Die Achtsamkeits-Treppe – die 6 Stufen des achtsamen Konsumierens

Was will und brauche ich wirklich? Gerade vor größeren Einkäufen, aber auch bei den täglichen kleinen „Konsumfallen“ stellt sich diese Frage. Um Fehlentscheidungen und später bereute Spontankäufe zu vermeiden, habe ich eine kleine Achtsamkeits-Treppe für das achtsame Konsumieren entwickelt – geeignet gerade mitten im Einkaufszentrum, vor dem nächsten unbedachten Klick im Internet-Shop.  Hierzu ein Link, um diese Achtsamkeits-Treppe (PDF-Datei) herunter laden zu können.

 

Bild von beschrifteten Stufen, angeordnet wie eine Treppe.

Link: Die Achtsamkeits-Treppe, PDF-Download

Anleitung: Insbesondere vor größeren Käufen, aber auch bei den täglichen kleinen „Konsumfallen“, können Sie diese Achtsamkeits-Treppe nutzen, um zu einer bewussten Entscheidung zu kommen und mögliche Fehlentscheidungen und Spontankäufe zu vermeiden.

 

 

 

 

 

Minimalismus und Finanzen – Ideen zur Vereinfachung

Wie minimalisiere ich den Aufwand für meine Finanzplanung und wie behalte ich trotzdem eine Übersicht?

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Ideen und Anregungen im Umgang mit Finanzen. Obwohl ich bereits seit den 90er-Jahren ein Haushaltsbuch führe, beschäftigt mich immer wieder die Frage, wie sich dieser ganze Bereich noch weiter vereinfachen und minimalisieren lässt. Mein Ziel: mit wenig Aufwand möglichst viel Überblick haben.

Bei allem, was ich an Ideen habe, ist mir natürlich klar: So, wie die persönliche und wirtschaftlich-finanzielle Situation bei jede/m anders sind, ist vermutlich auch der Bedarf nach Übersicht immer ein wenig anders. Daher gibt es wohl auch so viele unterschiedliche Arten und Weisen, die Übersicht über die eigene persönliche Finanzplanung zu behalten. Hier meine Erfahrungen und Optimierungen auf der Suche nach einer noch besseren und einfacheren minimalistischen Finanzplanung. Vielleicht ist ja auch die ein oder andere Anregungen dabei:

1. Bewährt: Haushaltsbuch – die Jahresübersicht

Bewährt hat sich meine Tabellenkalkulation, mit der ich eine Ein- und Ausgabenübersicht für das ganze Jahr erstelle. Von Januar bis Dezember sind dort neben den Einnahmen, auch alle anstehenden, festen Ausgaben (Miete, Versicherungen, etc.) aufgelistet. Auf diese Weise sehe ich, wieviel Geld ich dann noch für die weiteren, sog. beweglichen monatlichen Ausgaben zur Verfügung habe. Durch eine solche Tabellenübersicht entsteht zusätzlich schnell auch Klarheit, wo sich evtl. unnötige Ausgaben ansammeln. Beispielsweise, irgendwelche Abo’s, zu teuere Versicherungen, etc. etc.
Ich habe mich nach einigem Ausprobieren gegen die Verwendung von diversen Apps bzw. Computersoftware und für eine einfache Tabelle entschieden. Fertige Apps haben in der Regel bereits Vorgaben, Einteilungen, ich muss diese – sofern möglich – erst ändern, im ungünstigsten Fall die Software überhaupt erst kaufen. Ich hatte schlichtweg keine Lust, mich damit intensiv zu befassen. Letztlich erfüllt eine simple Tabellenkalkulation den gleichen Zweck für mich und ich kann dort alles Überflüssige gleich weglassen. Genau genommen würde auch ein Notizbuch und Bleistift, sowie Kenntnisse in den Grundrechenarten ausreichen. Auf einem Blatt Papier bzw. in einer Tabelle werden die Monate von Januar bis Dezember notiert, dann die Einnahmen in den jeweiligen Monaten und danach alle festen, regelmäßig wiederkehrende Kosten. Das sind z.B. Miete, Versicherungen, usw.. Dann: Einnahmen – feste Ausgaben = verfügbares Guthaben für die beweglichen Kosten (also, die Ausgaben, die in unterschiedlicher Höhe anfallen, wie Lebensmittel, Freizeit, usw.).

2. Den Ausgaben – „Kleinkram“ vereinfachen

Ab und an habe ich dann auch immer wieder bei den sog. beweglichen, also veränderlichen Ausgaben wirklich auf den Cent genau hingeschaut und alles aufgeschrieben, was anstand. Dies ist jedoch recht mühsam, daher mache ich dies auch nicht regelmäßig. Im Laufe der Zeit haben sich aber Erfahrungswerte heraus gebildet. Nur, irgendwann stimmen die dann nicht mehr. Also habe ich überlegt, was ich tun kann und wie ich die Finanzen weiter vereinfachen kann:

Vereinfachungs-Idee: Budgets

Budget nach Art der Ausgaben:
Einige Ideen zur Vereinfachung und Übersicht fand ich bei Daniel Siewert von schlichtheit.com: Daniel hat vor einiger Zeit einmal ein E-Book geschrieben mit dem Titel „Finanzen für Minimalisten“ (die Neuauflage hier: Geld oder Leben?: Ein alternativer Umgang mit Geld, nicht nur für Minimalisten). Hilfreich fand ich dort die Idee insbesondere, ein Budget für die täglichen kleineren Barausgaben zu nutzen. Ob ich dafür eine extra Geldbörse nutze oder mir die Kosten in einen Notizblock oder ein Smartphone-App notiere, ist eine Sache des persönlichen Geschmacks.

Budget nach Prozenten und Art der Ausgaben:
Ähnliches habe ich in dem Buch v. Leo Babauta/Sina Jasur „Mehr Geld. Eine praktische Anleitung für den Alltag“ gefunden. Auch dort fand ich diese folgende Idee der Budgets wieder, z.B. die 60-10-10-10-10 – Regel:
60%   für alle monatlichen Kosten für Wohnen, Essen, Internet, Versicherungen, usw. usw.
10%   Rücklage für Vorsorge – Rente
10%   langfristiger Sparplan (oder Schuldenabbau)
10%   kurzfristige Rücklagen (für Reparaturen, Instandhaltung, Auto-Inspektion etc.)
10%   Spaßgeld, „was immer du willst“

Das Haushalts-Girokonto – (eine Idee vorrangig für Familien, Paare und WG’s):
Wer nicht alleine wohnt, kann neben dem eigenen normalen Girokonto, ein weiteres (kostenloses) Girokonto auf Guthabenbasis für den Haushalt anlegen. Also für all die Kosten, die gemeinsam entstehen und getragen werden. Das kann die Miete, Energie, Internet, Rundfunkgebühr sein, evtl. auch gemeinsam gekaufte Lebensmittel, usw.. Dort wird dann regelmäßig eine feste Summe überwiesen, von der diese Kosten dann bezahlt werden. Sinnvollerweise sollte auch hierfür eine Haushaltsbuch bestehen.

