Minimalismus im Wohnzimmer

Wohnzimmer früher

Wenn ich zurück denke, hatte ich eigentlich immer schon gerne freie Räume und eher wenige, unkomplizierte Möbel. Minimalismus im Wohnzimmer fand ich immer schon gut. Aber den Begriff „Minimalismus“ gab es noch nicht und ich war in Konventionalitäten verstrickt.

Als ich mit ca. Mitte 20 erstmals eine 2-Zimmer-Wohnung (statt WG oder 1-Raum-Wohnung) bezog, schaffte ich mir extra neue und einige gebrauchte Möbel an und war sogar recht stolz auf meine jetzt recht vielen Sachen. Dann erhielt ich u.a. ein wohlmeinendes Feedback, da passe ja noch richtig viel rein in meine Wohnung …. Ich dachte nur: „Hä…? Ach, das ist gar nicht viel, was ich habe…? Ob ich noch mehr reinstelle, aber was???“
Ich probierte im Laufe der Jahre immer wieder herum, was mir gefällt. Viele Dinge kamen, aber gingen auch wieder und jedes Mal fand ich das Loswerden dieser Dinge als Befreiung. Es war im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ein ständiges hin und her, weil ja irgendwas in der Wohnung stehen muss. Dann habe ich zusätzlich im Laufe der Jahrzehnte ganz unterschiedlich gewohnt: alleine, Partnerschaft, WG – da ändert sich ja ohnehin auch immer wieder etwas. Rückblickend denke ich heute: Tja, wenn Minimalisten versucht, sich die Wohnung voll zustellen – sowas kann ja nicht funktionieren.

Mein Wohnzimmer heute – einige visuelle Eindrücke:

Minimalismus im Wohnzimmer: Links Tisch und 2 Stühle, rechts am Fenster: 2 Holzschränke und ein Sessel (Pöang von Ikea) mit Fußteil.
Foto von Januar 2017

 

Ergänzende Anmerkung: Den Sessel gibts nicht mehr. Hier Näheres dazu: https://achtsame-lebenskunst.de/2017/10/14/die-leere-von-achtsamkeit-und-minimalismus-als-lebensfuelle/

 


 

 

Die Gestaltung eines Wohnraums

Die Gestaltung eines Wohnraums ist von vielen Faktoren abhängig. Wohne ich alleine, zu zweit, mit Familie? Natürlich auch ganz allgemein von der Wohnungs- und Zimmergröße.

 

Meine Wohnlösung für das Wohnzimmer

Meine jetzige Wohnung hat insgesamt ca. 35qm im Dachgeschoß. Das Wohnzimmer hat etwa 4 x 3,20m Grundfläche, davon müssen die Schrägen nochmal anteilig abgezogen werden müssen. Daher dürfte der Raum ca. 10 – 11 qm haben. Die Küche ist so klein (ca. 2,40×1,60m – Dachschräge nicht mitgerechnet!), dass dort beim besten Willen nicht noch ein Esstisch hinpasst. Daher war für mich klar, dass ins Wohnzimmer unbedingt ein Tisch mit Stühlen hinein sollte. Den Tisch und drei der vier Stühle habe ich mir neu gekauft. Der Sessel hat ist einige Jahre alt und gebraucht gekauft. Die beiden Holzschränkchen, die auf dem Foto zu sehen sind, sind schon deutlich ältere Semester. Da nach dem endgültigen Einrichten nichts mehr in den Schränken war, habe ich diese inzwischen verschenkt. Daher sind sie zwar auf dem Bild, aber nicht auf dem kurzen Video zu sehen.

So, wie es jetzt ist, bin ich zufrieden, allerdings hallt es noch (ein minimalistisches Luxusproblem). Ich kann mich aktuell nicht zu einem Teppich entschließen, da es ohne Teppiche einfacher zu reinigen ist. Ergänzend zum Rollo am Fenster kommt sicher noch mal ein Vorgang, aber dicke, lang-wallende Vorhänge mögen zwar Schall schlucken, gefallen mir aber nicht. Schallabsorber sind sündhaft teuer. Mal schauen, was mir da einfällt oder auch nicht.

Ich habe mir die Frage gestellt, warum Minimalismus im Wohnzimmer heute einfacher ist und was im Vergleich, früher so in Wohnzimmer und Schränken drin war, was ich jetzt nicht mehr habe. Die Antwort ist schnell gefunden:

 

Das digitale Zeitalter ist platzsparend

Das digitale Zeitalter mit Laptop und Tablet erspart mir einiges an Einrichtung: Ellenlange Bücherregale beispielsweise. Ich lese meistens E-Books, weil ich dort die Buchstabengröße anpassen kann und Hintergrundbeleuchtung habe. Ich habe es immer wieder mit konventionellen Büchern versucht. Es ist einfach nicht meins, obwohl ich es eigentlich viel sinnvoller fände. In E-Books schaue ich immer wieder hinein, in „normale“ Bücher nicht.

Stereoanlage, Kassetten, Schallplatten ( ja, ja, sowas kenne ich noch 😉 ), CD’s, DVD’s – sowas brauche ich schon lange nicht mehr. Denn alles ist auf dem Laptop und im Internet verfügbar. Ich höre allerdings auch deutlich weniger Musik als früher, was u.a. auch mit meiner Schwerhörigkeit zusammen hängen dürfte. Der Fernseher fehlt ganz bewusst. Ich schaue ohnehin nicht wirklich viel. Dann sind viele Sendungen im Internet als Livestream verfügbar oder können nachtäglich in der Mediathek der einzelnen Sender angeschaut werden. Das reicht mir locker aus.

Was mir wichtig ist, ist ein Schreibgerät. Dazu dient der Laptop. Gäbe es ihn nicht, hätte ich eine Schreibmaschine oder irgendeinen schickes dickes Notizheft mit einem schönen Füller oder Kugelschreiber. Hier oder da mal ein Foto machen, finde ich auch gut. Dafür gibts ein Tablet oder auch schon mal einen Fotoapparat, den ich mir problemlos ausleihen kann.

