Minimalismus – Kriterien für Wohnqualität

Rückblende: Beim Wohnen nur halb nachgedacht

Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der ich den Begriff ‚Minimalismus‘ noch nicht kannte und als die Kosten für die Miete einer Wohnung in die Höhe schossen: die 90er-Jahre. Mitte der 90er-Jahre habe ich dann nach rund 12-jähriger Berufstätigkeit nochmal studiert. Ich wohnte zu diesem Zeitpunkt alleine in einer 2-Zimmer-Wohnung mit rd. 50qm. Angesichts von bevorstehendem Bafög und somit niedrigem Einkommen, stand für mich die Überlegung an, ob ein Umzug in eine kleinere Wohnung Sinn macht.

Ich habe mich damals dagegen entschieden. Bei rund 10qm weniger Platz hätte ich trotzdem die gleiche Miete bezahlt. Wozu also umziehen? Was erstmal logisch klingt, ist es bei genauerer Betrachtung nicht: Hätte ich nämlich etwas genauer überlegt, wäre mir klar geworden, dass nochmal deutlich weniger Platz völlig ausreichend gewesen wäre. Mein Mobiliar hatte keinen wirklichen materiellen Wert. Ich hätte problemlos noch vieles weglassen können und ein WG-Zimmer oder Mini-Wohnung wäre völlig ausreichend gewesen. Das hätte mir einiges an Finanzdruck während des Studiums erspart. In den 90er-Jahren bin ich aber auf genau diese Idee nicht gekommen.

 

Minimalistisch Wohnen – mehr Lebensqualität, weniger Stress

Heute denke ich: Auch ganz ohne Studium, auch mit ganz normaler beruflicher Tätigkeit macht es Sinn, mich nicht mit unnötiger Wohnungsausstattung aufzuhalten. Wohnraum ist teuer. Weniger Kram bedeutet schnelleres aufräumen und putzen. Ich liebe es, wenn ich Platz um mich herum habe und keinen großen Aufwand betreiben muss. Die Menge an aufbewahrten Dingen sagt außerdem nichts über wirkliche Wohnqualität aus. Aber was genau ist denn Wohnqualität?

 

Minimalismus – Kriterien für Wohnqualität: einfaches und entspanntes Wohnen

Es gibt natürlich ganz unterschiedliche Bedürfnisse, die alle ihre Berechtigung haben. Für mich sind es die folgenden Kriterien, die minimalistisches Wohnen ausmachen und die ich besonders wichtig finde:

  • Wohnen muss bezahlbar sein.
  • Alles raus, was nicht dem eigenen Wohlbefinden dient. (Ich finde, die Minimalismus-Wohnqualitäts-Grundregel überhaupt!)
  • Der Aufwand für Aufräumen und Putzen sollte gering sein.
  • Sich nicht an Möbel hängen. Ich halte nichts von der zunehmend grassierenden Wegwerf-Mentalität bei Möbeln. Möbel sollten halten und zwar möglichst lange. Trotzdem: Möbel machen unbeweglich, verteuern einen Umzug und viel Möbel benötigen nun mal viel (teueren) Wohnraum.
  • Idealerweise gibt es Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe.
  • Idealerweise geht es ohne eigenes Auto.

 

Küche

Zur Küche hatte ich ja schon etwas geschrieben. Siehe: Minimalismus in der Küche. Noch einige ergänzende Anmerkung: Selbst meine wirklich eher minimalistisch ausgestattete Küche, hat mich alles in allem gut 1000€ gekostet. So sehr wie ich diese Küche mag, so teuer finde ich sie aber auch. Hätte ich zum Zeitpunkt des Umzuges irgendeine halbwegs brauchbare und annähernd stabile Billigspüle gefunden, hätte ich nicht so viel für eine Küche bezahlt. So gerne und oft koche ich nämlich nicht.  Die meiste Zeit meines Lebens bin ich prima mit nebeneinander stehender Baumarktspüle, Kühlschrank und Herd klar gekommen.

 

Wohnzimmer/Schlafzimmer

Was braucht es wirklich? Was braucht es nicht? Wo gibt es Alternativen? Vieles kann digitalisiert werden oder lässt sich multifunktional nutzen:

Schlafen:

Ein Bettgestell nimmt richtig viel Platz weg. Durch eine geschickte Wahl des Bettes, lässt sich viel Platz sparen, z.B.:

  • Klappbett bzw. Schrankbett: nicht ganz kostengünstig, aber lässt sich hochklappen, sieht dann aus wie ein Schrank und schafft tagsüber jede Menge Platz.
  • Wer mit einer härteren Unterlage gut klar kommt: Ein Futon lässt sich zusammen rollen, nimmt wirklich kaum Platz weg. (siehe: Auf einem Futon schlafen)
  • Wer eine „normale“ Matratze möchte: Selbst ein Lattenrost mit Matratze ist flexibler als ein normales Bettgestell. Beides lässt sich bei Bedarf schnell zur Seite räumen. Auch diese Variante hatte ich jahrelang und kam damit gut klar.
  • Kombilösungen: Das Bett wird zu Couch und umgekehrt. Für handwerkliche Talente eine klasse Möglichkeit: das Siwo-Sofa von van Bo Le Mentzel: http://hartzivmoebel.blogspot.de/p/siwo-sofa.html

 

Bequeme Sitzmöglichkeit:

Muss und soll es ein extra Sofa sein? Gibt es Alternativen?  Dazu einige Beispiele:

  • ein Futon lässt sich auch als Sofa nutzen: Nicht für jede/n das Richtige, aber für mich super bequem. Ich liebe es!

Futon zu eine Art Sofa zusammengefaltet

  • Kombi-Lösung wie das oben bereits erwähnte Siwo-Sofa von van Bo Le Mentzel. Hier wird eine normale Matratze genutzt, die sich bei Bedarf austauschen lässt, somit ist angenehmes Schlafen, aber auch gemütliches Sitzen möglich.
  • Gemütliche Sessel, die ggf. etwas höher sind und sich gleichzeitig auch für das Sitzen am Esstisch nutzen lassen.