Budget nach Art und Zeitpunkt der Ausgaben:
Praktikabel und übersichtlich für mich ist es, nach Ausgabengruppen und der Zeit zu schauen, wann ich was ausgebe bzw. wann etwas vom Konto gebucht wird. Dadurch habe ich im Wesentlichen nur drei 3 Budget-Gruppen:

  1. Budget für Ausgaben am Monatsende: (bei Eintreffen des Gehaltes):
    Überweisung Haushaltsgeld. Ich hebe für mich das persönliche Taschengeld für den nächsten Monat von der Bank ab. Dieses persönliche Taschengeld halte ich dann in der Regel nicht in einem Haushaltsbuch fest. Ich gönne mir hier, einfach damit auszukommen – egal für was, Hauptsache, es passt bis zum Monatsende. Es ist das, was Leo Babauta „Spaßgeld“ nennt (ein klasse Begriff).
  2. Budget für regelmäßige Ausgaben im Monatsverlauf: Bei mir sind dies derzeit nur 2 Abbuchungen zum 1. jeden Monats: das ÖPNV-Ticket, sowie eine Spende für mein-grundeinkommen.de
  3. Budget für wechselnde Ausgaben im Monatsverlauf : Dies sind Kosten, die in unterschiedlicher oder gleicher Höhe und zu wechselnden Zeitpunkten im Monatsverlauf anstehen, wie z.B. evtl. weitere Fahrkarten, Kosten für Gesundheit, persönliche Anschaffungen oder die Prepaid-Aufladung fürs Handy.

Die Budgethöhe habe ich nach meinen durchschnittlichem Erfahrungswert gewählt. Bleibt am Monatsende dann noch Geld übrig, nutze ich dies, um z.B. meine Prepaidkarte fürs Handy genau zu diesem Zeitpunkt aufzuladen (was mein Budget der nächsten Monate entlastet) oder das übrig gebliebene Geld wandert aufs Tagesgeldkonto als kurzfristige Rücklage, für Ausgaben, die evtl. oder auch konkret absehbar in den nächsten Wochen oder Monaten anstehen.

3. Übersicht behalten

Natürlich gibt es ganz unterschiedliche Wege, die Übersicht zu behalten. Ich bevorzuge es, immer die jeweils einfachste Lösung für mich heraus zu finden. Am einfachsten ist es für mich, wenn ich Taschengeld bar ausgebe, die anderen Kosten erfolgen ohnehin in der Regel per Überweisung, in Einzelfällen auch mit Kartenzahlung. Diese Ausgaben sind auf dem Girokonto als Ausgabenposten zu sehen, so dass ich sie nicht kleinlich in einem Notizbuch oder Smartphone-App erfassen muss.

4. Vorteile für mich:

  • Ich habe eine schnellere Übersicht, indem es eigentlich nur 3 Budget-Gruppen sind und ich nicht eine lange Liste unterschiedlichster Einzeldinge erfassen muss.
  • Dadurch, dass ich Taschengeld wirklich nur als Taschengeld nutze, verhindere ich, dass ich in schleichende Ausgaben hinein gerate, mir andererseits aber auch spontan etwas gönnen kann – Spaßgeld halt.
  • Hier ein T-Shirt, dort ein Buch oder Smartphone-Zubehör – all das möchte ich nicht unüberlegt und spontan, sondern gezielt und bewusst überlegt. Solche Dinge habe ich daher in meine Budgetgruppe 2 für wechselnde Ausgaben verschoben – was bedeutet: Ich schaue erstmal zu Hause auf mein Konto, meine Haushaltstabelle und entscheide dann, welche Ausgaben ich wirklich will und brauche.

5. Meine Erfahrungen:

  • Was ich bereits jetzt deutlich spüre, ist eine deutliche Entlastung dadurch, dass ich jetzt noch schneller überblicke, in welchen Bereichen eigentlich das Geld so bleibt bzw. verschwindet.
  • Die 60-10-10-10-10 – Regel von Leo Babauta ist klasse, passt bei mir aber nicht.  Mein Anteil für die allgemeinen Ausgaben liegt bei einer eher sparsamen Lebensführung bei locker mindestens 80% – allerdings arbeite ich auch als Sozialpädagogin in Teilzeit.
  • Die finanziellen bzw. wirtschaftlichen Realitäten sind bei jede/m ein wenig anders. Auch bei mir ändert sich dies immer wieder. Das ist normal, nicht tragisch. Eine einfache Übersicht kann ich trotzdem haben.
  • Für Familien, Paare, WG’s ist ein gemeinsames Haushalts-Girokonto eine deutliche Entlastung, da alle gemeinsamen Kosten und wichtigen Kosten, wie Wohnen, Energie und Lebensmittel dort gebucht werden können. Die Übersicht über die restlichen persönlichen Kosten wird so nochmal deutlich einfacher.
  • Es lohnt sich, sich ab und an einfach mal intensiver Gedanken um die eigenen minimalistische Finanzgestaltung zu machen und anschließend in diesem Bereich weniger Arbeit und mehr Übersicht zu haben.

6. Weiterführende Links:

 

 

Minimalismus: Die 5 W-Fragen des achtsamen Konsumierens

Doch wieder neu gekauft…?

Wohnung, Kleiderschrank und den eigenen elektronischen Technikfuhrpark zu entrümpeln, kann sehr befreiend sein, aber wie schaffe ich es, mir im Laufe der Zeit nicht wieder alles mögliche Zeugs in die Wohnung zu stellen? Bei genauer Betrachtung nutze ich viele von diesen Dingen nach einer gewissen Zeit nicht mehr. Beim Minimalismus als Lebensstil ist das Entrümpeln ebenfalls nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, nicht wieder die eigenen, alten Kaufgewohnheiten zu verfallen. Aber das ist auch manchmal leichter gesagt, als getan. Manchmal sind es spontane Kaufimpulse, ein tolles Sonderangebot, Freunde oder Kollegen schwärmen von diesem oder jenem.

