bedürfnisse gehalten habe, keine wirklichen Bedürfnisse waren. Irgendwelche technischen Gadgets, der neue PC oder zumindestens ein paar neue Zusatzteile für den Computer: das waren lediglich Wünsche. Es war die Faszination des Neuen, mit der uns die Konsumindustrie eine heile Welt vorgaukeln möchte und die ich zeitweise gerne übernahm. Es war für mich die wunderbare Ablenkbarkeit von den Belastungen des Alltages und der Wunsch, mir etwas Gutes zutun. Aber genau das gelang mir damit nicht. Mit der Erfüllung von Konsumwünschen kam nur kurzfristige Zufriedenheit. Das gute Gefühl hielt nur kurz und wich neuer Unzufriedenheit.

Wirkliche Bedürfnisse entdecken

Ich entdeckte im Laufe der Zeit ganz andere Bedürfnisse. Mein Bedürfnis nach Information und dem Stillen meiner Neugier, kann ich beispielsweise mit einem internetfähigen Gerät sehr einfach und bequem nachkommen. Ich brauche dazu aber nicht ständig ein neues Gerät – erst Recht nicht, wenn dieses dann lediglich für ein kurzfristiges Gute-Laune-Gefühl sorgt. Mein Bedürfnis mich über das Schreiben auszudrücken, kann ich beim Tippen auf einer Computertastatur natürlich sehr viel besser nachkommen, als auf einer handelsüblichen Schreibmaschine früherer Tage. Insbesondere ist es für mich sehr viel einfacher, als alles mit der Hand zu schreiben. Aber auch zum Schreiben brauche ich nicht ständig ein neues Gerät oder neue, aufwändige Software. Im Gegenteil: Nutze ich früher eine umfangreiche Textverarbeitung, reicht mir heute meistens ein kleiner Editor.

Ein weiteres Beispiel: Jahrelang hatte ich den Wunsch, sportlich mit anderen Menschen so einigermaßen mithalten zu wollen. Es gelang mir nie. Es war halt ein Wunsch, der nicht zu meinen wirklichem Bedarf passte. Einige meiner von Geburt an vorhandenen körperliche Einschränkungen fielen zwar nie sonderlich auf – sie waren und sind aber da. Gerade durch Gehmeditation und achtsames Yoga spürte ich sie dann deutlich wie nie. Es war ein langer und schwieriger Prozess, mein ganz persönliches Sosein zu akzeptieren und mich – endlich – meinen Möglichkeiten entsprechend, bewegen zu können oder eben auch nicht. Die langsam ausgeführten Bewegungen in der Gehmeditation und in den Yogaübungen des MBSR’s haben mir zu mehr Körpergefühl verholfen, als all die vielen Fitness- und Gymnastikstunden mit denen ich mich jahrelang zuvor beschäftigt hatte.

Die Faszination mich in einer Atemmeditation wirklich nur auf eine Sache, nämlich das Atmen, beschränken zu können, führte mich zu einem weiteren wesentlichen Bedürfnis: Dem intensiven Wunsch nach „Weniger ist mehr.“ Reizüberflutungen im Alltag, aber auch den eigenen vier Wänden abzubauen war und ist für mich ein ganz wesentlicher Aspekt von Lebensqualität. Achtsamkeit führte dazu, dass mir mein teilweise hohes Maß an Sensibilität deutlich geworden ist. Dies brachte mich im Laufe der Zeit zu der Erkenntnis, wie wichtig es ist, nicht einfach darüber hinwegzugehen. Minimalismus ist insbesondere auf diesem Hintergrund einfach ein ganz persönliches und wichtiges Bedürfnis von mir, um nicht im Dschungel der tausend Wahrnehmungen und Ablenkbarkeiten kirre zu werden.