 

Minimalismus im Wohnzimmer und veränderte Lebenssituationen

Die persönliche Lebenssituation kann sich immer wieder ändern. Sei es ein beruflich oder privat bedingter Umzug, das Wohnen alleine, zu zweit, als Familie, als WG. Leben ist immer auch Veränderung – mal mehr, mal weniger. Sich wohlfühlen im eigenen Wohnzimmer ist nicht vorrangig abhängig von der finanziellen Investition, erst recht nicht von irgendeiner Möbel-Modewelle. Für die Gestaltung eines minimalistischen Wohnzimmer ist es daher wichtig, sich der eigenen Lebenssituation bewusster zu werden und erspüren, mit was ich mich selbst wohl fühle. 

Mir ist heute beispielsweise sehr viel klarer als früher, dass mir freie Flächen, zurückhaltende oder gar keine Dekorationen zu mehr Ruhe und Entspannung verhelfen. Ich kann mich einfach sehr viel besser erholen. Ich brauche keine visuellen Ablenkungen und Anregungen, im Gegenteil. Ich weiß, dass dies bei anderen Menschen ganz anders sein kann und jeweils herauszufinden, was und wieviel passend ist, finde ich gleichermaßen spannend, wie interessant und wichtig.

Umzug – Minimalismus und Achtsamkeit

Wie gestaltet sich die erste Zeit nach dem Umzug? Ein kleines Zwischenfazit, wie ich die ersten Tage, gleichermaßen minimalistisch, wie achtsam gestaltet habe:

Minimalistische Starterkits für die ersten Tage:

Insbesondere für die Küche habe ich für die erste Zeit ein sog. Starterkit zusammen gestellt. Darin enthalten waren wirklich nur die wirklich allernötigsten Dinge, die ich absehbar in den ersten Tagen benötigen würde. In meinem Fall reichte mir dazu meine mobile Kochplatte, 2 x Besteck, 2 Teller, 1 Holzbrett, Küchenmesser, Tasse, Glas, kleiner Topf, Kühlbox, außerdem einige Nahrungsmittelvorräte, wie Müsli, etc.  – Ein Starterkit habe ich dann auch für die Bad-Utensilien, die Kleidung, Putzzeug, Werkzeug und die wichtigsten Unterlagen zusammen gestellt. Diese Starterkits habe ich anschließend in einigen Taschen und kleineren Boxen verstaut – zum schnellen Transportieren und insbesondere wiederfinden.

Vorteil der minimalistischen Starterkits:

  • Ich konnte mich von Anfang an recht schnell orientieren und zumindestens einfaches Essen direkt selbst zubereiten.
  • Keine ewige Kramerei in allen möglichen Kisten.
  • Es klärte sich nochmal fast von alleine, welche Dinge wirklich wichtig sind.
  • Ich habe es als sehr angenehm empfunden, nach und nach zu schauen, welche Dinge mir sonst noch wichtig oder besonders angenehm sind und sich jetzt allmählich noch zu diesen minimalistischen Starterkits dazu gesellen.

 

Minimalismus – Provisorium, wenn die Küche noch nicht geliefert ist:

Wie leben, essen, kochen, wenn der Aufbau der Küche noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird? Diese Frage hat mich lange beschäftigt. Hier ein Foto vom aktuellen Stand dieses minimalistischen Küchenprovisoriums:

links auf dem Bild, eine ca. 60cm hohe Kühlbox, die üblicherweise für Camping oder Auto benutzt wird, aber auch Steckdosenanschluss hat. Daneben eine kleine Tasche mit Lebensmittelvorräten, Rechts ein einfaches , offenes Holzschränkchen mit Kochplatte, Pfanne, Holzbrett, Wasserkessel. Unten in dem Holzschran Geschirr, Besteck, Tassen, einige Flaschen mit Wasser, Öl, einige Plastikdosen

Die Kühlbox gab es – zum Glück – noch. Sie eignet sich, um dort in den ersten Tagen einige Lebensmittel kühlen zu können, da ich anfangs noch keinen Kühlschrank hatte. Die Box machte einen ziemlichen Lärm, weshalb ich sie ins Badezimmer verbannen musste. Ich bin froh, diese Box heute endlich ausgeschaltet zu haben, da der Kühlschrank inzwischen da ist und zumindestens schonmal funktionsfähig ist. In der Tasche, die in der Mitte zu sehen ist, einige Lebensmittelvorräte. Den rechts zu sehenden Holzschrank habe ich mir geliehen. Inzwischen sind dort ein paar Dinge mehr, als noch in den ersten beiden Tagen. Der Wasseranschluss in der Küche funktioniert noch nicht, so dass alles, was mit Wasser zutun hat, im Badezimmer erledigt werden muss. Da bin ich froh, wenn das nicht mehr nötig ist.

 

Wohlfühlen: Praktische Metta-Meditation / Selbstfürsorge in der Umzugsphase

Gerade als anfangs noch alles etwas chaotisch wirkte, war es wohltuend, einige Dinge gleich griffbereit zu haben und mir selbst etwas Essen zubereiten zu können: Ein einfaches Essen, welches sich ohne größeren Aufwand zubereiten lässt, was ich besonders mag, worauf ich nicht mit Unverträglichkeiten oder Allergien reagiere.