Von mir selbst kenne ich z.B. die Belohnungs- und Frustkäufe. Irgendwas war vielleicht schwierig, stressig, nervig und dann entdecke ich auf dem Nachhauseweg irgendwas, was mir Erleichterung verspricht. So war ich beispielsweise durch meine Schwerhörigkeit bedingt, eine zeitlang sehr anfällig für alles, was mir leichteres Hören versprach – ein anderer Kopfhörer, der keine Pieperei bei den Hörgeräten verursacht oder der einen vermeintlich besseren Klang hat oder ein anderes Handymodell oder sonstwas. Mir das Hören beim Telefonieren zu vereinfachen, macht natürlich Sinn, aber besonnener zu sein, mir mehr Zeit zu lassen, gleich in bessere Technik zu investieren, statt Fehlkäufe zu tätigen, wäre schon sinnvoller gewesen.

Inzwischen gelingt mir deutlich besser, wirklich bewusst zu überlegen – gerade auch dann, wenn es schwierig ist. Am oben genannten Beispiel meiner Schwerhörigkeit, geht das Konsumieren auch anders:

Akzeptanz, der nicht zu ändernden Umstände:

Ich muss mit Schwerhörigkeit nicht zwingend genauso viel verstehen, wie normal Hörende, d.h., es darf dann einfach auch mal eingeschränkt sein – wenn es halt so ist.

Alternativen suchen:

  • Ich erinnere mich gelegentlich daran, dass ich jahrzehntelang prima ohne Handy und mobiles Telefonieren klar gekommen bin. Auch bin ich damals nicht ständig in Telefonzellen gerannt.
  • Ich telefoniere möglichst wenig bis gar nicht unterwegs.
  • Wenn es sein muss, schreibe ich eine SMS oder wenn WLAN zur Verfügung steht, eine Chat-Nachricht

Was ist gerade mit mir los?

Durch Achtsamkeit im Alltag wird mir deutlicher, wann ich in der Gefahr bin, Frustkäufe zu tätigen und überlege mir dann, welche Möglichkeiten der aktuellen Frustbewältigung es noch gibt. So habe ich entdeckt, dass mein Nachteil der Schwerhörigkeit auch ein Vorteil ist. Denn ich kann Lärm „dimmen“: Ich schalte die Hörgeräte aus und nehme den Lärm sehr viel gedämpfter wahr – eine Wohltat! Oder einfach den Sonnenschein genießen oder den Feierabend, oder oder…

Kaufgewohnheiten ändern – die 5 W-Fragen

Gerade bei evtl. Spontankäufen, aber auch bei allen geplanten Anschaffungen finde ich die folgenden fünf W-Fragen von Friedhelm und Ruth Schwarz sehr hilfreich. Sie sorgen für ein kurzes Innehalten, gerade auch dann, wenn ich nicht nur über diese Fragen nachdenke, sondern mir auch Zeit nehme, einmal genauer in mich hineinzufühlen:

„Die folgenden fünf W-Fragen werden Ihnen dabei helfen, kostspielige Gewohnheiten zu identifizieren. Die Fragen lauten:

1. Warum will ich es?
2. Warum will ich es jetzt und nicht später?
3. Warum will ich es zu diesem Preis?
4. Warum will ich dies und nicht etwas anderes?
5. Was passiert, wenn ich es nicht bekomme?“

[Quelle: vgl.: Friedhelm und Ruth Schwarz, Warum am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. Kostspielige Denkfehler und wie man sie vermeidet. Ariston-Verlag, E-Book, Kapitel 4: Wie wir schlechte Gewohnheiten ändern können.]

Achtsamkeit: Mehr klare Gedanken und emotionale Kompetenz

Gerade in der Werbung werden seltener logische Argumente genannt, als viel mehr unsere Sinne, Wünsche, Träume und unterschiedlichste Begehrlichkeiten geweckt. Unabhängig davon, ob ich gerade viel oder wenig Geld zur Verfügung habe, denke ich, dass mehr Achtsamkeit beim Konsumieren eine gute Möglichkeit ist, nicht nur für eigene gedankliche Klarheit zu sorgen, sondern mit mehr emotionaler Kompetenz, sich für das zu entscheiden, was wirklich wichtig und sinnvoll ist – und nicht für das, was ich mir einreden lasse oder wo ich mir vielleicht sogar gerade selbst etwas vor mache.

 

Downshifting – 3 Schritte für mehr Lebensqualität

Höher werdender Arbeitsdruck einerseits, überhaupt eine Arbeitsstelle zu bekommen, drohende Arbeitslosigkeit, viele befristete Arbeitsstellen, flexibles Arbeiten, evtl. häufiger wechselnde Arbeitsorte. All das ist in der Regel heute Realität. Und auch wer selbständig ist, weiß letztlich nie, wann der nächste Auftrag kommt, ob das Geld zum Leben reichen wird.

Bei mir sind es jetzt über 33 Jahre, die ich berufstätig bin. Auch wenn ich zwischenzeitlich den Arbeitsplatz gewechselt habe, habe ich sogar den Luxus einer unbefristeten Stelle. Aber so luxeriös ist das auch nicht: Auch eine Angestellte weiß nie, wie lange der Betrieb existieren wird, Garantien gibts nicht.

Arbeits- und Existenzdruck: Verhaltens- und Reaktionsmuster 

Ich habe im KollegInnenkreis in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten viele unterschiedliche Reaktionen auf die zuvor beschriebene Unsicherheit erlebt. U.a. sah ich, wie sich einige Kolleginnen selbst stressten bis zur Stehkante, selbst als der zeitweilig in der finanziellen Krise befindliche Betrieb längst wieder stabil war. Überstunden bis zum Umfallen, soziale Akkord-Arbeit (sowas gibts) – aber keinesfalls auch nur ein bisschen Arbeitszeit reduzieren. Denn: Das Auto, der Urlaub, die große Wohnung, die luxeriösen Möbel – all das wollte schließlich finanziert sein. Ich habe etliche kollegiale Burn-Outs miterlebt, stand vor einigen Jahren selbst irgendwann zumindestens am Rand davon. Ich wurde zunehmend kraftloser, war irgendwann mehr mit dem Abhaken von abrechenbaren Zeiten, als mit der inhaltlichen Arbeit selbst beschäftigt. Und als Ausgleich konsumierte ich mehr: Ich hörte einige Monate lang auf dem Weg zur Arbeit fast immer Musik, kaufte Smartphone und Tablet, um mich auf der recht langen Fahrt zu beschäftigen – und mich auch auf diese Weise letztlich zuzudröhnen.