 

Weniger Kram = weniger Aufbewahrungsmöbel

Es ist eine einfache Regel: für die Dinge, die ich nicht habe, brauche ich auch kein Regal, keine Schrank und damit auch keinen Platz in der Wohnung. Z.B.:

  • Wieviel Besuch habe ich in der Regel? Muss es wirklich ein Geschirr für 24 Personen sein? Kann ich bei großer Anzahl von Besuchern auch mal was ausleihen?
  • Nippes und Stehrümchen, Bücher in die ich seit Jahren nicht mehr hineingeschaut habe, CD-Sammlungen, die ungehört im Regel verstauben, irgendein Kram aus Kindertagen und vieles mehr: all das nimmt Platz weg. Werden diese Dinge nicht genutzt, verstopfen sie nur unsere Wohnung.
  • Fernseher sind heute riesengroß. Muss das sein? Geht es auch kleiner? Kann ich den Computer nicht einfach mit einem TV-Stick ergänzen? Muss es überhaupt ein Fernseher sein? Vieles lässt sich heute per Livestream im Internet anschauen oder in der Mediathek der einzelnen Sender.
  • Bin ich Musikliebhaber und daher ist es der Platz für die Stereoanlage wert? Oder reicht mir auch der Laptop bzw. Computer, den ich ggf. mit Lautsprecherboxen ergänze?

 

Weitere Anregungen

Wohnzimmer minimalistisch gestalten: https://achtsame-lebenskunst.de/2016/12/26/minimalismus-im-wohnzimmer/

Minimalistisches Schlafzimmer: http://www.schlichtheit.com/minimalistisches-schlafzimmer/

Weitere Anregungen für einfaches Wohnen ohne großen Aufwand und Platz: Im Internet gibt es dazu inzwischen eine ganze Reihe von Anregungen, wie z.B. von der Tinyhouse-Bewegung.Natürlich können und müssen wir nicht alle in ein Tinyhouse ziehen, aber die Ideen, wie auf kleinem Raum Fläche effektiv genutzt werden kann, sind beeindruckend. Ohne Minimalismus geht es hier nämlich nicht. Einige Beispiele hier:

 

 

 

 

 

Filmtipp: „From Business to being“

„Wie wollen wir leben und arbeiten?“

mit dieser Frage beschäftigt sich der Dokumentarfilm „From Business to Being“, der am 2.2.2017 in die Kinos kommt und u.a. im Ruhrgebiet auch in Bochum im Endstation-Kino zu sehen sein wird. Die beiden Filmemacher Hanna Henigin und Julian Wildgruber schreiben zu diesem Film:

 

„Wir möchten in einer Gesellschaft leben, in der wir uns von Mensch zu Mensch begegnen, in der wir uns geliebt fühlen, und in der wir mit Begeisterung tun, was uns interessiert. Wir glauben, dass das keine Utopie ist, und wir wissen, dass wir dafür bei uns selbst anfangen müssen. Auf der Suche nach Wegen, wie diese Vision Wirklichkeit werden kann, haben wir uns von Begegnungen mit spannenden Menschen leiten lassen. Aus diesen Begegnungen ist dieser Film entstanden. From Business To Being ist daher sozusagen ein Experiment, das dazu einlädt, sich die Frage zu stellen: Wer bin ich? Was begeistert mich? Und wie lebe und handle ich entsprechend? Und gleichzeitig unsere Antwort darauf.“ (Quelle: http://business2being.com/de/)

 

In unserer heutigen Arbeitskultur, wo sich Mitarbeiter_Innen vieler Unternehmen einem enormen Druck ausgesetzt fühlen, erzählt dieser Film die Geschichte von drei Führungskräften, die den Weg aus diesem „Hamsterrad“ gesucht haben. Es wird der Frage nach gegangen, welche Fähigkeiten Führungskräfte künftig haben müssen und ob Meditation und Bewusstseinstraining helfen können, sich von stresserzeugenden Denk- und Handlungsmustern zu befreien. In dem Film wird thematisiert, was heute so häufig fehlt: Die Fähigkeit zum Innehalten, zur Achtsamkeit für das Hier und Jetzt. Denn mit dem Dauerstress geht uns auch eine wichtige Fähigkeit verloren: die Fähigkeit zu Kreativität und Innovation – gerade auch für die sozialen Herausforderungen unserer Zeit.

 

Die offiziellen Trailer zum Film (deutsch & englisch):

 

 

Kinotermine:

Vorführungen (Orte, Zeiten) können hier nachgelesen werden: Business2being und Mindjazz-Pictures

Im Ruhrgebiet ist der Film in Bochum-Langendreer im Endstation-Kino zwischen dem 9. und 15.2.2017 zu sehen. Das offizielle Programmheft für Februar erscheint Ende Januar und kann dann auch auf der Webseite eingesehen werden: http://endstation-kino.de/

Auf Anfrage hin, hat mir das Kino Endstation bereits die genauen Vorführzeiten genannt:

Donnerstag 09.02.17 18:15 From Bussiness to Being
Freitag 10.02.17 17: 15 From Bussiness to Being
Samstag 11.02.17 17: 15 From Bussiness to Being
Sonntag 12.02.17 17: 15 From Bussiness to Being
Montag 13.02.17 18:15 From Bussiness to Being
Dienstag 14.02.17 18:15 From Bussiness to Being
Mittwoch 15.02.17 17:15 From Bussiness to Being

 

DVD / Blue Ray:

Für Interessierte kann der Film auch als DVD / Blue Ray vorbestellt werden:

Vorbestellung

 

 


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Mit Achtsamkeit und Minimalismus durch die Weihnachtszeit

Alle Jahre wieder …

Derzeit fällt es mir wieder besonders auf: Spätestens Mitte bis Ende November werden plötzlich die Menschen in U-Bahnen und Geschäften hektischer, es wird voller. Taschen, Tüten, Pakete werden durch die Straßen geschleppt. Weihnachtsgedudel klingt aus Lautsprechern, gereizte Stimmen weisen Kinder und U-Bahn-Nachbar zurecht oder legen sich mit der Kassiererin im Supermarkt an. Mit blinkenden Weihnachtsmützen dekorierte Männer- und Frauengruppen bahnen sich leicht alkoholisiert den Weg zum Weihnachtsmarkt. Man will schließlich Spaß haben vor Weihnachten. Wie jedes Jahr wird immer noch gekauft, als gäbe es demnächst nichts mehr.
Natürlich gibt es inzwischen Menschen, die anders denken und handeln, die sich mit „Zeit statt Zeug“ beschäftigen, die statt Geschenkberge, Erlebnisse verschenken oder sich einfach Zeit für Andere nehmen. Aber machen wir uns nichts vor:  Das sind nur wenige, die meisten Menschen hat der weihnachtliche Konsumkoller voll im Griff.