Insbesondere auch in der Anfangszeit achte ich darauf, mir von Beginn an kleine gemütliche Inseln in der Wohnung zu schaffen, wo mich wohl fühle. Das nachfolgende Bild stammt vom ersten Abend. Ich funktionierte kurzerhand Yogamatte und Meditationskissen zu einer kleinen Sitzgelegenheit um. Das Meditationskissen war eine super Rückenlehne, die Yogamatte warm. Mein Berliner Hocker diente als Tisch (zu diesem selbst gemachten Multifunktionsmöbel siehe hier: http://hartzivmoebel.blogspot.de/p/berliner-hocker.html)

Links der "Berliner Hocker" - nach dem Design von Van Bo Le Mentzel. Auf dem Hocker ein Käsebrötchen, sowie eine Mineralwasserflasche. Rechts auf dem Bild, eine Yogamatte, ein Meditationskissen an der Wand liegend, ein weiteres auf der Yogamatte

Der Umzug machte mir nochmal deutlich: Es geht auch ganz einfach, auch mal improvisiert. Entscheidend ist, auch in dieser Phase nicht in Arbeit, Chaos und Perfektionismus zu versinken, sondern das eigene Wohlbefinden nicht ganz aus dem Blick zu verlieren. Für mich ist dies eine ganz praktische Form der Selbstfürsorge und somit eine auf der Handlungsebene vollzogene Metta-für-mich-Meditation. Außerdem ist eine Möglichkeit, die Gunst der Stunde für bewusst gelebten Minimalismus zu nutzen (und sei es ggf. nur in einer solchen Umzugsphase). Das entstresst enorm und hilft, in Veränderungen und Umbruchsituationen, kleine Vertrautheiten und Oasen des Wohlfühlens zu schaffen. Das kann die gemütliche Tasse Tee oder Kaffee, sein, ein Lieblingsbild, ein Lieblingsmöbelstück, eine Lieblingslampe oder was auch immer bereit zu halten und bewusst zu genießen.

 

 

 

 

 

Minimalismus: Fülle des Lebens – statt voller Räume

Volle Kisten und Taschen – noch leere Wohnung

Die meisten meiner persönlichen Dinge sind verpackt. Ich schätze ca. 70%. Die neue Wohnung steht jetzt noch leer. Neulich war ich nochmal zum Ausmessen dort – wie wunderbar solch leere Räume aussehen können und wieviel Ruhe, Licht und Wärme eine Wohnung ausstrahlen kann. Nächste Woche bekomme ich meine Schlüssel und dann werden sich diese leeren Räume wieder schrittweise füllen, überfüllt sollen sie natürlich nicht sein.

Wenn ich mich in meinem jetzigen Zimmer umschaue stelle ich fest: Diesmal sind es also überhaupt keine normalen Umzugskartons geworden. 3 Pappkisten unterschiedlicher Größe, 1 Koffer, 1 Reisetasche, mehrere Taschen und Boxen. Diese Dinge werden einfach per Auto transportiert. Einige Dinge habe ich aktuell natürlich noch in Benutzung, von dem ein oder anderen habe ich mich bereits getrennt, das ein oder andere Möbelstück brauche ich noch. Einige vorhandene Möbelteile transportiert ein Umzugsunternehmen erst im Dezember – für mich alleine hätte es sich nicht gelohnt, die paar Möbel zu transportieren. Davon abgesehen, finde ich es auch spannend, einige Zeit einfach mal zu improvisieren. Kürzlich krachte dann noch einer meiner 1986 gekauften Stühle unwiderruflich zusammen. Ich hatte den leichtsinnigen Versuch unternommen, ihn auseinander schrauben zu wollen. Eigentlich hätte es funktionieren müssen, aber nach 30 Jahren geht eben doch nicht mehr alles – auch nicht bei Möbeln.

Was ist viel und was ist wenig?

Bei der Überlegung, ob diese verpackten Dinge nun viel oder wenig sind, ob dies nun minimalistisch oder irgendwie doch maximalistisch ist, komme ich zu keinem wirklichen Ergebnis. Was viel oder wenig ist, ist doch sehr relativ. Ich denke in diesen Tagen der Umzugsvorbereitungen oft daran, wie sehr unsere Umwelt, unser Planet und Menschen in anderen Ländern unter unserem westlichen Lebensstil leiden. Auch gehen mir oft die vielen Flüchtlinge durch den Sinn, die kaum mehr als ihr eigenes Leben retten konnten und nur noch wenige, tragbare Dinge dabei haben. Dagegen sind meine Sachen und meine Entscheidungsfreiheit der pure Luxus. Die Auswahl der Dinge, die ich besitze und mitnehme, ist ohne jeden Druck und völlig freiwillig. Ein wichtiges Kriterium ist für mich, dass ich schaue, mit wieviel Zeugs es mir gut geht. Durch meine Achtsamkeitspraxis der letzten Jahre bemerke ich, dass die Wahrnehmung und Entscheidung, wieviel bzw. wie wenig für mich gut ist, inzwischen deutlich geschärft ist. Ich unterscheide heute sehr viel genauer und besser zwischen meinen Wünschen und meinen wirklichen Bedürfnissen. Materielle Wünsche hatte ich zwischendurch viele, manche gaben sich in den letzten Wochen nahezu täglich ein fröhliches Stelldichein. Aber wirkliche materielle Bedürfnisse habe ich sehr viel weniger. Ein ganz entscheidender Unterschied, der mir früher nie so deutlich aufgefallen ist.

Natürlich ist mir bewusst, dass hierzulande die meisten Menschen sehr viel mehr Dinge besitzen als ich. Der ein oder andere Zeitgenosse mag vielleicht sogar denken, ich sei evt. ein armer Schlucker. Dabei bin ich das wirklich nicht – im Gegenteil, denn niemand zwingt mich so viel oder wenig Dinge zu besitzen. 10000 Dinge sollen es ja sein, die ein Durchschnitts-Europäer so hortet … mich würde nebenbei gesagt, ja mal interessieren, wer die gezählt hat und auf diese Zahl gekommen ist… Um es gleich zu sagen: ich habe meine Dinge nicht gezählt, ich werde sie auch nicht zählen. Es sind aber deutlich weniger. Allerdings auch mehr, als das sich hartnäckig haltende Vorurteil, dass Minimalisten nur 100 Teile haben. Minimalismus als Lebensstil lässt sich nicht in Normen und Vorurteile einzwängen, schon gar nicht, wenn dabei auch Achtsamkeit eine Rolle spielt 😉 .

Wohlfühlen statt Räume füllen

Mir ist es wichtig, mich mit den Dingen, die ich habe, wirklich wohlzufühlen. Ich möchte Freiraum haben und mich nicht zwischen dem ganzen angehäuften Zeugs durch die Wohnung schlängeln müssen. Statt vollgestopfter Räume interessiert mich dann doch eher die Fülle des Lebens selbst – und die ist nunmal unabhängig von der Menge an Kram.