Wenn Arbeitsbedingungen nicht mehr passen

Wenn mir eins in den letzten 33 Jahren Berufstätigkeit deutlich geworden ist: So zu tun, als belastet mich Dauerstress und Sorge um Arbeitsplatz nicht, ist naiv.  Passen Arbeitsbedingungen nicht mehr, ist die Gefahr groß, dass sie krank machen  – egal wie stabil, engagiert und motiviert wir uns fühlen. Und oft kommt oft noch der unreflektierte Umgang mit Konsum und die Ansprüche an den eigenen materiellen Lebensstandard hinzu. Damit meine ich das, was genau genommen noch deutlich über unsere normale existenzielle Sicherung hinaus geht.  Erst als ich bei mir selbst bemerkte, dass Konsum als Ersatzhandlungen mir nicht mehr half, zu entspannen und „runter zu kommen“, suchte ich nach anderen Lösungen, reduzierte schrittweise meine Arbeitszeit und begann, mein Konsumverhalten der zurück liegenden Jahre nochmal zu hinterfragen. Was ich fand und noch immer finde, war vor allem eins: mehr Lebensqualität und mehr Lebenszufriedenheit.

 

Downshifting: Drei Schritte für mehr Lebensqualität

Sich von Berufsstress und den Belastungen des eigenen Lebensstils zu befreien, dabei haben mir die folgenden drei Schritte geholfen:

1) Mehr Unabhängigkeit durch Übersicht über die eigenen Finanzen

  • Welche Lebenshaltungskosten habe ich eigentlich? Mir hat – wie früher schon beschrieben – das Haushaltsbuch sehr geholfen. Dies ist super, um den Überblick zu behalten, wo das Geld eigentlich landet und um zu schauen, ob das wirklich immer so nötig ist. Ich habe vieles entdeckt, was nicht nötig war – und habe keinerlei wirkliche Einschränkungen dadurch!

 

2) Achtsamkeit: Genau hinspüren, hinschauen, was in mir und um mich herum passiert:

  • Wie ergeht es mir genau mit dieser Arbeit, mit dieser Arbeitsstelle, mit der Art, wie ich mit meiner Arbeit umgehe und meinen Arbeitsalltag gestalte?
  • Welche „Ersatzhandlungen“ habe ich um meinen Arbeitsstress auszugleichen und was kann mit statt dessen wirklich helfen?
  • Regelmäßige Zeiten für formale Meditations- und Achtsamkeitsübungen sind eine wichtige Unterstützung und Strukturierungshilfe, um wirklich dran zu bleiben, einen passenderen Lebensrhythmus zu finden und nicht wieder in den alten Verhaltens- und Reaktions- und Konsum-Muster zu verfallen.

 

3) Bewusstes Konsumieren:

Ob ich es als Minimalismus bezeichne oder reduziertes, bewusstes oder achtsames Konsumieren nenne: Es geht letztlich immer ums Gleiche:

  • Brauche ich dieses Dings wirklich – oder will ich es nur haben?
  • Welche Dinge sind wirklich von guter Qualität, so dass sie auch lange halten?
  • Belastet mich dieses Ding oder befreit es mich?
  • Welchen Anteil am Kauf haben Status, Trend, Mode…?
  • Will ich mich wegen größerer Anschaffungen und Investitionen wirklich mit jahrelangen Rückzahlungsverpflichtungen an Kreditinstitute belasten?
  • Gibt es eine Alternative zu dem, was ich anzuschaffen plane?

 

 

 

 

„Es klingt paradox, aber die Chance, eine positive Veränderung im persönlichen Arbeits- und Lebensstil herbeizuführen, liegt eben in der sich wandelnden Arbeitswelt, die Downshifting und damit einen anderen, vom Berufsstress befreiten Lebensstil für viele Menschen zu einer echten Alternative werden lässt. …  Erwarten Sie also besser keine bruchlose, strikt geradeaus gerichtete Karriere mehr, an deren Ende Ihnen Ihr Chef einen goldenen Füller überreicht und Sie in den wohlverdienten Ruhestand schickt. Stellen Sie sich stattdessen auf den Wandel und die neuen Bedingungen ein. Wenn Sie vorbereitet sind, kann Sie nichts überraschen. … Und wer den Wandel begriffen und sich auf mögliche Veränderungen eingestellt hat, kann von der neuen Arbeitswelt profitieren und wählt den günstigsten Zeitpunkt zum Downshifting selbst.“
Quelle: Hajo Neu, Weniger arbeiten, mehr leben, Campus-Verlag, E-Book, Kap.: Der arbeitende Mensch vor seiner größten Herausforderung

 

 

Arbeitszeit ist Lebenszeit – der Realstundenlohn-Rechner

Arbeitszeit ist Lebenszeit, Lebenszeit steht aber nicht unbegrenzt zur Verfügung. Nicht nur für Minimalisten ist daher interessant: Welchen zeitlichen und finanziellen Gesamtaufwand muss ich eigentlich betreiben, um meiner beruflichen Tätigkeit nachzugehen und die (wirklich nötige?) Menge an Geld zu verdienen?

Es geht mir hier nicht darum, nur einseitig nach finanziellen Aspekten zu schauen – nach dem Motto: wenn ich nicht viel Geld bekomme, lohnt die Arbeit nicht. Geht es mir mit meinem Beruf gut, fühle ich mich wohl, habe ich genug zum Leben: Dann ist es ok so – egal, wie hoch der Realstundenlohn im Einzelnen ist. Aber es gibt Situationen, wo man sich fragen sollte: Lohnt sich das? Geht’s mir überhaupt gut? Gibt’s Alternativen?
Außerdem (ebf. sehr wichtig): Wie lange muss ich denn eigentlich arbeiten, bis ich mir dieses oder jenes Produkt kaufen kann? Ist das Produkt es mir persönlich wert? Ist es so wichtig? Aber auch da geht’s nicht einfach um billig. Ich gebe z.B. durchaus gerne mehr Geld aus, wenn ich weiß: Ein Produkt hält, ist hochwertig, vielleicht im Idealfall sogar fair produziert, etc.  