 

Kinder brauchen uns –  nicht unsere Hektik

Dass Kinder doch Weihnachten so lieben, erscheint mir wie eine faule Ausrede. Denn Kinder sind durchaus in der Lage, mit viel weniger glücklich zu sein. Und natürlich haben Kinder Wünsche (die haben wir Erwachsene ja auch), aber sie wollen vor allem eins: mit einem vertrauten und liebevollen Erwachsenen zusammen sein. Als neulich ein Kind einen Weihnachtsmann bunt wie einen Clown malte – und dies auch so benannte – dachte ich: wie passend hat dieses Kind das vorweihnachtliche Treiben erfasst!
Die Menge an Dingen macht weder Kinder, noch uns selbst glücklicher, schon gar nicht wird Weihnachten schöner, wenn wir uns nach der üblichen vorweihnachtlichen Hektik erschöpft auf Weihnachten freuen und sich die wochenlange Anspannung dann in den üblichen Familienstreitereien entlädt.

 

Besinnlich – tun, was meinen Sinnen wirklich gut tut

Alljährlich merke ich, dass mir diese vorweihnachtliche Sintflut an Geräuschen, Gerüchen, Hektik und Anspannung gewaltig auf die Nerven geht. Ich genieße es, diesen vorweihnachtlichen Zirkus nach Möglichkeit zu vermeiden. Ich verstehe es gut, wenn Kinder Spaß an weihnachtlicher Dekoration haben, aber für mich als Erwachsene liebe ich es dekofrei. Keine Tannennadel findet den Weg in meine Wohnung, kein Glitzersterne, einfach nichts von all dem Zeug. Ich mag es einfach nicht. An Weihnachtsgeschenken hat in den letzten 30 Jahren lediglich mein Patenkind etwas bekommen, aber nachdem dies längst erwachsen ist, genieße ich die völlige Geschenkefreiheit. Es entspannt mich und ich erfreue mich daran.

Stattdessen liebe ich das Hell-Dunkel-Spiel der Jahreszeiten. In der dunklen Jahreszeit lässt sich das Aufgehen der Sonne so wunderbar am Fenster beobachten. Auch schaue ich gerne, wieviel Licht ich gerade in meiner Wohnung haben will. Dazu reichen mir meine normalen Lampen, die ich ohnehin habe. Manchmal darf es dann sogar eine Kerze sein.
Da ich eher zu den Frühaufstehern gehöre, setze ich mich z.Z. oft einfach mit einem leckeren Kaffee ans Fenster und schaue zu, wie die morgendliche Dunkelheit allmählich dem Licht des Tages weicht. Nichts ist für mich schöner, als den Kaffeegeruch in die Nase steigen zu lassen, den Geschmack zu genießen, während es draußen langsam heller wird.
Ich liebe es auch ganz besonders, nach Hause zu kommen und dann: Tür zu, Fenster zu: Ruhe! Kein Weihnachtsgedudel, keine lärmende Werbung. Einfach erholen, Atem holen und diese Zeit, diesen Freiraum, diesen wunderbaren Klang der Stille einfach und bewusst zu genießen.

Die kleinen Dinge, die kleinen Wunder des Lebens immer wieder zu sehen, zu entdecken und zu würdigen – das ist für mich Weihnachten und sogar ganzjährig erlebbar. Achtsam und minimalistisch gestaltet, sind solche Momente für mich eine Erholung für die Sinne und ein Atemholen für die Seele.

 

 

Weniger Stress durch Alltagsachtsamkeit

Gerade in den letzten Tagen und Wochen ist mir immer wieder deutlich geworden, wie wohltuend es ist, kleine Achtsamkeit-Inseln in den normalen Tageslauf einzubauen. An manchen Tagen fühle ich mich einfach mehr belastet, als an anderen. Das können die vielen anstehenden Termine sein, die allseits verstopften Autobahnen, die sich auftürmende Arbeit, wichtige Besprechungen oder das Organsieren meines bevorstehenden Umzuges. Es gibt auch Zeiten, wo ich merke, dass ich – warum auch immer – einfach „schlecht drauf bin“, ich fühle mich gestresst oder es läuft einfach nicht richtig rund. Gerade in diesen Zeiten entdecke ich, wie gut es ist, mit Hilfe von Alltagsachtsamkeit aus dem negativen Strudel wieder herauszufinden. Doris Iding hat in ihrem Buch „Der kleine Achtsamkeitscoach“ einige Übungen zur Alltagsachtsamkeit beschrieben. Zwei dieser Übungen stelle ich nachfolgend vor, die ich als besonders hilfreich erlebe. Sie helfen mir, aus dem Strudel von Stress, Unzufriedenheit und automatischen Reaktionen heraus zu finden und wieder ruhiger, konzentrierter und präsenter zu werden:

Einen Umweg machen
„Machen Sie einen Umweg. Gehen Sie an Tagen, an denen Sie das Gefühl haben, es vor Stress kaum auszuhalten, nicht mit Sieben-Meilen-Schritten ins Büro, sondern machen Sie ganz bewusst vom Parkplatz oder von der U-Bahn aus einen Extragang – Schritt für Schritt, am besten in Zeitlupe – um den Block. Auch wenn Ihr Verstand erst einmal kurz am Rädchen drehen wird, werden Sie nach nur wenigen Metern innerlich zur Ruhe kommen – und die Dinge im Büro mit etwas mehr gesundem Abstand angehen.“
[Quelle: Doris Iding: Der kleine Achtsamkeitscoach, Gräfe und Unzer-Verlag, E—Book, Kapitel „Auf dem Weg der Achtsamkeit bleiben“.] 