 

 

Minimalismus-Wohnung – Wieviel Küche?

Wieviel Küche brauche ich? – Überlegungen vor dem Küchenkauf

Wieviel Küche brauche ich? Wieviel Minimalismus in der Küche darf und soll es sein? Anlässlich meines bevorstehenden Umzuges und damit der Notwendigkeit eines Küchenkaufs, war ich heute mal wieder unterwegs und habe mir Küchen angeschaut, U.a. war ich in einem Möbelhaus in der Region, ein Familienunternehmen.

Die Ausgangssituation: Verwirrender Küchenmaximalismus

Was mir nicht so wirklich klar war, bevor ich das Küchen-Möbelhaus betrat: Allein im Untergeschoss 350 Küchen, dazu dann die ganzen Küchen im Erdgeschoss. Was da alles aufgebaut war… u.a. jede Menge Schränke, damit jede Menge Kram rein passt: Oberschränke, Unterschränke wohin das Auge reicht. Und dann gibts inzwischen riesig große Kochfelder. Mich wundern auch die vielen glänzende Lackfronten – wer putzt die eigentlich?? Die Backöfen haben allen erdenklichen technischen Zauber. Es gibt gewöhnliche Kühlschränke, Retro-Kühlschränke, sog. amerikanische Kühlschränke. Außerdem muss offensichtlich jeder Quadratmillimeter ausgenutzt werden. Es soll schließlich viel rein passen: Küchenmaschine, Kaffeeautomat, Teflonpfannen, Keramikpfannen, Edelstahlpfannen, Gußeisen-Pfannen, Thermo-Dingsbums, ein großer Fuhrpark an Messern in allen Varianten, die endlosen Küchenhelfer und und und… Gibts eigentlich noch den Schnellkochtopf oder ist der jetzt out? Wie auch immer: Man könnte denken, der überwiegende Teil unserer Bevölkerung besteht aus leidenschaftlichen Hobbyköchen, die stundenlang das schönste Essen in diesen schicken Küchen kreieren. Aber in den Lebensmittelgeschäften gibt es immer mehr Fertiggerichte – da passt was nicht.

Welche Küche brauche ich: Minimalistisch bequem oder Statussymbol?

Muss es wirklich die hochgerüstete Wohlstandsküche sein, in der ich mich erst mit all den technischen Raffinessen auseinander setzen muss? Davon wird das Essen nicht gesünder. Letztlich sehen die Küchen doch trotz all der vermeintlichen Varianten irgendwie alle sehr ähnlich aus: Schrank an Schrank mit ein paar technischen Geräten dazwischen. Die Anforderungen und Bedürfnisse an eine Küche sind je nach Lebenssituation natürlich unterschiedlich. Trotzdem: Wann ist eine Küche noch einfach zur Nahrungszubereitung da und wann ist sie eigentlich nur noch ein Statussymbol? Und brauchen wir das? Ich brauche es nicht. Küchen sollten für mich funktional und minimalistisch bequem sein.

Was brauche und mag ich wirklich?

Meine Welt sind diese üblicherweise ausgestellten Möbelhaus-Küchen definitiv nicht. Die Gründe:

  • Oberschränke stören mich.
  • Ich mag die vielen, derzeit modernen Holzimitate nicht. Wenn Natur, dann doch bitte die echte und da ist es auch schöner, mich wandernd durch sie hindurch zu bewegen.
  • Ich habe auch definitiv überhaupt keine Lust, die Fronten einer Lackküche zu putzen.
  • Eine Küche ist keine Showbühne für mich, mit der ich mich mit teurem Interieur präsentieren muss.
  • Die wesentlichen Elemente einer Küche sind Spüle, Kühlschrank, Kochplatten und ggf. Backofen. Ich möchte mir ab und an lediglich ein Essen zubereiten.

Die Küche – meine wirklichen Vorstellungen und Wünsche:

  • Ich möchte in und mit einer Küche nicht viel Arbeit haben.
  • Mir steht der Sinn nicht danach, mich ewig lange mit dem Säubern zu beschäftigen.
  • Ich möchte eine überschaubare Anzahl an Dingen schnell finden und aufräumen können.
  • Nicht fest eingebaute Kochfelder finde ich persönlich sehr praktisch, weil ich sie auf einer begrenzten Fläche einfach und bequem beiseite räumen kann.
  • Ich liebe es, wenn ich auch in kleinen Küchen Platz habe.
  • Ich möchte meine Zeit nicht damit verbringen, mich durch eine große Menge an Kram zu wühlen, um den jeweils richtigen, der 15 Kochlöffel zu finden.
  • Je mehr Ansprüche, desto teuerer ist eine Küche. Ich finde es sinnvoller, mein Geld lieber für höherwertige Nahrungsmittel auszugeben

Update von Nov. 2016: Minimalismus in der Küche – die Umsetzung:

Blick auf die Dachschräge der Küche

Minimalismus in der Küche

 

Minimalismus-Wohnung: Wohnen fühlen

Minimalismus-Wohnung: Wieviel oder wie wenig soll es sein?

Wohnen – ein menschliches Grundbedürfnis, Sicherheit, zur Ruhe kommen, Zuhause sein. Mein geplanter Umzug wirft einige Fragen neu auf: Was brauche ich wirklich? Wieviel oder wie wenig kann und soll es sein? Muss es all das sein, was ich meine haben zu müssen? Was stellt „man“ denn so üblicherweise in die Wohnung und sind dies genau die Dinge, die ich wirklich haben will? Was sind meine wirklichen Bedürfnisse? Womit fühle ich mich wohl?
Ich habe es mal Wohn-Fühlen genannt: Spüren, erspüren, erfühlen: Was und wieviel brauche ich?