Zeitlicher und finanzieller Gesamtaufwand

Wieviel Zeit insgesamt investiere ich? Also, bei der klassischen Angestelltentätigkeit: die reine, vertraglich vereinbarte Arbeitszeit, plus die nicht gezahlten Zeiten, also Pausen und Fahrzeit. Einfach gesagt, der Aufwand, vom morgendlichen Losfahren bis zum abendlichen Heimkehren.
Dann ist noch die Frage, wieviele zusätzliche Kosten ich durch meine Tätigkeit habe, die ich ohne die berufliche Tätigkeit nicht hätte? Das kann z.B., das Essen in der Kantine sein, die Kaffee’s zwischendurch, Geld für die Geburtstagskasse der KollegInnen, die Fahrkarte, besondere Kleiderordnung, usw..
Und wenn ich dann alles mal miteinander verrechne, wieviel realer Stundenlohn (nicht zu verwechseln mit vertraglich vereinbarter Arbeitszeit und Gehalt) ergibt dies eigentlich?

Ich habe zum Berechnen des Realstundenlohns mal eine kleine Tabellenkalkulation erstellt, mit der sich dies recht einfach ausrechnen lässt. Diese Tabelle ist eher etwas für die Angestelltentätigkeit, aber mit ein wenig eigener Statistik und Anpassung evtl. ja vielleicht auch für die selbständige Tätigkeit geeignet bzw. erweiterbar. Die Tabellenvorlage ist für Libreoffice/Openoffice und Excel kostenlos hier erhältlich:
Download Realstundenlohn-Rechner Libreoffice odt
Download Realstundenlohn-Rechner Excel xls

Vorteil: Die Frage nach dem Gesamtaufwand ist natürlich erstmal generell interessant. Insbesondere natürlich bei der Frage, ob es denn die Sache für mich wert ist, ob sich ggf. etwas verändern lässt oder ob ich wirklich der richtigen Arbeit nach gehe?  Es geht nicht einfach nur um viel oder wenig arbeiten, wenige oder viele Produkte, teure oder billige, sondern aus einer klaren und reflektierten Sicht heraus, bewusste Entscheidungen zu treffen. Idealerweise ohne sich unbewusst von Werbung, Moden, Trends, Meinungen und persönlichen Gewohnheiten beeinflussen zu lassen.

Achtsames Konsumieren dank Realstundenlohn-Rechner

Es ist äußerst praktisch und hilfreich, sich vor jeder Anschaffung mal die Frage zu stellen, wieviel Arbeits- und Lebenszeit ich für die Anschaffung dieses Produktes bereits investiert habe. Wenn ich weiß, dass z.B. der Discounter-Laptop oder die Küchenmaschine ein Schnäppchen ist, aber vermutlich nicht so lange halten wird: Will ich den dann wirklich haben? Wenn ja: Warum eigentlich? Ist mir dieses Gerät meine Zeit und mein Geld wert? Wieviel Lebenszeit habe ich verbracht, um mir dieses (möglicherweise nicht ganz so haltbare) Schnäppchen zu kaufen? Und wie sehr wird es mich ärgern, wenn dieser Laptop bzw. die Küchenmaschine möglicherweise direkt nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistungsfrist kaputt geht und nicht mehr repariert werden kann? Solche Fragen lassen sich eigentlich mit nahezu allen Produkten stellen.  Meine Erfahrung ist, dass ich mit genau solchen Fragen, sehr viel klarer, besser und insbesondere zufriedener entscheide.

Ergänzender Tipp – das Haushaltsbuch

Zum Realstundenlohn-Rechner passt übrigens ergänzend auch noch gut das Haushaltsbuch (ebf. für Excel und LibreOffice erhältlich).
Download Haushaltsbuch Libreoffice ods
Download Haushaltsbuch Excel xls
In das Haushaltsbuch lässt eintragen, welche Ein- und Ausnahmen im Laufe des Jahres entstehen. Selbst wenn dort nur die Festkosten (also die regelmäßig wiederkehrenden Abzüge) eingetragen werden, wie Miete, Strom, Fahrtkosten etc.) lassen sich auf diese Weise bereits Einsparpotentiale rausfiltern.

Meine persönlichen Erfahrungen

Ich habe das Berechnen meines Realstundenlohns vor längerer Zeit auch selbst vorgenommen. Ich hatte damals noch recht lange Fahrzeiten, entsprechend auch hohe Fahrtkosten, plus dadurch bedingte Frustkäufe und kam dann (Frustkäufe nicht mitgerechnet!) auf einen realen Stundenlohn von nicht einmal 6€. Und das mit 1 Ausbildung, 1 Studienabschluss und diversen Zusatzqualifizierungen (die ebf. viel Zeit und Geld gekostet haben). Dadurch wurde mir schlagartig klar, dass bei der beruflichen Belastung, die ich dann noch hatte, alles nicht mehr zusammen passte. Ich arbeite jetzt inhaltlich letztlich das Gleiche, habe aber weniger Zeitaufwand und insb. bessere Arbeitsbedingungen. Für mich war diese Berechnung außerdem noch einmal eine Bestätigung, dass ich nicht mehr bereit bin, für irgendeinen Konsumschnickschnack mehr auszugeben, als wirklich nötig. Ich möchte das verdiente Geld sinnvoll ausgeben, nicht für unnötigen Krams, mit dem ich eher das Wohlergehen der Produzenten fördere. Letztlich war es mir auch hier wichtig „aus dem Autopiloten“ (Zit. v. Jon Kabat Zinn) auszusteigen. Nicht einfach gewohnheitsmäßig arbeiten, kaufen, arbeiten, sondern einfach mal genau hinzuschauen, wie die persönliche aktuelle Situation ist und welche Konsequenzen ich für mich daraus ziehe.

 

Der Nicht-Einkaufsberater – Tipps gegen den Krempelerwerb

Nachdem wir gestern erst wieder Zeugs geschleppt haben und es auch immer noch einiges zu entsorgen gibt, wurde es mir wieder bewusst: Ein Zimmer, eine Wohnung zu entrümpeln und Krempel loszuwerden, ist zwar sehr befreiend, kann aber auch sehr mühsam sein. (Wir waren hinterher „platt“ bis zum Anschlag). Schon aus diesem Grund alleine macht es wenig Sinn, sich anschließend die Wohnung wieder mit Zeugs vollzustellen. Darüber hinaus ist es natürlich auch sehr viel nachhaltiger, Dinge, die wir nicht wirklich brauchen, erst gar nicht zu kaufen. Und dass man sowohl Zeit als auch Geld spart, ist auch klar.
Doch die Verführung ist groß, überall Angebote, Werbung, Schnäppchen. Ob ich nicht doch dies, das oder jenes brauche – ist ja jetzt wieder schön Platz im Regal….? Und ist das neue Handy oder der neue Computer nicht vielleicht doch viel besser als meine Geräte…? Haben die KollegInnen/FreundInnen nicht viel schickere Kleidung als ich…? Und ausgerechnet jetzt sind die preisreduzierte Angebote: 3 Teile für den Preis von 2 – aber brauche ich überhaupt ein einziges von diesen Teilen…?