 

Aufmerksamer mit mir und aufmerksamer mit Anderen

7 Jahre Achtsamkeit haben übrigens nicht dazu geführt, dass ich nun zu irgendeinem Egoisten mutiert wäre. Im Gegenteil. Je deutlicher mir meine wirklichen Bedürfnisse geworden sind, desto entspannter und klarer war und bin ich im Kontakt mit anderen Menschen – auch im beruflichen Kontext. Es gab Zeiten, in denen ich dank meines großen beruflichen Erfahrungsschatzes eigentlich nur noch funktioniert habe. Doch das hilft letztlich Niemandem und ließ mich zunehmend unzufrieden werden. Heute bin ich zum Glück wieder sehr viel zufriedener, entspannter und in meiner beruflichen Arbeit fokussierter und klarer geworden.
>Zum Weiterlesen:

7 Jahre Achtsamkeit: 1. Minimalismus

 

 

 

Das Glück in und um uns

Ich sitze da, am geöffneten Fenster, spüre die warme Sonne und einen leisen Windhauch auf meiner Haut. Ich sehe den blauen Himmel, die sich langsam gold färbende Sonne im beginnenden Abendlicht. Ich atme ein, ich atme aus und spüre einfach nur, dass ich da bin und lebe. Die Anspannung des zurück liegenden Tages pulsiert noch in meinen Adern und ich fühle, dass es nicht wichtig ist: Hektik, Stress und der mitunter wilde Takt, den ich manchmal auch selbst an schlage. Zur Ruhe kommen und fühlen, wie unendlich schön selbst das kleine Stückchen Natur ist, welches ich gerade von meinem Wohnzimmerfenster beobachten kann.

Und so sitze ich sitze da und frage mich, wozu das alles gut sein soll: All der Ehrgeiz, die smarten Ziele, der Traum vom Erfolg? Über’s Ziel hinaus schießen geht so schnell und wird dann zum Albtraum für uns selbst, für unsere Mitmenschen, für unsere Umwelt. Die eigenen Grenzen nicht mehr erkennen und in der Erschöpfung landen macht keinen Sinn. Unseren Planeten plündern, Menschen ausbeuten für irgendeinen Schnickschnack, den wir uns in die Wohnung stellen – obwohl wir diesen, vielleicht abgesehen von unserer Selbstpräsentation, überhaupt nicht brauchen – wozu?

Wir rennen der Illusion von Glück und Wohlergehen hinterher und übersehen das endlose Glück direkt in uns und um uns herum. Es ist, als wollten die Bäume vor meinem Fenster und die warme Abendsonne mir zu flüstern: „Hallo ihr Zweibeiner, was rennt ihr so besinnungslos durch die Gegend? Das Glück findet ihr nicht im nächsten Supermarkt, nicht im Aktienboom, nicht im schnellen Auto oder der nächsten Gehaltserhöhung. Das Glück ist direkt vor eurer Nase, es in in euch, es ist um euch herum. Rennt ihm um Himmels Willen nicht nach, haltet nicht krampfhaft fest, sondern öffnet die Augen eures Herzens. Ihr müsst es nur sehen, hören, fühlen.“

 

 

Ist Minimalismus Unsinn?

Nah dran am Leben

Es war kürzlich bei einem MBSR Übungsabend und einem längeren Bodyscan, als sehr hartnäckig innere Bilder vor meinem Auge vorbei zogen, die zunächst mal nichts mit Minimalismus zu tun hatten. Während ich beim Bodyscan versuchte, immer wieder zur Wahrnehmung meines Körpers zurück zu kehren, tauchten dann doch immer wieder die Erinnerungsbilder an die viele Menschen auf, die ich im Laufe der Jahre beruflich begleitet habe.

Als Sozialpädagogin bin ich in der Regel nah dran am Leben. Immer geht es darum, Lösungen und Lebensqualität zu finden. Vielfältigste Themen und Probleme gab und gibt es immer. In den zurückliegenden Jahren habe ich mitbekommen, wie in etlichen Berufen, die immer niedriger werdenden Löhne, zu immer mehr sog. Hartz IV-Aufstockern führten. Ich erlebte die qualitativen Unterschiede zwischen der früheren Sozialhilfe und dem späteren Antragsdschungel von Hartz IV, bekam die schleichende personelle Verschlechterung in der sozialen Arbeit mit. Hautnah erlebte ich aber auch, dass eine gute finanzielle Ausstattung nicht zwangsläufig zu einem entspannten Lebensalltag, schon gar nicht zu persönlicher Zufriedenheit führt. Ich sah, wie sich die Krankheiten von Menschen auf deren Alltag auswirkten. Ich musste einen Umgang damit finden, wenn deutlich wurde, dass ein Kind eine schwerwiegende Behinderung hat oder es sogar zu Todesfällen in Familien kam. Ich habe auf vielen Sofas gesessen, überfüllte und kärglich ausgestattete Wohnungen kennengelernt.