Achtsam durch die Möbelhäuser…

Achtsamkeit lässt sich auf alle Bereiche des Lebens anwenden. Natürlich auch auf das Wohnen. Ich habe mich nochmal intensiver damit befasst und interessante Aspekte gefunden:

Ebenso, wie in einer Sitzmediation immer wieder Gedanken, Gefühle, körperliche Reaktionen auftauchen, ich diese bewusst wahrnehmen und auch wieder loslassen kann, so bin ich einfach mal durch diverse Möbelhäuser gegangen: die virtuellen im Internet und auch ganz praktisch vor Ort. Ich habe mich achtsam auf die Suche begeben, welche Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken in mir aufkommen, ohne dass ich gleich anfange diese zu werten, einzuordnen oder irgend etwas konkret zu planen. Ich habe all meinen spontanen Gedanken, Ideen, Gefühlen, Wünschen einfach freien Lauf gelassen und habe die Dinge, Möbel, Gegenstände auf mich wirken lassen. In meiner Phantasie wurde dann meine künftige Wohnung endlose Male eingeräumt, eingerichtet, umgeräumt. Ich habe Vorstellungen entwickelt und wieder verworfen. All das, ohne wirklich etwas zu kaufen, aber auch ohne, dass ich mir irgendeinen Wunsch verkniffen hätte. Ich habe all das einfach mal fließen lassen.

Mein Erleben

Achtsames Wahrnehmen meiner Kauf- und Wohnbedürfnisse (oder was ich dafür halte): Es war spannend. Weder bin ich wirklich zur Kasse gestürmt, um gleich was zu kaufen, noch habe ich irgend einen Wunsch vorzeitig verworfen. Auf meinem Laptop habe ich mittels einer entsprechenden einfachen Software den ungefähren Grundriss der künftigen Wohnung aufgezeichnet und dann nach Herzenslust Möbel hin und hergeschoben, ein- und wieder ausgeräumt. Es hat mir einen großen Spaß gemacht, denn ich konnte all meine spontanen Kaufwünsche austoben, ohne dass ich nur einen einzigen Cent ausgegeben habe und ohne, dass ich mich anschließend über zuviel Zeugs in der Wohnung ärgern muss. Dabei wurde mir deutlich, wie oft ich Ideen entwickelte und dann doch wieder verwarf. Nicht selten hatte ich das Gefühl, dass ich dieses oder jenes Teil unbedingt wirklich und ganz real haben muss. Aber einige Stunden oder Tage später nochmal hingeschaut, war es mir dann egal, wollte ich etwas ganz anderes.

All die Sprunghaftigkeit des Denkens und Fühlens, die auch in der formalen Meditationspraxis auftauchen, genau diese Sprunghaftigkeit entdeckte ich nun bei meinen Phantasien, wie nun die künftige Wohnung aussehen soll oder eben auch nicht.
Sehr hilfreich war meine Erfahrung aus der eigenen formalen Meditationspraxis. Diese Erfahrung konnte ich nun auch für diese praktischen Bereiche nutzen: All das, was ich dachte, fühlte, meinte, kaufen wollte oder auch nicht – all das einfach wieder loslassen und statt dessen mich und meine Reaktionen wahrnehmen, spüren und feststellen: Ich habe gelegentlich durchaus alle möglichen Wünsche, aber viele dieser Wünsche kommen und gehen wirklich wie die vorüberziehenden Wolken am Himmel.

Mein persönliches „Wohnfühlen“

Wenn ich also all mein Erleben und Fühlen erlebe und durchlebe, aber dann innerlich auch immer wieder loslasse, so entdecke ich langsam mein wirkliches persönliches Wohnfühlen:

  • Für mich muss es in der Wohnung nicht so viel und schon gar nicht voll sein.
  • Ich liebe es, wenn ich Platz um mich herum habe.
  • Minimalismus ist für mich kein Prinzip, sondern ein Bedürfnis. Insbesondere ist es für mich ein Bedürfnis nach Ruhe, Übersichtlichkeit, Leichtigkeit, Klarheit.
  • Ich verändere immer mal wieder gerne. Mal stehen die Möbel hier, mal dort.
  • Ich mag natürliche Materialien, wie Massivholzmöbel. Die vielen Kunststoffmöbel und Plastiklampen, die derzeit offensichtlich modern sind, rufen Unbehagen in mir hervor.
  • Ich hänge nicht an ganz bestimmten Dingen/Möbeln. Manche Möbel habe ich schon sehr lange, aber gäbe es sie nicht und ich hätte andere, wäre das auch ok.
  • Es ist sehr entspannend und befreiend, all die spontanen Wünsche in der Phantasie mit all dem damit verbundenem Denken und Fühlen auszuleben, aber dieses ganze Spektakel anschließend einfach auch mal nicht ganz so wichtig zu nehmen.
  • Es gibt viele Wünsche, die sich zwar gelegentlich ein fröhliches Stelldichein geben, aber diese sind nicht zwangsläufig auch mein Bedarf, mein Bedürfnis und nicht das, womit ich mich letztlich wirklich wohlfühle.
  • Wohnen geht auch viel einfacher – das entspannt, entlastet und reduziert Stress.
  • Eine Wohnung voller Dinge bedeutet noch lange kein erfülltes Leben!

Wohlfühlen kann sehr unterschiedlich sein

Natürlich: Meine Bedürfnisse an Wohnfühlen, sind erstmal meine Bedürfnisse. Diese können sich ganz erheblich von denen anderer Menschen unterscheiden. Das ist kein Drama, sondern menschlich und ich finde auch höchst spannend und interessant.

Achtsamkeit im Alltag

Wohnfühlen – mit Achtsamkeit und freundlich die eigenen Wünsche, Ideen, Phantasien registrieren, aber auch wieder loslassen. Noch sind längst nicht alle Entscheidungen bei mir getroffen, aber das ist unwesentlich und vielleicht auch ohnehin gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es für mich, wieder einen Bereich der Alltagsachtsamkeit entdeckt zu haben, der mich sicherer unterscheiden lässt, was ich nur haben will oder was ich wirklich brauche. An Dingen, Gegenständen und Möbeln ist das bei mir längst nicht so viel, wie ich das gelegentlich meine.