Richard Witthüser und Bernd Klapproth haben in ihrem Buch „Die Wohnungsdiät – Endlich Platz für mich“ einen Nicht-Einkaufsberater erstellt.  Dieser ist eine Möglichkeit, wirklich vor dem Kauf nochmal genau hinzuschauen. Besonders hilfreich finde ich es, sich zusätzlich nochmal mit den Schwachstellen für den Krempelerwerb zu befassen. Nachfolgend einige Ausschnitte aus diesem Buch aus dem Kapitel 20 „Richtig einkaufen – Billiges Zeug ist uns zu teuer“:

 

„Nicht-Einkaufsberater

… Wir .. zeigen Ihnen mit unserem knappen »Nicht-Einkaufsberater«, den Sie ausschneiden und ins Portemonnaie stecken können, wie Sie als kleiner David die »Nein-danke-Waffe« scharf halten (zum Schrecken aller hauptberuflichen Goliaths). Die Fragen, die Sie im Nicht-Einkaufsberater lesen, helfen Ihnen, Krempel gar nicht erst zu kaufen.

Nicht-Einkaufsberater

  • Ist es genau das, was ich will?
  • Bringt es mir Freude oder Nutzen?
  • Was kostet es mich?
  • Gefällt es mir noch in einer Woche?
  • Wo kommt es hin?
  • Was kommt dafür weg?
  • Brauche ich das?
  • Unsicher? Darüber schlafen!

Eigene Schwachstellen erkennen

Jeder von uns hat Schwachstellen, an denen er sich leicht verführen lässt, Krempel zu kaufen. Ob es Schuhe, Bücher, Gläser, Kosmetik, Sportgeräte oder Dekosachen sind, beim Ausräumen werden Sie Ihre Schwachstellen sicher entdeckt haben. Das mit den Schwachstellen ist alles halb so schlimm, wenn man sie erkannt hat. Dann kann man solchen Situationen mit Humor begegnen. »Oh, ich bin gerade dabei, neue Kristallweingläser zu kaufen. Die werden sicher gut zu den 24 anderen passen.« Wenn Sie irgendwann den Grund für Ihre Schwachstelle herausfinden, dürfen Sie echt stolz auf sich sein.

Klassische Schwachstellen für Krempelerwerb

Klassiker für den Krempelerwerb sind:

  • Frustkäufe, um sich von Ärger abzulenken oder zu trösten.
  • Spontankäufe, weil man gerade in der Gegend ist.
  • Hungrige Supermarkteinkäufe. (Man wird vom Essen und nicht vom Kaufen satt.)
  • Käufe unter Zeitdruck, auf den letzten Drücker vor Ladenschluss.
  • Müde und unkonzentrierte Einkäufe.
  • Überredete Käufe und Käufe unter Druck. (»Das trägt man heute so und nach dem Waschen wird es prima sitzen.« »Sie sollten sich schnell entscheiden, weil das unser letztes Stück ist.«)
  • Einkäufe kurz vor Weihnachten.“

Richard Witthüser/Bernd Klapproth, Die Wohnungsdiät, Endlich Platz für mich. Nymphenburger-Verlag, E-Book, Kapitel 20: Richtig einkaufen – Billiges Zeug ist uns zu teuer.

Achtsam Konsumieren – die 9-Punkte-Liste

Achtsam konsumieren: Kaufen oder nicht?

Genau hinschauen, genau hinfühlen: Warum will ich dieses oder jenes Teil eigentlich kaufen? Die 9 Fragen von John Naish finde ich dazu eine hilfreiche Unterstützung und prima geeignet, um wirklich überlegt und bewusst zu kaufen bzw. nicht zu kaufen. Unüberlegte und aus falschen Motiven heraus getätigte Käufe können so verhindert werden.

Als eine ideale Ergänzung zu dieser 9-Punkte-Liste sehe ich es, Kaufwünsche erstmal auf eine 30-tägige Warteliste zu setzen und sich dann nochmal die folgende 9-Punkte-Liste vorzunehmen:


„Kaufen Sie es nicht (bevor Sie sich diese neun Fragen gestellt haben)

  1. Brauche ich es? Brauche ich es wirklich, oder will ich es nur haben?
  2. Gefällt mir dieses Ding oder vielmehr die Strategie, mit der dafür geworben wird?
  3. Will ich es haben, damit ich fitter, klüger, entspannter oder einfach cooler werde? Und wenn ja: Kann dieses Ding wirklich so ein Wunder vollbringen?
  4. Gibt es vielleicht einen anderen Weg, wie ich mein Ziel erreichen kann, ohne noch mehr Plunder anzuhäufen?
  5. Wie viele Überstunden muss ich machen, um mir dieses Teil leisten zu können? Was könnte ich sonst mit meiner Zeit anfangen, das mich mehr befriedigen würde?
  6. Besitze ich etwas, das ich durch diesen Gegenstand ersetzen möchte?
  7. Bin ich wirklich bereit, diesen Gegenstand abzustauben, zu reinigen, für seine Reparatur zu bezahlen oder ihn anderweitig zu pflegen?
  8. Falls ich durch den Kauf einen Gegenstand ersetze, den ich bereits habe, was stimmt dann mit dem alten nicht?
  9. Falls ich dieses Ding wirklich brauche, gibt es dann irgendeine Möglichkeit, es auf einer Geschenk-Site im Internet zu finden oder es von einem Freund, Nachbarn oder Verwandten zu leihen?“

Quelle: John Naish. „Genug.“ iBooks. https://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewBook?id=433159163

Minimalismus: den Konsum-Teufelskreis beenden

Die falschen Heilsversprechen unserer Konsumgesellschaft

Etwas, was mir immer wichtiger wird und für mich ein wesentliches Aspekt von Minimalismus ist: Mich nicht mehr einwickeln lassen in die diversen falschen Heilsversprechen, die unsere Konsum- und Leistungsgesellschaft zu bieten hat. Mit dem nächsten Smartphone, Laptop etc. wird’s nämlich nichts automatisch besser. Auch die Erholung hängt nicht alleine davon ab, ob die Anfahrt zum Urlaubsort möglichst weit und der Urlaubsort selbst dann möglichst exklusiv ist.