 

Zur eigenen Mitte finden
Stellen Sie das Radio ab. Sitzen Sie so aufrecht wie möglich und mit geradem Rücken. Die Zunge liegt entspannt am Gaumen. Die Hände ruhen locker auf den Oberschenkeln. Blicken Sie entspannt geradeaus, ohne etwas Bestimmtes zu fixieren.Nun lenken Sie die Aufmerksamkeit auf den Atem. Beobachten Sie, wie er ganz von selbst kommt und geht. Begleiten Sie den Atem mit einer sanften Bewegung der Hände: Beim Einatmen zeigen die Handflächen nach oben. Stellen Sie sich vor, dass sie dadurch Energie aufnehmen, die Sie unterstützt, zu Ihrer eigenen Mitte zu kommen. Beim Ausatmen zeigen die Handflächen nach unten. Nun stellen Sie sich vor, dass Sie Stress und Nervosität abgeben. Bleiben Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit ganz beim Atem. Wenn die Gedanken immer wieder zum bevorstehenden Termin abschweifen, dann sagen Sie am besten beim Einatmen »ein« und beim Ausatmen leise »aus«.“
[Quelle: Doris Iding: Der kleine Achtsamkeitscoach, Gräfe und Unzer-Verlag, E—Book, Kapitel: Achtsamkeit im Alltag]

 

 

Entscheidend ist der nächste Atemzug – Leben in Veränderung

Wie lebt es sich, wenn die äußeren Bedingungen schwierig sind? Kann Achtsamkeit helfen? Entlastet Minimalismus an der richtigen Stelle?

Derzeit habe ich die Möglichkeit, dies – unfreiwillig – ganz praktisch auszuprobieren. Daher weiß ich im Moment auch noch nicht so genau, wie die nächsten rund 5 – 6 Wochen auf diesem Blog so aussehen. Schreibe ich wie sonst meistens am Wochenende, schreibe ich viel oder wenig oder selten? Aktuell weiß ich es nicht so genau. Wer über neue Beiträge aktuell informiert werden möchte: Ich informiere über Twitter und Facebook, auch gibt es die Möglichkeit, sich über neue Blogbeiträge per Email informieren zu lassen (siehe Formular am Ende dieses Beitrages).

 

Mein aktuelles Wohn-Desaster:

Die aktuelle Wohnung kann kaum noch als solche bezeichnet werden. Mein kleines WG-Zimmer ist eigentlich der einzige Raum, wo es noch halbwegs erträglich ist. Noch immer werden wir durch tägliches und nächtliches Geschrei und Fäkaliengeruch der dementen Nachbarin massiv beeinträchtigt. Es zehrt – bei aller Toleranz – an den Nerven und der Gesundheit. Gespräche, Briefe, Einschalten zahlreicher Behörden, sowie wiederholte Kontakte zu Vermieterin, Einschalten von Polizei, Anwälten – irgendwie fühlt sich hier scheinbar niemand so wirklich für solche Fälle zuständig. Ich bin froh, wenn ich diese Wohnung, dieses Haus und den Vorort Dortmund-Lütgendortmund bald verlassen kann. Dann habe ich auch keine Eigenheimbesitzer mehr in der Nachbarschaft mit all den Rasenmähern und Rasenkantenschneidern, keine endlosen und lärmenden Volks- und Dorffeste, kein stundenlanges Hundegebell, keine Samstagfrüh-Laubsauger und keine Geruchsbelästigung der Eigenheimbesitzer-Kamine.

 

Von Dingen und Illusionen trennen

Mitte November ist es endlich soweit: Ich kann meine neue, kleine und wunderbare Wohnung beziehen. Trotz meines ohnehin minimalistischen Lebensstils: Es fand sich in den letzten Wochen doch noch dies, das und jenes, von dem ich mich getrennt habe. Nicht nur von Dingen, auch von Illusionen:
Beispielsweise von der Illusion, mit dem Fahrrad fahren wird es noch mal was. Nein, wird es nicht. Die schlaglochgespickten Straßen und Radwege sind nichts für meine Wirbelsäule. In der Innenstadt wird alles fußläufig erreichbar sein. Ich habe ein ÖPNV-Ticket und mich beim Carsharing angemeldet.
Dann gibts bzw. gab es noch mein E-Piano. Ich weiß, dass ich gute musikalische Antennen habe, die Fortschritte waren durchaus beeindruckend. Aber die Belastung der Schwerhörigkeit ist da. Die Hörgeräte sind ein Segen, aber das Hören strengt mich sehr viel mehr an als früher. Irgendwann war mir endgültig klar, dass mich aktiv zu musizieren mehr stresst, als entspannt. Ich genieße jetzt oft einfach die Stille oder auch, das ich das leise Rauschen der Blätter im Wind, dank der Hörgeräte, endlich wieder genießen kann.

 

Leben ist Veränderung – zum Glück

Im Buddhismus wird immer wieder auf die Vergänglichkeit hingewiesen und dass nichts bleibt, wie es ist. Irgendwer nannte es mal, dass die Veränderung die einzige Beständigkeit im Leben ist. Ich spüre dies auch – derzeit: zum Glück. Auch belastende Situationen ändern sich wieder. Und obwohl in der Achtsamkeitspraxis der gegenwärtige Moment so entscheidend wichtig ist: Ich finde es aktuell wunderbar, ein wenig in die Zukunft zu träumen – und da ist dann doch wieder der gegenwärtigen Moment: mir genau darüber bewusst zu sein. Ich spüre viel Vorfreude auf die bevorstehende wohnliche Veränderung. Es macht mir große Freude, mir genau zu überlegen, was, wieviel oder wie wenig Dinge ich dort haben und nutzen möchte. Minimalismus ist für mich Lebenselexier, es ist die Art, wie ich immer schon war: Ich hänge nicht an bestimmten Gegenständen, ich benutze sie lediglich und kann sie im Bedarfsfall auch gut wieder los lassen. Irgendein Lifestyle interessiert mich dabei überhaupt nicht. Was mich interessiert ist Freiheit und Lebensqualität – dafür brauche ich zum Glück keine vollgestopfte Wohnung, es ist aber auch nicht nötig, irgendeinen minimalistischen Olymp zu erklimmen.