 

„Spiritual practice is not just sitting and meditating. Practice is looking, thinking, touching, drinking, eating and talking. Every act, every breath, and every step can be practice and can help us to become more ourselves.“ Thich Nhat Hanh

 

 

 

Minimalismus-Wohnung – Dinge, die ich abschaffen werde

Umzug – weniger ist mehr

Bei mir stehen einige Veränderungen an. Wenn alles gut geht (danach sieht es aus), werde ich Mitte November in eine wunderschöne Dachwohnung mit 35qm umziehen.
Zum Umzug ganz unweigerlich gehört immer die Frage, was ich künftig nicht mehr brauche, was entsorgt werden kann. Für mich ist dies die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Dinge nun die Schwelle der neuen Wohnung überschreiten dürfen und womit ich mich nicht mehr belasten will. Dabei geht es mir genau genommen nicht um die Anzahl von Dingen. Wenn ich von Minimalismus-Wohnung spreche, dann geht es mir um entspanntes Wohlfühl-Wohnen – dazu gehört für mich, wenig Aufwand zu haben und mich nicht mit so vielen Dingen zu belasten. Ich möchte wohnen, mich wohlfühlen und mich nicht ständig mit Erwerb, Pflege, Drumrum-Putzen und Entsorgung von irgendwelchem Kram befassen – und sei dieser noch so schick und modern.

Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten immer mal wieder unter dem Stichwort Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen“, einige Aspekte heraus greifen und veröffentlichen. Ein paar Fotos wird’s dann natürlich irgendwann auch noch geben.

Was brauche ich nicht? Dinge, die ich abschaffen werde:

Auto:
Das Auto wird endgültig verkauft, ich nutze es ohnehin schon lange nicht mehr alleine. Meine künftige Wohnung ist in ruhiger, aber zentraler Innenstadtlage, 15-20 Minuten Fußweg zur Arbeit. Ein Carsharing-Anbieter hat u.a. ein Elektro-Fahrzeug in unmittelbarer Nähe meines Arbeitsplatzes. Es gibt zudem etliche weitere Standorte und noch eine ganze Reihe weiterer Carsharing-Anbieter.
Vieles ist fußläufig oder mit ÖPNV gut zu erreichen. Die nächste U-Bahn und S-Bahn ist 5 Minuten entfernt. Wollte ich zum Hauptbahnhof laufen, wäre ich in ca. 25 Minuten dort, mit der U-Bahn benötige ich ca. 10 Minuten. Es gibt genügend Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, sogar 2 Bioläden sind in 5 Minuten zu erreichen, ca. 20 Minuten Fußweg oder 10 Minuten mit der U-Bahn entfernt, noch ein Bioladen. Der Wochenmarkt in der Stadt ist in ein paar Minuten U-Bahn-Fahrt zu erreichen. Nicht zuletzt heißt der sog. „Ruhrschnellweg“ (B1, A40) hier im Volksmund „Ruhrschleichweg“. Wir stehen im Ruhrgebiet eh mehr im Stau, als das wir fahren. Wozu also ein Auto??

Waschmaschine:
5-Minuten Fußweg entfernt ist ein Waschsalon, die Wohnungsgenossenschaft hat zudem ein weiteres sog. Waschhaus mit Waschmaschinen, die von allen genutzt werden können. Da in einem Waschsalon oder Waschhaus dann auch gleich mehrere Maschinen befüllt werden können und ich insbesondere auch derzeit keine Lust mehr habe auf  irgendwelche geplanten Obsoleszenzen, eine wirklich einfache und bequeme Lösung, die nun erstmal die nächste Zeit nutzen möchte.

Trockner
Direkt neben meiner Wohnung ist ein schöner und guter Trockenboden – das macht es nahezu perfekt. Hinzu kommt, dass ein Trockner ohnehin eine ziemliche Energieschleuder ist.

Fernseher:
Einen Fernseher brauche ich definitiv nicht. Schon seit Jahren habe ich nur einen TV-Stick für den Laptop benutzt. Aber den benötige ich auch nicht. Im Internet sind viele TV-Sendungen zudem auch bereits im Livestream oder anschließend in der Mediathek zu sehen.  Der Sinn von irgendwelchen riesigen TV-Bildschirmen erschloss sich mir noch nie. Die riesigen Köpfe auf der Leinwand, der evtl. nötige Zusatzvertrag für HD-TV für schärferes Sehen – all das will ich nicht, brauche ich nicht, hat für mich nichts mit Lebensqualität zutun. Außerdem: Wenn ich etwas auf einer großen Leinwand sehen will, kann ich auch ins Kino gehen.

Radio, Stereoanlage:
Der Laptop ermöglicht auch hier einen einfachen Ersatz. Die schicksten Lautsprecherboxen sind ebf. nicht erforderlich. Aufgrund meiner Schwerhörigkeit, gehts mir vorrangig um entspanntes Hören, da nutzen Lautsprecherboxen nur begrenzt. Es geht mit Laptop und geeignetem Kopfhörer daher ebenso gut.

Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen

Weitere Fragen und Themen werden folgen, manches ist noch offen. Immer geht es für mich um wirkliches Wohlfühlen und um die Reduzierung von Belastung. Ein für mich wichtiges Kriterium dafür, dass ich mich wirklich wohlfühle: nicht aufwändig, Freiräume lassen, und die Frage, ob und welche Alternativen es ggf. gibt.

Update: Wie ich minimalistisches Wohnen umgesetzt habe, steht hier:

Minimalismus-Wohnung – Anregungen und Tipps zum minimalistischen und achtsamen Wohnen

 

 

Minimalistischer Arbeitsplatz – achtsam umgestaltet

Endlich wohlfühlen am Schreibtisch

Für meinen Arbeitsplatz Zuhause suche ich nun schon seit längerem eine für mich passende Lösung. Der Grund: Seit längerer Zeit ist mir beim Sitzen am Schreibtisch immer wieder aufgefallen, wie sich meine Hüfte verkrampft und ich reichlich schief und krumm vor dem Laptop saß. Eine zeitlang ignorierte ich dies, dann versuchte ich, mich gerade hinzusetzen. Aber das reichte nicht aus, um mich wohl zu fühlen. Meine Beine und meine Hüfte waren immer noch verkrampft, der Laptop nun viel zu niedrig und zu weit weg. Was also tun?