Und warum ist die Erholung so dringend nötig? Warum die vielen großen und kleinen Erleichterungen im Alltag, wie z.B.:

  • das Auto, um schnell und komfortabel zur Arbeit zu kommen
  • mittags regelmäßig ins Restaurant, damit wir nicht abends die knappe Zeit mit Kochen verbringen müssen
  • den exklusiven Urlaub, den wir ja so dringend nach dem Arbeitsstress brauchen
  • Und in der Freizeit dann endlich leben: ins Kino, ins Shoppingcenter, Party, Theater. Neues Auto aussuchen, neue Smartphones testen, neue schicke Kleidung kaufen, damit wir gut aussehen und gut da stehen: Damit wir dann in jedem Fall wiederum das Geld verdienen können, dass wir brauchen, um anschließend wieder die Kleidung, das Smartphone, das Auto etc. kaufen zu können, die wir für unsere Arbeit brauchen – usw. usw. usw. eine Endlosschleife, ein Teufelskreis.

Das bedeutet nichts anderes, als das wir möglichst viel arbeiten und möglichst viel Geld brauchen, damit wir mit genau diesem Geld die Erholung von dieser Arbeit kaufen können. Diese Erholung brauchen wir dann aber auch deshalb, weil wir vielleicht auch das richtige Maß verloren haben: das richtige Arbeitsmaß und das richtige Maß an Konsum.

Mein Arbeits- und Konsum-Teufelskreis

Und es ist nicht so, als würde ich diesen Teufelskreis nicht auch selbst kennen:
Es war im letzten Jahr vor der Euro-Einführung: In der Mittagspause kauften wir uns regelmäßig einen Salat (sehr lecker), den gab es ganz in der Nähe für 4,90DM. Ich aß ihn an 4 Tagen pro Woche, ergab bereits über 80 DM im Monat. Nicht gerechnet, hier und da einen Kaffee unterwegs, die Eisdiele im Sommer, das Brötchen vom Bäcker, usw..

Veränderungen

Das ist lange her und es hat sich vieles positiv verändert. Zum Glück. Aber neulich habe ich mal wieder einen Monat ganz pingelig aufgeschrieben, welche Essenskosten ich während meiner Arbeitszeit habe. Vorausgehend gesagt: Ich nehme mir in der Regel alles erdenkliche an Essen und Trinken mit. Trotzdem reichte es manchmal nicht. Manchmal hatte ich mich einfach verkalkuliert und zu wenig mitgenommen, manchmal kam es kurzfristig zu Überstunden – und so kam ich auf fast 40€ im Monat an zusätzlichen Essenskosten während der Arbeitszeit. Das löst kein Finanzdrama bei mir aus, aber erstaunt war ich dann schon, denn damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.
Es gibt auch andere Beispiele: Meine frühere Arbeitsstelle hatte einen recht weiten Anfahrtsweg. Die Bahnfahrt verschönerte ich mir, indem ich mir irgendwann ein Tablet mit mobilem Internet besorgte. So konnte ich im Internet surfen, lesen, Musik hören. Eigentlich war ich nach der Arbeit aber viel zu müde und noch zu überdreht dazu, so dass es irgendwann nur noch ein Zudröhnen war. Ich war mitten drin im Konsum-Arbeit-Teufelskreis: Ich kaufte etwas, damit ich mich von der Arbeit erholen konnte und damit ich mir das Kaufen überhaupt leisten konnte, muss ich arbeiten. Und ich brauchte lange Zeit, bis ich bemerkte, dass es so nicht mehr weiter ging.

Um es klar zu stellen: Ich habe nichts gegen Arbeiten, im Sinne eines gestaltenden Tätigsein, auch nicht zum Geld verdienen. Ich habe auch nicht grundsätzlich etwas gegen Kaufen, wenn es dann etwas ist, was ich auch wirklich brauche. Aber wenn Arbeiten und Konsumieren nicht nur zum Hamsterrad, sondern zum Teufelskreis geraten, zu einem Strudel, der mich unbemerkt abwärts zieht, dann schadet dies – dann ist das einfach Unsinn und es gibt kein Haus, kein Auto, keine Segeljacht und kein Smartphone, die dies rechtfertigen würden.

Ein einfacherer Lebensstil – minimalistischer und achtsamer Leben

Ein einfacherer Lebensstil, der minimalistischer und achtsamer ausgerichtet ist, ist dagegen eine Erholung, ein Aufatmen und immer wieder aufmerksam werden: Wo stehe ich denn gerade? Wie geht es mir? Brauche ich dies, das oder jenes wirklich? Muss ich mithalten im Konsumwettlauf, Freizeitaktionismus, dem tollsten Urlaub, den neuesten elektronischen Spielzeugen? Minimalistischer und achtsamer Leben bedeutet, dass Zeit, Lebensfreude, Kreativität und Energie freigesetzt werden können. Und um insbesondere auch die vielen schönen kostenlosen Dinge genießen zu können: Wohltuende zwischenmenschliche Begegnungen, der Sonnenstrahl am Morgen, ein vorbei springendes Eichhörnchen, das Rascheln der Blätter am Baum, den Boden unter meinen Füßen bewusst erleben. Sogar das Prasseln des Regens kann Musik sein, wenn ich meine Sinne dafür öffne. Und endlich wieder spüren: Ich atme, ich lebe!

 

 

20 Jahre Haushaltsbuch – ein Rückblick

Anregt durch die Bloggerinnen von www.nanamia.de und www.minimamuse.wordpress.com ist mir noch mal bewusst geworden, wie lange ich jetzt schon ein Haushaltsbuch führe und ich habe mich gefragt: Warum eigentlich?