 

Minimalismus – nur oberflächlicher Unsinn?

Eigentlich befand ich mich aber immer noch beim Bodyscan in der MBSR-Übungsgruppe, als all diese zuvor beschriebenen Erinnerungen an meinem inneren Auge vorbei zogen. Und während ich diese auftauchenden Bilder auch immer wieder loslassen konnte, wurde eine Frage immer drängender für mich: Angesichts dieser vielen existentiellen und z.T. sehr dramatischen Lebenssituationen: Wie unwichtig ist da so etwas wie Minimalismus als Lebensstil? Ist das nicht völliger Unsinn? Letztlich nur oberflächliches Zeugs angesichts der menschlichen Dramen, die ich so oft erlebt habe? Warum befasse ich mich überhaupt damit? Achtsamkeit mag da ja noch sinnvoll erscheinen, aber Minimalismus? Ist das vielleicht nur ein nettes Hobby? Ein Ablenkungsmanöver vom wirklich Wichtigen? Eine schräge Zeiterscheinung einer materiell übersättigten Gesellschaft?

 

Minimalismus – es geht letztlich nicht um Dinge

Ganz klar und schnell fand ich die Antwort: Minimalismus macht Sinn, es geht auch nicht um die Anzahl von Dingen. Wer kennt das nicht: Nach all der Anstrengung sich endlich etwas gönnen. All die vermeintlich schönen Dinge, weil der Arbeitstag vielleicht stressig war, weil man sich belohnen will oder irgendwie unzufrieden ist, also all die kleinen und großen Frust- und Belohnungskäufe. Diese führen aber nur kurzfristig zu Ablenkung, nicht zu wirklicher Verbesserung. Eine volle Wohnung sollte nicht mit einem erfüllten Leben verwechselt werden.  
Minimalismus ist eine Möglichkeit, sich auf den Weg zu machen, die eigenen materiellen Besitztümer auf Sinn und Unsinn zu durchforsten, Überflüssiges loszulassen und sich der entscheidenden Frage zuzuwenden:

 

Was will und brauche ich wirklich?

Diese Frage bezieht sich auf Dinge, aber auch darüber hinaus: Von was lenke ich mich durch diesen ganzen Über-Konsum eigentlich ab? Von Ärger? Stress? Existenzängsten? Will ich „nur“ dazugehören, mithalten? Mit wem? Mit was? Was brauche ich denn darüber hinaus?

Auch mir geht es nicht um viel oder wenig Dinge. Eher ist es so, dass ich nach all den vielen täglichen Eindrücken ein eher ruhiges und anregungsarmes Umfeld brauche. Die genaue Anzahl von Dingen ist mir völlig egal. Aber freie Flächen empfinde ich als wohltuend. Die Kombination von weiß und warmen Holztönen entspannt mich. Es gelingt mir dann sehr viel besser, wieder „runter zu kommen.“  In einem einfachen, minimalistischen Umfeld bin ich direkter mit mir und weniger mit der Ablenkbarkeit der Dinge um mich herum beschäftigt. Das ist natürlich mitunter nicht einfach. Aber ich erinnere mich dann u.a. sehr viel schneller, dass ich – zum Glück – nicht der Mittelpunkt der Welt bin, das Wohlergehen der vielen Menschen und ihrer Schicksale, nicht allein von meinem Tun abhängen. Zu meinen, „ohne mich geht nix“, ist anmaßend, überheblich und auch eine Form der Selbstbeweihräucherung, vielleicht auch so etwas wie ein „sozialer Höhenkoller“. Genau deshalb liebe ich mein Bild mit den Gräsern so. Es erdet mich und erinnert mich daran, dass wir Menschen letzlich nur ein Stück Natur sind, genauso wichtig und unwichtig wie diese Gräser.  Diese Erkenntnis entlastet und befreit mich.