Was genau ist das Problem?

Wie fühlt sich mein Körper an? In der formalen Achtsamkeitpraxis habe ich dies immer wieder geübt. Die Wahrnehmung des Körpers lässt sich aber auch prima im Alltag anwenden – eine Grundvoraussetzung um überhaupt erstmal mitzubekommen, wo genau das Problem ist. Wie und warum saß ich so schief und verkrampft da? Ich habe während meines letzten Urlaubes die Gelegenheit genutzt, um achtsam meine schiefe Haltung wahrzunehmen, indem ich diese Haltung einen kurzen Moment lang „eingefroren“ habe, d.h. ich blieb einige Sekunden in dieser Haltung sitzen. Ich fühlte mich nun durch meinen gesamten Körper hindurch, habe also einen kurzen Bodyscan gemacht. Dabei wurde mir folgendes deutlich:

Problem 1: Stuhl zu niedrig

Schnell wurde mir dann klar, dass mein Stuhl für die Länge meiner Beine einfach viel zu niedrig ist. Das Problem kenne ich eigentlich. Aber da fast alle Stühle für mich zu niedrig sind, registriere ich es kaum noch. Möbel sind halt vorrangig auf Leute mit Durchschnittsgrößen ausgerichtet. Meine Beinlänge ist dann wohl nicht durchschnittlich (das Elend kenne ich ja auch vom Hosenkauf).
Ich überlegte mir, ob ich mir statt eines normalen Küchenstuhls nicht doch mal endlich einen Schreibtischstuhl anschaffe. Aber die Stühle, die ich in den ein oder anderen Geschäften probierte (ebf. mit einem Minibodyscan) , hatten dann entweder recht kleine Sitzflächen, waren ziemlich klapprig oder der ganze Stuhl war so wuchtig (sog. „Chefsessel“), dass ich mir so ein „Monster“ nicht ins Zimmer stellen wollte. Mitunter war der Schreibtischstuhl dann auch so teuer, dass ich mir einen solchen Stuhl derzeit schlichtweg nicht leisten kann und will.

Lösung: Ich konnte mir vorerst einen älteren Schreibtisch-Stuhl leihen, dieser Stuhl hatte ohnehin nur herum gestanden und findet somit jetzt mal wieder eine Verwendung

Problem 2: Laptop zu niedrig

Als ich nun die richtige Sitzhöhe hatte, war der Laptop so weit weg und damit der Bildschirm so klein, dass ich dann mit dem Oberkörper sehr weit vorn gebeugt am Schreibtisch saß. Also probierte ich einen Laptopständer. Aber der Laptopständer war nicht hoch genug. Ich saß immer noch so schief, krumm und verkrampft am Schreibtisch.

Lösung: Ich hatte noch auf dem Dachboden einen älteren Monitor, den ich an meinen Laptop anschließen konnte. Der Monitor stand dann aber auch noch zu niedrig. Also habe ich ihn noch auf einen ungenutzten Deckel einer Holzkiste gestellt. Jetzt passt es.

Problem 3: Häufiges Knie anstossen am Tisch

Seit längerer Zeit habe ich meinen alten Esstisch als Schreibtisch genutzt. Dieser Tisch ist aber so konstruiert, dass ich mir nun bei meiner idealen Sitzhöhe häufig die Knien daran gestoßen habe.

Lösung: Ein uralter Klapptisch aus Schweden – ebf. nicht mein Tisch, aber ich kann ihn benutzen 🙂 . Eine neuere und etwas größere Variante gibt’s übrigens heute noch in dem bekannten schwedischen Möbeldiscounter zu kaufen. Aber wozu, wo ich diesen alten Schwedentisch nutzen kann. Dieser Tisch kann auf minimalistische 29cm zusammen geklappt werden. Man kann ihn einseitig aufklappen, dann hat er ins. 75cm oder auch beidseitig, dann sind es ca. 120cm.

Der Laptop findet dann, wenn ich nur eine Tischseite ausgeklappt habe – was meistens der Fall ist – nicht noch zusätzlich auf dem Tisch Platz, da nutze ich derzeit einfach einen Stuhl. Ein wenig stört mich auch das Kabelchaos, aber der Monitor hat halt schon ein gewisses Alter (müsste von 2008 sein), dafür ist er aber mit 23 Zoll schön groß und auch sehr gut.

Meine Erfahrungen mit dieser Lösung:

Ich finde es genial, dass ich ganz normal gerade und viel entspannter sitzen und schreiben kann. Ich muss aber aufpassen, dass ich mich nicht wieder gewohnheitsmäßig zu krumm vorgebeugt hinsetze. Insbesondere entlastet dies nun meinem Rücken, meiner Hüfte und meine Beine.

Der Tisch ist einfach nur klasse. Er ist multifunktional und entspricht meinen Vorstellungen eines einfachen und minimalistischen Möbelstücks. Möchte ich Platz im Zimmer haben, klappe ich ihn zusammen und Monitor und Laptop finden trotzdem darauf Platz. Müssen einmal doch viele Dinge auf dem Tisch Platz finden, klappe ich ihn halt nach beiden Seiten aus. Der Tisch hat aufgrund seines Alters schon deutliche Gebrauchsspuren. Trotzdem finde ich es einfach schön, so einen alten, aber immer noch funktionierenden Tisch zu nutzen und auch den in die Jahre gekommenen Monitor sinnvoll weiter verwenden zu können. Nachhaltiger ist diese achtsame entwickelte Lösung meines minimalistischen Arbeitsplatzes dann ja auch noch.

 

Minimalistisches Schlafzimmer – Gastbeitrag bei Schlichtheit.com

Minimalistisches Schlafzimmer: Wieviel Schlafzimmer braucht der Mensch? Ein Gastbeitrag von mir auf www.schlichtheit.com setzt sich mit dem Thema Minimalismus im Schlafzimmer auseinander.