 

Entscheidend ist der nächste Atemzug

Sehr wohltuend ist es, wenn es mir gelingt, in all den aktuellen Belastungen, einfach den nächsten Atemzug bewusst wahrzunehmen und zu genießen. Achtsamkeit erdet mich. Manchmal ist der Atem dann so etwas wie eine wohltuende Salbe, insbesondere auch dann, wenn ich einmal sehr angespannt oder erschöpft bin. Es tut außerdem gut, nicht nur Dinge, sondern auch Illusionen loszulassen, manchmal auch einen Atemzug lang all den Ärger und den Stress. Es hilft mir, Abstand zu gewinnen, mich immer wieder auf den nächsten Schritt zu konzentrieren und auch die schönen Momente wahrzunehmen. Jack Kornfield hat es einmal so wunderbar treffend, so richtig und so wohltuend formuliert, dass ich ihn hier nochmal abschließend zitieren möchte:

„The path through trouble is always made a step at a time, a breath at a time, a day at a time“. (Jack Kornfield)

 

 

 

Gehen – Achtsamkeit und Minimalismus in Bewegung

Ich entdecke immer mehr, das ist meine Form der Bewegung: Gehen. Wer schon mal ein Kind gesehen hat, wie es die ersten freien Schritte laufen kann, wird sich vielleicht an die Freude erinnern, welche im Gesicht des Kindes sichtbar wurde. Sicherheit gewinnen, das Gleichgewicht halten, und die Welt schrittweise aus einer neuen Perspektive selbständig entdecken: eine schöne und wichtige Erfahrung.

Gehen ist für mich insbesondere der Inbegriff von Achtsamkeit und Minimalismus in Bewegung. Gehen ist zudem eine sehr ursprüngliche Form, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Weder brauche ich dazu ein Auto, noch Benzin, keine Fahrkarte, kein Fahrrad, keine stylische Ausrüstung. Gerade mal Schuhe sind nötig, aber die brauche ich ja üblicherweise sowieso und im Bedarfsfall würde es eigentlich oft sogar barfuß gehen – was aber nicht so mein Ding ist. Gehen ist für mich eine geradezu wunderbare Möglichkeit, bewusst das eigene Tempo zu reduzieren in einer Gesellschaft, die so oft von Schnelligkeit und Geschwindigkeit geprägt ist.

Achtsames Gehen: Stress abbauen, einen klaren Kopf bekommen

Achtsames Gehen hilft mir immer wieder, vor und nach stressigen Situationen schrittweise „runter zu kommen.“ Erst letzte Woche hatte ich ein solch eindrückliches Erlebnis:

Ich steckte in einer beruflichen Situation, in der ich mich über einige Fachleute sehr geärgert hatte. Ich war innerlich aufgewühlt, weil ich bemerkte, da läuft etwas falsch, es werden falsche Wege eingeschlagen. Gleichzeitig bemerkte ich aber auch, dass mein Aufgewühltsein eine annähernd vernünftige Lösung verhindern würde. In einer so innerlich angespannten und aufgewühlten Stimmung, in ein Gespräch zu gehen, sich irgendwie zusammen zu reißen und nach sinnvollen Lösungen zu suchen: Es wäre ein elendiger Krampf geworden, ein ewiges Diskutieren und anschließend wäre der gleiche Ärger vermutlich immer noch da gewesen. Nur diesmal nicht nur bei mir, sondern auch bei meinem Gegenüber. Wie soll es da zu einer vernünftigen Lösung kommen?

Also bin ich morgens auf dem Weg zur Arbeit bewusst einige Straßenbahnhaltestellen eher ausgestiegen und den restlichen Weg zu Fuß gegangen – ganz bewusst: Schritt für Schritt, einatmen, ausatmen, den Boden unter meinen Füßen spüren und all die ablenkenden Gedanken, wirren Gefühle immer wieder freundlich, aber konsequent auf das Abrollen der Füße zurück führen. Ganz langsam merkte ich, wie ich tatsächlich schrittweise innerlich ruhiger wurde, mein Atem tiefer, regelmäßiger. Das Gehen sorgte dafür, dass ich körperliche Anspannungen besser loslassen konnte. Ich fing an das schöne Wetter wahrzunehmen, die klare Luft und immer wieder meine Füße, Schritt für Schritt für Schritt für Schritt. Über die Lösung meines beruflichen Problems habe ich auf diesem Weg bewusst nicht nachgedacht. Trotzdem: Im Büro angekommen, war mein Kopf viel klarer, innerhalb einiger weniger Minuten hatte ich mir einige Notizen gemacht und so die Voraussetzung für eine sinnvolle Lösung geschaffen. Insbesondere aber war ich wieder entspannter und habe ich mich endlich wieder wohlgefühlt.

Gehen: Für mich ist es mehr, als nur von A nach B zu kommen. Es ist eine Form von Bewegung, die mich nicht überfordert und die ich auch als eher unsportlicher Mensch noch gut bewältigen kann. Gehen ist für mich eine Möglichkeit, körperliche und emotionale Anspannungen abzubauen. Entscheidend dabei ist gar nicht mal vorrangig das zu erreichende Ziel. Gehen ist für mich immer auch eine Möglichkeit, schrittweise die eigene Mitte wieder zu finden. Aus dieser inneren Mitte heraus kann ich entspannter und mit klarerem Kopf handeln.