 

Achtsamer mit Menschen und Dingen umgehen

Minimalismus ist für mich letztlich nichts anderes, als meine praktische Konsequenz der formalen Achtsamkeitspraxis. Achtsamer werden mit mir selbst, mit den mit den mich umgebenden Menschen, mit unserer Lebenswelt – aber eben auch ganz konkret mit den Dingen, mit denen ich mich umgebe. Indem ich mich immer wieder innerlich und äußerlich auf das Wesentliche konzentriere, bin ich ich ruhiger, entspannter, aber auch sehr viel aufmerksamer und präsenter in meiner beruflichen Arbeit geworden. In einer Überfülle an angesammelten Dingen würde mir dies sehr viel schwerer fallen.

 

Minimalismus und der Austausch über Generationsgrenzen

Noch ein Aspekt fasziniert mich am Minimalismus: Der Austausch über diese Lebensweise überspringt die Generationsgrenzen. So unterschiedlich wie Lebenserfahrungen, Lebensläufe, Entwicklungen sind, erlebe ich es als nahezu komplett unwichtig, ob ich mich mit mit einem jungen Erwachsenen Anfang 20 austausche oder einem Menschen, der noch deutlich älter ist als ich. Die Vielfalt der persönlichen Ausformungen minimalistischer Lebensweisen und Prozesse ist immer wieder interessant, anregend und inspirierend. Daher: Herzlichen Dank, liebe Mit-Minimalisten!

 

 


Achtsame Schritte aus der Erschöpfung

Es gibt sie Tage, wie diesen hier:

Die Müdigkeit in den Knochen, sie scheint einfach nicht verschwinden zu wollen. Gleichzeitig bin ich aufgedreht. Die Befindlichkeit gleicht einem heiß gelaufenen Motor. Innerlich rotiert es, Gedanken und Gefühle laufen auf Hochtouren, während ich erschöpft im Sessel sitze. Zum Schlafen zu wach und zu aufgedreht, zum Wachsein viel zu müde. Eindrücke, Erlebnisse kreisen ebenso in mir, wie irgendein Ärger oder die vielen Ideen, Projekte, Pläne, die mir noch im Kopf herum geistern. Gleichzeitig merke ich aber: Erschöpfung macht sich in mir breit. Es ist genug. Es ist hier und jetzt genug.
Es ist wie bei einem Handyakku: Der leere Akku wird nicht automatisch durch meinen Wunsch, telefonieren zu wollen wieder voller. Ich muss das Gerät einfach mal aus der Hand legen und an die Steckdose hängen.

Und während ich erschöpft da sitze und noch keinerlei Ahnung davon habe, wie ich meinen inneren Akku je wieder aufladen kann, spüre ich irgendwo zwischen all meinem inneren Gedanken- und Gefühlszirkus, zwischen all der Müdigkeit und Erschöpfung, dass es ihn doch noch gibt: den Wunsch nach Ruhe, die Sehnsucht nach Unabgelenktheit – ganz unabhängig davon, was meine immer noch tobenden Gedanken und Empfindungen mir gerade sonst noch so erzählen wollen.

Achtsame Schritte für mehr Lebensenergie

Ich habe entdeckt, dass es im Wesentlichen die folgenden vier Bereiche sind, die mir helfen, aus einer solchen Erschöpfung wieder heraus zu finden – insbesondere dann, wenn es sich um eine Kombination aus Erschöpfung und starker innerer Anspannung handelt:

1. Zeit

Es gibt Situationen, da braucht es vor allem eins: Zeit.
Zeit zum „runter kommen“, Zeit zum Atem holen. Zeit zum Ausatmen, Zeit zum Aufatmen. Manchmal geht es nicht anders, als sich diese Zeit  zu nehmen, Termine zu streichen, ein Wochenende einfach mal zu vergammeln und sich ggf. freie Zeiten im Terminkalender gezielt einzuplanen.

2. Gehen – Gehmeditation

Sich Zeit nehmen ist mitunter aber nicht so einfach und zur Ruhe kommen auch nicht. Gerade dann, wenn selbst eine Sitzmeditation zu mühsam und unerträglich erscheint, hilft dann besonders die Gehmeditation. Gehen löst Spannungen. Ideal ist es, wenn man ganz ziellos auf- und abgehen kann und nicht von A nach B kommen muss.