Eine kleine Anekdote am Rand: Bis zu dem Zeitpunkt, an dem mich Daniel auf einen solchen Gastbeitrag angesprochen hat, war mir noch gar nicht aufgefallen, dass mein Schlafzimmer durchaus minimalistisch geprägt ist. Darüber hatte ich mir wenig Gedanken gemacht und es einfach mal so gestaltet, wie es für mich gut ist….

http://www.schlichtheit.com/minimalistisches-schlafzimmer/

 

Minimalistische Spurensuche – mein Wohnen früher und heute

Minimalismus gab es bei mir schon früher. Blicke ich zurück, ging es bei mir früher durchaus sehr einfach zu. Es war mir allerdings überhaupt nicht bewusst. In meiner ersten Wohnung (1982) stand kein einziges neues Möbelstück, alles gebraucht. Das dies auch nachhaltig und sehr vernünftig ist, war mir ebf. nicht bewusst.

 

Mein Wohnen früher

Mein erstes Sofa: Kennt noch jemand diese dreiteiligen Matratzen, die es früher gab? – Daraus habe ich mir mein erstes Sofa gebastelt: 2 der Matratzen übereinander, 1 als Rückenlehne an die Wand, Decke drüber fertig.

Meine Spüle war ein Modell aus den 70er Jahren, so eine, die man so im Baumarkt fand. Sie hielt mehr als 2 1/2 Jahrzehnte bevor sie auseinanderfiel.

Regal in der Küche: eine Jaffa-Kiste oder Ytonsteine mit Holzbrett drüber.

Als Bett fungierte jahrelang ein Lattenrost auf der Erde mit Matratze drüber. Aus Regalen baute ich einen begehbaren Kleiderschrank.

Es ging mir genau genommen sehr gut mit solchen Variationen. Ich stand mir maximal selbst im Weg, indem ich mir überlegte, nun müsse es doch mal standardisierter und normaler werden. Ich bin stundenlang durch Möbelhäuser gelaufen, mir Küchen, Sofas, Wohnzimmerschränke und weiß ich was angesehen. – Nicht ein einziges Mal konnte ich mich entschließen, mir eine Einbauküche zuzulegen – unsere jetzige Küche ist aus endlos vielen wieder verwerteten Teilen zusammen gesetzt. – Einen klassischen Wohnzimmerschrank habe ich auch nie besessen. Sofas hatte ich inzwischen aber so einige. Aber so richtig zufrieden war und bin ich damit nicht. Irgendwann waren diese durchgesessen oder der Stoff hinüber. 

Unter’m Strich ist eine einfache Wohnungsausstattung nicht nur preisgünstiger, ist der Verzicht auf Wegwerf-Möbel nachhaltiger – es ist auch sehr viel lebendiger und individueller, kreativer. Es macht einfach auch Spaß, wenn aus ein paar alten Bretter, alten Küchenschränken, Laminatresten und weiß ich was, tatsächlich eine gute und funktionierende Küche entsteht – und dann noch eine Küche, die niemand sonst so in genau dieser Form hat.

 

Minimalismus in der Küche der 80er-Jahre:

Abschließend ein Eindruck aus meiner 80er-Jahre-Küche. U.a. hatte ich ein Regal-Sammelsurium: Jaffa-Kiste, Ytong-Steine, ein paar alte Holzbretter. Der weiße Küchenschrank links, sowie Tisch und Stuhl waren (unsinnige) Kompromisse an „normales“ Wohnen und wurden bald wieder entsorgt…

von links nach rechts: Ansatzweise kleiner Gefrierschrank, weißer Unterschrank mit handbetriebener Brotschneidemaschine. Ytonsteine und Holzbrett als Regal mit kleinem Radio darauf. Rechts in der Ecke eine Jaffa-Kiste mit alter Kaffeemühle. Im rechten Vordergrund: weißer Stuhl und ansatzweise erkennbarem Tisch auf dem eine rötliche Decke liegt.

 

Minimalistische Spurensuche – Rückblick: 80ger Jahre

Es war 1984. “George Orwell-Jahr” sozusagen, für mich fühlte es sich aber ganz anders an: Ich hatte eine Arbeitsstelle für 4 Monate in Dortmund bekommen. Da ich nicht genau wusste, was danach ist, habe ich erstmal 2 kleine möblierte Zimmer bezogen:

Wohnzimmer mit Schreibtisch, In der Küche stand ein Bett mit dreiteiliger Matratze (oder wars Schlafzimmer mit Küche??), Bad außerhalb auf dem Flur. – Irgendwann der Entschluss: ich bleibe in Dortmund, aber es sollte eine andere Wohnung sein, dreiteilige Matratzen und ein 2-Platten-Herd, bei dem eine Herdplatte defekt war, sowie eine Einrichtung, die zum Himmel schrie, sollte es dann doch nicht auf Dauer sein. Es folgte die erfolgreiche Wohnungsssuche. In diversen 2nd Hand-Geschäften kaufte ich einige Möbel (Bett, Tisch, Stühle, Herd, Kühlschrank) ließ sie mir liefern. Einen Kleiderschrank übernahm ich von der Vormieterin – Was dann folgte, war der schnellste und einfachste Umzug meines Lebens:

Ich hatte mir von einem Freund ein Auto geliehen – der Freund unterstützte mich noch tatkräftig:  Rückbank und Kofferraum vom Auto vollgeladen, alle persönlichen Besitztümer waren drin – damit in die neue Wohnung, auspacken, fertig.

Übrigens:  Mit dem gezielten Wunsch nach Minimalismus hatte das nichts zutun. Dieser Begriff existierte in meinem Vokabular noch nicht. Ich war Berufsanfängerin mit kleinem Gehalt und hatte selbst in meinen kühnsten Träumen nicht die Idee, mir Geld zu leihen, um neue, schicke Möbel zu kaufen. Irgendwelche Sponsoren waren auch nicht da. Und – viel wichtiger: So war es auch viel spannender und aufregender: Sich nach und nach ein eigenes Leben aufzubauen, das erste Mal selbst tapezieren, zu improvisieren, bezahlbares Mobiliar zusammen zu suchen, Regal in der Straßenbahn zu transportieren und den Rest der Habseligkeiten innerhalb von rund 2 Stunden umziehen – das war klasse und fühlte sich einfach gut an.