Haushaltsbuch – der Anfang, 1995 

Angefangen hat es 1995. Ich hatte bereits 12 Jahre Vollzeit in meinem Erstberuf als Erzieherin gearbeitet, war Single und habe es dann gewagt: Studium. Ich war bereits 33 Jahre, erhielt aber zum Glück noch Bafög und hatte genau so viel Rücklagen zusammen gespart, wie ich als Bafög-Empfängerin haben durfte. Nach Abzug der auf das nötigste reduzierten Festkosten blieben noch 260 DM zum Leben – auch in den 90er Jahren zu wenig. Daher immer wieder Nebenjobs, dort kam das Geld aber unregelmäßig, mal viel, mal wenig, mal nichts. Das bedeutete: Ich musste genau überlegen, wieviel ich zum Leben brauchte. Wenn mehr Geld reinkam, dann bloß nicht einfach ausgeben, sondern aufteilen – dazu war Buchführung unerlässlich. Ich wäre sonst schlichtweg im Chaos gelandet.
Als das Studium zu Ende war, war es dann wieder eng: Ich brauchte einige Monate bis ich eine Festanstellung fand, hatte aber in dieser Zeit – aus welchen Gründen auch immer – noch Anspruch auf Arbeitslosenhilfe, plus meine Nebenjobs –  war also auch wieder eng. Und deshalb führte ich das Haushaltsbuch weiter.

1998 – die erste Vollzeitstelle 

Dann 1998: Stelle gefunden, aber Bezahlung trotz Vollzeit nicht so genial. Und: Ich wusste, die Bafög-Rückzahlung kommt irgendwann. Deshalb: Haushaltsbuch weiterführen und Geld zusammen gespart. Das Bafög konnte ich dann in einer Gesamtzahlung zurück bezahlen und war diese Belastung los.

Da die damalige Arbeitstelle absehbar keine Dauerstelle werden würde, musste ich weiter nach einem neuen Job suchen und ich ahnte bereits: In meinem Beruf als Sozialpädagogin werde ich vermutlich erstmal nicht um ein Auto drum rum kommen. So ein Auto muss aber erstmal gekauft werden – also weiter Haushaltsbuch, damit es mit den nötigen Rücklagen dafür klappt.
Als ich die Stelle gefunden hatte, brauchte ich tatsächlich ein Auto und hatte dann das Geld für einen kleinen Gebrauchtwagen zusammen. Mir war klar, dass diese kleine Gebrauchtkiste nicht ewig hält, also wieder Rücklagen bilden und deshalb weiter Haushaltsbuch.

2001 – Konsumverführungen …

Ich hatte nun ein Sozialpädagogen-angemessenes Gehalt (was ja so viel auch nicht ist…) und da fingen interessanterweise dann auch die Ausgaben an, mehr zu werden. Dank Haushaltsbuch hatte ich dann irgendwann die „Übeltäter“ erfasst: die technischen Schnickschnacks: Computer, Handy, Soundkarte für Computer etc. etc. – Als der Arbeitsstress deutlich zunahm, war mir klar: ok, soviel Arbeiten und Stressen für diesen Schnickschnack lohnt sich nicht. Dank meines Haushaltsbuchs wusste ich genau, wieviel Verbrauch ich hatte, was davon nötig war, was gekürzt oder optimiert werden kann und um wieviel Stunden ich meine Arbeitsstelle reduzieren konnte.

2015 – heute

Inzwischen ist es 2015, seit 20 Jahren gestalte ich mein Leben mit Haushaltsbuch. Ich glaube es selbst fast nicht. Anfangs auf Papier nach dem Muster vom Beratungsdienst der Sparkassen, jetzt seit langen Jahren mit einer Tabellenkalkulation. Insbesondere während des Studiums habe ich wirklich jede kleine Ausgabe erfasst. Jetzt sind es neben den Festkosten nur noch die wichtigsten beweglichen Ausgaben, mir reicht ansonsten ein ungefähres Budget und eine Zeile in der Tabelle, in der der jeweils aktuelle Kontostand steht (plus dem, was noch bis zum Monatsende an Ausgaben ansteht).

Blicke ich zurück, hat mir das Haushaltsbuch insbesondere bei folgenden Bereichen besonders geholfen:

  1. mir überhaupt noch mal den Luxus eines Studiums leisten zu können und beruflich umzusteigen
  2. Unabhängigkeit auch in finanziell engen Zeiten
  3. Ansparen statt Kredit aufnehmen oder lange Bafög zurück zu zahlen
  4. das eigene Konsumverhalten bewusster wahrzunehmen und zu überprüfen
  5. von Vollzeittätigkeit auf Teilzeitstelle umzusteigen
  6. beruflichen Stress zu reduzieren, indem ich wusste, wie ich von einem Teilzeitgehalt leben kann
  7. Und: Überblick und dadurch eine gewisse Gelassenheit und Sicherheit.

Zum Schluss noch einige Links zum Thema Haushaltsbuch:

 

Passives Einkommen – lebenswert? lohnenswert?

Zugegeben: das ist schon sehr verführerisch: passives Einkommen. Einmal etwas aufgebaut und eingestiehlt, fließt das Geld, ohne dass ich wirklich aktiv im Sinne von 1:1 etwas dafür tun muss. Oft genannt werden werden u.a. Einnahmen aus Internetwerbung oder auch aus Online- oder Emailkursen bzw. -coachings zur Persönlichkeitsentwicklung. Ist das Internet eine Geldmaschine? Ist es so einfach?

Ich sehe die Gefahr, dass es schnell um „alten Wein in neuen Schläuchen“ geht – also z.B. vorrangig um Maximierung: Möglichst viel Geld für möglichst wenig Arbeit – z.B. indem ich Geld mit Werbung verdiene? Mich ärgert die Internetwerbung, zum Kaufen veranlasst sie mich nicht. Außerdem: Noch mehr konsumieren??

Und: An wen gerate ich, wenn ich mich z.B. zu so einem Onlinekurs, zu einem Coaching anmelde, um z.B. für mich beruflich oder persönlich etwas zu verändern? Was ist das für ein Mensch, der dieses Angebot entwickelt hat? Auf welchen fachlichen Grundlagen fußt er bzw. sie seine Angebote? Welche menschlichen Werthaltungen stehen dahinter? Wie ist diese Person im zwischenmenschlichen Bereich „gestrickt“? Wie individuell auf die Lebenssituation der einzelnen Person zugeschnitten ist das, wenn einmal ein Selbstlern-Konzept erarbeitet wurde und dies dann in gleicher Form an alle möglichen Leute weitergegeben wird?

Neue Wege zu gehen – auch über das Internet – finde ich interessant, aber für mich ist nicht die Frage, wie ich möglichst wenig dafür tue, möglichst viel Geld zu haben. Ich finde es entscheidender, mich daran zu orientieren, wie ich mit mir selbst, mit anderen und mit den Ressourcen unserer Umwelt so umgehe, dass sich dadurch ein nachhaltiges und lebenswertes Miteinander entwickeln kann.