 

 

Minimalismus-Wohnung: Wohnen fühlen

Minimalismus-Wohnung: Wieviel oder wie wenig soll es sein?

Wohnen – ein menschliches Grundbedürfnis, Sicherheit, zur Ruhe kommen, Zuhause sein. Mein geplanter Umzug wirft einige Fragen neu auf: Was brauche ich wirklich? Wieviel oder wie wenig kann und soll es sein? Muss es all das sein, was ich meine haben zu müssen? Was stellt „man“ denn so üblicherweise in die Wohnung und sind dies genau die Dinge, die ich wirklich haben will? Was sind meine wirklichen Bedürfnisse? Womit fühle ich mich wohl?
Ich habe es mal Wohn-Fühlen genannt: Spüren, erspüren, erfühlen: Was und wieviel brauche ich?

Achtsam durch die Möbelhäuser…

Achtsamkeit lässt sich auf alle Bereiche des Lebens anwenden. Natürlich auch auf das Wohnen. Ich habe mich nochmal intensiver damit befasst und interessante Aspekte gefunden:

Ebenso, wie in einer Sitzmediation immer wieder Gedanken, Gefühle, körperliche Reaktionen auftauchen, ich diese bewusst wahrnehmen und auch wieder loslassen kann, so bin ich einfach mal durch diverse Möbelhäuser gegangen: die virtuellen im Internet und auch ganz praktisch vor Ort. Ich habe mich achtsam auf die Suche begeben, welche Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken in mir aufkommen, ohne dass ich gleich anfange diese zu werten, einzuordnen oder irgend etwas konkret zu planen. Ich habe all meinen spontanen Gedanken, Ideen, Gefühlen, Wünschen einfach freien Lauf gelassen und habe die Dinge, Möbel, Gegenstände auf mich wirken lassen. In meiner Phantasie wurde dann meine künftige Wohnung endlose Male eingeräumt, eingerichtet, umgeräumt. Ich habe Vorstellungen entwickelt und wieder verworfen. All das, ohne wirklich etwas zu kaufen, aber auch ohne, dass ich mir irgendeinen Wunsch verkniffen hätte. Ich habe all das einfach mal fließen lassen.

Mein Erleben

Achtsames Wahrnehmen meiner Kauf- und Wohnbedürfnisse (oder was ich dafür halte): Es war spannend. Weder bin ich wirklich zur Kasse gestürmt, um gleich was zu kaufen, noch habe ich irgend einen Wunsch vorzeitig verworfen. Auf meinem Laptop habe ich mittels einer entsprechenden einfachen Software den ungefähren Grundriss der künftigen Wohnung aufgezeichnet und dann nach Herzenslust Möbel hin und hergeschoben, ein- und wieder ausgeräumt. Es hat mir einen großen Spaß gemacht, denn ich konnte all meine spontanen Kaufwünsche austoben, ohne dass ich nur einen einzigen Cent ausgegeben habe und ohne, dass ich mich anschließend über zuviel Zeugs in der Wohnung ärgern muss. Dabei wurde mir deutlich, wie oft ich Ideen entwickelte und dann doch wieder verwarf. Nicht selten hatte ich das Gefühl, dass ich dieses oder jenes Teil unbedingt wirklich und ganz real haben muss. Aber einige Stunden oder Tage später nochmal hingeschaut, war es mir dann egal, wollte ich etwas ganz anderes.

All die Sprunghaftigkeit des Denkens und Fühlens, die auch in der formalen Meditationspraxis auftauchen, genau diese Sprunghaftigkeit entdeckte ich nun bei meinen Phantasien, wie nun die künftige Wohnung aussehen soll oder eben auch nicht.
Sehr hilfreich war meine Erfahrung aus der eigenen formalen Meditationspraxis. Diese Erfahrung konnte ich nun auch für diese praktischen Bereiche nutzen: All das, was ich dachte, fühlte, meinte, kaufen wollte oder auch nicht – all das einfach wieder loslassen und statt dessen mich und meine Reaktionen wahrnehmen, spüren und feststellen: Ich habe gelegentlich durchaus alle möglichen Wünsche, aber viele dieser Wünsche kommen und gehen wirklich wie die vorüberziehenden Wolken am Himmel.

Mein persönliches „Wohnfühlen“

Wenn ich also all mein Erleben und Fühlen erlebe und durchlebe, aber dann innerlich auch immer wieder loslasse, so entdecke ich langsam mein wirkliches persönliches Wohnfühlen:

  • Für mich muss es in der Wohnung nicht so viel und schon gar nicht voll sein.
  • Ich liebe es, wenn ich Platz um mich herum habe.
  • Minimalismus ist für mich kein Prinzip, sondern ein Bedürfnis. Insbesondere ist es für mich ein Bedürfnis nach Ruhe, Übersichtlichkeit, Leichtigkeit, Klarheit.
  • Ich verändere immer mal wieder gerne. Mal stehen die Möbel hier, mal dort.
  • Ich mag natürliche Materialien, wie Massivholzmöbel. Die vielen Kunststoffmöbel und Plastiklampen, die derzeit offensichtlich modern sind, rufen Unbehagen in mir hervor.
  • Ich hänge nicht an ganz bestimmten Dingen/Möbeln. Manche Möbel habe ich schon sehr lange, aber gäbe es sie nicht und ich hätte andere, wäre das auch ok.
  • Es ist sehr entspannend und befreiend, all die spontanen Wünsche in der Phantasie mit all dem damit verbundenem Denken und Fühlen auszuleben, aber dieses ganze Spektakel anschließend einfach auch mal nicht ganz so wichtig zu nehmen.
  • Es gibt viele Wünsche, die sich zwar gelegentlich ein fröhliches Stelldichein geben, aber diese sind nicht zwangsläufig auch mein Bedarf, mein Bedürfnis und nicht das, womit ich mich letztlich wirklich wohlfühle.
  • Wohnen geht auch viel einfacher – das entspannt, entlastet und reduziert Stress.
  • Eine Wohnung voller Dinge bedeutet noch lange kein erfülltes Leben!