Ich habe beispielsweise diese wunderbar gerade Strecke, die ich in meiner Wohnung vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer und wieder zurück laufen kann – immer wieder. Zum Glück steht dort kein Mobiliar im Weg. Und so kann ich einfach gehen, immer auf und ab, auf und ab. Ich spüre das Abrollen meiner Füße, die unterschiedlichen Lichtverhältnisse, entdecke die leichten Unebenheiten des Bodens, registriere die Wendung am Ende, nehme das Zurücklaufen, die erneute Wendung wahr. Die Gedanken wandern immer noch, aber ich kann sie jetzt immer wieder freundlich zurück leiten: Zum Spüren der Fußbewegungen, zum Einatmen, zum Ausatmen, zum Wahrnehmen des Raums um mich herum. Ich muss nirgendwo hin, ich muss nirgendwo ankommen – außer bei mir selbst. Und so kann ich gehen, gehen, gehen, auf und ab, ab und auf. Irgendwann, nach und nach, spüre ich dann tatsächlich, wie die „innere Betriebstemperatur“ wieder in normalere Temperaturbereiche kommt.

Manchmal hilft auch eine längere Wanderung – aber ohne Musik auf den Ohren, ohne Kilometer runter zu rasseln oder Rekorde aufzustellen. Hilfreich ist es, wenn die Wegstrecke bekannt ist und Wanderkarte oder Navigationsgerät in der Tasche bleiben kann. Einfach gehen, auch mal längere Zeiten schweigend gehen, Schritt für Schritt und immer wieder versuchen, sich selbst und die Natur um sich herum mit allen Sinnen wahrzunehmen.

3. Zeit des vermeintlichen Nichts-Tuns

Solche Gehmeditations-Zeiten sind wertvoll. Zeiten, in denen scheinbar nichts passiert. Zeiten, in denen ich nicht dies, das oder jenes tue. Zeiten, in denen ich versuche, all die Wichtigkeiten, Ablenkungsmöglichkeiten und muskulären Spannungen einfach mal loszulassen und diese mit jedem Schritt an den Boden abzugeben.

4. „Nichts-Zeiten“ – „Being, not doing“

Hilfreich ist es auch, sich wirklich bewusst „Nichts-Zeiten“ zu gönnen – keine Termine, keine Ziele. Einfach da sein, nichts tun – „Being, not doing“. Gehmeditation ist eine wunderbare Möglichkeit, allmählich wieder einen Zugang zu solchen Nichts-Zeiten zu finden.

Bei mir ist es so, dass dann, wenn ich mich wieder besser fühle, zu einer solchen „Nichts-Zeit“ auch gehört, dass ich bei einer morgendlichen Tasse Kaffee, das Aufgehen der Sonne betrachte. Manchmal sitze ich einfach da und beobachte das Ein- und Ausströmen meines Atem oder lausche den Vögeln bei ihrem Gesang. Gelegentlich schaue ich mich einfach um. Dann entdecke ich sie wieder, diese freie Flächen in meiner Wohnung, die ich dank eines minimalistischen Lebensstils sehr genieße. Genau in solchen Situationen erhole mich in meiner wunderbaren Nichts-Zeit. Denn dieses Nichts ist in Wirklichkeit kein Nichts, sondern eine große Fülle an Ruhe, Klarheit und Erholung.

Wirklicher Luxus

Solche beschriebenen Zeiten sind für mich ein besonderer Luxus – gerade auch in unserer oft so hektischen und schnelllebigen Welt. Diese Form des Luxus kann ich aber nicht machen, schon gar nicht kaufen oder erzwingen. Es geht darum, diese Nichts-Zeit nach und nach zuzulassen und akzeptieren zu können. Je nach persönlicher eigener Verfassung kann dies mitunter dauern, manchmal sehr lange. Aber es lohnt sich.

Link-Tipp: Anleitungen zu Gehmeditation:

Gehmeditation – Text, PDF von Gabi Raeggel, Achtsame Lebenskunst
Gehmeditation – Text, PDF von Dt. Fachzentrum für Stressbewältigung, Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung
Gehmeditation im Alltag – eine Anleitung  von ich-will-meditieren.de 

Weitere Links   Achtsamkeitsübungen

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