Wohlfühlen kann sehr unterschiedlich sein

Natürlich: Meine Bedürfnisse an Wohnfühlen, sind erstmal meine Bedürfnisse. Diese können sich ganz erheblich von denen anderer Menschen unterscheiden. Das ist kein Drama, sondern menschlich und ich finde auch höchst spannend und interessant.

Achtsamkeit im Alltag

Wohnfühlen – mit Achtsamkeit und freundlich die eigenen Wünsche, Ideen, Phantasien registrieren, aber auch wieder loslassen. Noch sind längst nicht alle Entscheidungen bei mir getroffen, aber das ist unwesentlich und vielleicht auch ohnehin gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es für mich, wieder einen Bereich der Alltagsachtsamkeit entdeckt zu haben, der mich sicherer unterscheiden lässt, was ich nur haben will oder was ich wirklich brauche. An Dingen, Gegenständen und Möbeln ist das bei mir längst nicht so viel, wie ich das gelegentlich meine.

 

„Spiritual practice is not just sitting and meditating. Practice is looking, thinking, touching, drinking, eating and talking. Every act, every breath, and every step can be practice and can help us to become more ourselves.“ Thich Nhat Hanh

 

 

 

Minimalismus-Wohnung – Dinge, die ich abschaffen werde

Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen

Bei mir stehen einige Veränderungen an. Wenn alles gut geht (danach sieht es aus), werde ich Mitte November in eine wunderschöne Dachwohnung mit 35qm umziehen.
Zum Umzug ganz unweigerlich gehört immer die Frage, was ich künftig nicht mehr brauche, was entsorgt werden kann. Für mich ist dies die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Dinge nun die Schwelle der neuen Wohnung überschreiten dürfen und womit ich mich nicht mehr belasten will. Dabei geht es mir genau genommen nicht um die Anzahl von Dingen. Wenn ich von Minimalismus-Wohnung spreche, dann geht es mir um entspanntes Wohlfühl-Wohnen – dazu gehört für mich, wenig Aufwand zu haben und mich nicht mit so vielen Dingen zu belasten. Ich möchte wohnen, mich wohlfühlen und mich nicht ständig mit Erwerb, Pflege, Drumrum-Putzen und Entsorgung von irgendwelchem Kram befassen – und sei dieser noch so schick und modern.

Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten immer mal wieder unter dem Stichwort Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen“, einige Aspekte heraus greifen und veröffentlichen. Ein paar Fotos wird’s dann natürlich irgendwann auch noch geben.

Was brauche ich nicht? Dinge, die ich abschaffen werde:

Auto:
Das Auto wird endgültig verkauft, ich nutze es ohnehin schon lange nicht mehr alleine. Meine künftige Wohnung ist in ruhiger, aber zentraler Innenstadtlage, 15-20 Minuten Fußweg zur Arbeit. Ein Carsharing-Anbieter hat u.a. ein Elektro-Fahrzeug in unmittelbarer Nähe meines Arbeitsplatzes. Es gibt zudem etliche weitere Standorte und noch eine ganze Reihe weiterer Carsharing-Anbieter.
Vieles ist fußläufig oder mit ÖPNV gut zu erreichen. Die nächste U-Bahn und S-Bahn ist 5 Minuten entfernt. Wollte ich zum Hauptbahnhof laufen, wäre ich in ca. 25 Minuten dort, mit der U-Bahn benötige ich ca. 10 Minuten. Es gibt genügend Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, sogar 2 Bioläden sind in 5 Minuten zu erreichen, ca. 20 Minuten Fußweg oder 10 Minuten mit der U-Bahn entfernt, noch ein Bioladen. Der Wochenmarkt in der Stadt ist in ein paar Minuten U-Bahn-Fahrt zu erreichen. Nicht zuletzt heißt der sog. „Ruhrschnellweg“ (B1, A40) hier im Volksmund „Ruhrschleichweg“. Wir stehen im Ruhrgebiet eh mehr im Stau, als das wir fahren. Wozu also ein Auto??

Waschmaschine:
5-Minuten Fußweg entfernt ist ein Waschsalon, die Wohnungsgenossenschaft hat zudem ein weiteres sog. Waschhaus mit Waschmaschinen, die von allen genutzt werden können. Da in einem Waschsalon oder Waschhaus dann auch gleich mehrere Maschinen befüllt werden können und ich insbesondere dann auch kein Theater mit Haltbarkeit von Waschmaschinen, irgendwelchen geplanten Obsoleszenzen haben werde, eine wirklich einfache und bequeme Lösung, die nun erstmal die nächste Zeit nutzen möchte.

Trockner
Direkt neben meiner Wohnung ist ein schöner und guter Trockenboden – das macht es nahezu perfekt. Hinzu kommt, dass ein Trockner ohnehin eine ziemliche Energieschleuder ist.

Fernseher:
Einen Fernseher brauche ich definitiv nicht. Schon seit Jahren habe ich nur einen TV-Stick für den Laptop benutzt. Aber den benötige ich auch nicht. Im Internet sind viele TV-Sendungen zudem auch bereits im Livestream oder anschließend in der Mediathek zu sehen.  Der Sinn von irgendwelchen riesigen TV-Bildschirmen erschloss sich mir noch nie. Die riesigen Köpfe auf der Leinwand, der evtl. nötige Zusatzvertrag für HD-TV für schärferes Sehen – all das will ich nicht, brauche ich nicht, hat für mich nichts mit Lebensqualität zutun. Außerdem: Wenn ich etwas auf einer großen Leinwand sehen will, kann ich auch ins Kino gehen.

Radio, Stereoanlage:
Der Laptop ermöglicht auch hier einen einfachen Ersatz. Die schicksten Lautsprecherboxen sind ebf. nicht erforderlich. Aufgrund meiner Schwerhörigkeit, gehts mir vorrangig um entspanntes Hören, da nutzen Lautsprecherboxen nur begrenzt. Es geht mit Laptop und geeignetem Kopfhörer daher ebenso gut.

Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen

Weitere Fragen und Themen werden folgen, manches ist noch offen. Immer geht es für mich um wirkliches Wohlfühlen und um die Reduzierung von Belastung. Ein für mich wichtiges Kriterium dafür, dass ich mich wirklich wohlfühle: nicht aufwändig, Freiräume lassen, und die Frage, ob und welche Alternativen es ggf. gibt.

Aktuelle Info: Wie ich minimalistisches Wohnen umgesetzt habe, steht hier:

Minimalismus-Wohnung

 

 

 

Fühlen, was ich wirklich brauche – Achtsamkeit, Yoga und Körperbehinderung

Fühlen, was ich wirklich brauche…

Achtsamkeitsübungen sind und waren für mich insbesondere dann, wenn es um die Körperwahrnehmung geht, immer wieder eine besondere Herausforderung. Ich habe ja auch schon einige Male darüber berichtet (siehe unten angefügte Links). Denn erst durch die regelmäßige Achtsamkeitspraxis ist mir überhaupt bewusst geworden, dass ich mich mit einer Körperbehinderung durchs Leben bewege. Allerdings mit einer Behinderung, die erstmal gar nicht so auffällt. Wie oft habe ich früher Physiotherapie gemacht, wie oft Orthopäden aufgesucht, wie oft mir im Sportunterricht angehört, mir fehle es halt nur an Engagement und ich solle mich nicht so anstellen. Niemand sagte mir, was wirklich mein Problem ist – niemand schaute wirklich genau hin.

 

Bewusstwerden der wirklichen Einschränkungen

Erst durch Achtsamkeit ist mir vieles bewusst geworden und daher jetzt auch anders damit umgehen und letztlich auch gezielter auf Suche nach Klarheit durch medizinische Diagnostik gehen. So fiel mit in der Gehmeditation überhaupt erst auf, dass ich kaum sicheren Halt mit den Füßen finde. Das Yoga im Stehen war ebenfalls immer ein Drama. Egal, was und wieviel ich übte, es ging nicht. Inzwischen weiß ich: Leichte Sichelfüße, die dann noch sehr schmal sind, Senk- und Spreizfuß kommen noch ergänzend dazu. Dann ohnehin leicht schiefe Beine, ein gebrochener Lendenwirbel mit dem ich vermutlich schon mein ganzes Leben herum laufe. Hinzu kommen überdehnbare Gelenke, die z.B. einen Vierfüßerstand schon mal zum Desaster werden lassen. Dann bin ich ja auch noch schwerhörig, was das Üben in einer Gruppe nochmal schwieriger macht. Was mache ich nun mit diesen ganzen Einschränkungen? Es einfach sein lassen? Fast war ich dazu geneigt.

 

Lösungen – Erleben, was ich wirklich kann!

Die Lösung, hatte Sabine, Leiterin der MBSR-Gruppe für Übende mit Vorerfahrung, an der ich immer wieder teilnehme: Sie schlug vor, sich manche Übungen nur gedanklich vorstellen, Varianten zu suchen, auch beim Yoga wirklich mitfühlend mit sich selbst zu sein und nur so viel und so weit zu gehen, wie es gut tut. Kurzum: Im Bedarfsfall anders üben und immer wieder hinzufühlen, ob diese oder jene Übung so wirklich gut oder anders vielleicht besser ist.
Letzten Donnerstag entdeckte ich dann eine interessante Variante für mich: Die Yoga-Übungen im Stehen führte ich überwiegend im Sitzen durch und entdeckte dabei die Stabilität der Sitzbeinhöcker. Und so ging es mir durch den Sinn: SitzBEINhöcker, sind doch auch irgendwie Beine – zumindestens für mich. Sitzen ist für mich auch Stehen. Für mich eine unglaubliche Befreiung: Endlich Stabilität!

 

Varianten, Individualität, Kreativität, Lebensfreude

Ein interessanter Nebenbei-Effekt ergab sich für mich: Jenseits von „08/15“, „Schema F“ und „alle üben gleich“ etwas anders machen können, sich dieses Anders-Tun zugestehen, setzte bei mir auch innerlich etwas frei: Viele neue Ideen und Gedanken gingen mir plötzlich durch den Kopf. Statt des üblichen Stresses durch solche Übungen, spürte ich nun Freiheit, kreative Inspiration und einfach Lebensfreude in mir. Keine Sport- oder Gymnastiklehrer, kein Krankengymnast hat ein solch wunderbares Erlebnis durch Körperbewegung und Körperwahrnehmung je bei mir erreichen können, wie es nun durch wirklich achtsames Yoga und dem nötigen Selbstmitgefühl möglich geworden ist.

 

 

 

Die eigentliche Kraft des Minimalismus

Vielleicht liegt die eigentliche Kraft des Minimalismus als Lebensstil darin, weniger ängstlich und egoistisch zu sein. Immer wieder ist mir eins bei Minimalismus-Stammtischen aufgefallen: die Entspanntheit, die durch Loslassen entsteht.

Ich erlebe es ebenfalls als sehr befreiend, dass ich mit weniger Dingen tatsächlich zufrieden leben kann. Ich brauche nicht der Illusion hinterher zu jagen, dass es erstrebenswert ist, mehr als genug zu haben. Endlich Schluss mit der Atemlosigkeit, dass das Gras woanders grüner ist.

Insbesondere meine Achtsamkeits-Praxis bringt mich immer wieder dazu, über die Gegenständlichkeit hinaus schauen und feststellen, dass ich auch unpassendes Leistungsdenken und Konkurrenzkampf loslassen kann. Ich brauche mich nicht mit Anderen vergleichen und muss nicht ständig besser sein wollen. Es ist nicht nötig, den Gipfel des Olymp zu erklimmen. Es reicht aus, von meinen eigenen Möglichkeiten, Interessen und Fähigkeiten auszugehen und zu schauen, wohin sie mich führen. Mit diesem Mehr an äußerer und innerer Gelassenheit, kann ich Menschen anders begegnen. Wir können und dürfen einfach da sein, uns anregen, gegenseitig inspirieren, unterstützen und insbesondere leben, einfach leben.