Mein Kleiderschrank – Minimalismus

Männer, Frauen und die Kleiderschränke

Noch immer scheint es eher ungewöhnlich zu sein, wenn es Frauen gibt, die keine ausladend großen Kleiderschränke mit zig Varianten von unterschiedlichster Kleidung haben.
In Ordnung scheint es dagegen zu sein, wenn solch berühmte Leute wie Steve Jobs, Mark Zuckerberg oder Barack Obama immer wieder das gleiche (nicht das selbe 😉 ) Outfit tragen.
Ansonsten scheint die Welt so aufgeteilt zu sein, dass es weitestgehend selbstverständlich ist, wenn Männer mit gleichförmigen Anzügen und Hemden daher kommen und maximal den Schlips variieren. Aber Frauen sollen sich abwechslungsreich kleiden, zumindestens fällt es auf, wenn sie es nicht tun. Doch: für wen und warum eigentlich?

Und Frauen? Warum erlebe ich es immer wieder so, dass es nicht selten sogar die Frauen selbst sind, die andere Frauen wegen ihrer Kleidung kritisieren: Farbe, Form, Stil, Mode?
Das erste Mal bewusst erlebte ich dies in den 80er und 90er Jahren in meinem Erstberuf als Erzieherin in Kindergärten bzw. Kindertagesstätten. Dort brachten natürlich auch modebewusste Mütter ihre Kinder hin. Und über die Kinder drangen dann auch die offensichtlich wichtigen Themen dieser Mütter an mein Ohr: Die Erzieherin der Gruppe (also ich) hätte ja immer die gleiche Kleidung an. Damals war ich nur verblüfft und reagierte lediglich, indem ich erklärte, dass sowohl die jeweiligen Jeans, als auch T-Shirts durchaus sehr unterschiedlich seien und auch variierten.

Heute würde ich anders reagieren. Beispielsweise mal fragen, ob erwartet wird, dass ich mich in Kostüm, Seidenstrumpfhose und Pumps mit den lieben Kleinen in den Sandkasten setze, über den Bauteppich rutsche, die Überschwemmung im Bad verhindere, die gefühlt 100. Kindernase putze, dem umfallenden Kakao ausweiche oder die Wasserfarb-Kunstwerke zum Trocknen in Sicherheit bringe?

Auch heute noch finde ich als Sozialpädagogin in der aufsuchenden Vor-Ort-Beratung, sehr unterschiedliche Bedingungen vor. Dort wo gerade bin, ist es manchmal sehr warm, mal rattenkalt, unterschiedliche Menschen, Situationen, Gewohnheiten, Regionen. Letztlich möchte ich dort nichts anderes, als mich auf meine Arbeit konzentrieren. Ich will mich nicht lange daran aufhalten, ob meine evtl. empfindliche Bekleidung verschmutzen könnte. Ich möchte auch nicht mit unnötigem Frieren oder Schwitzen beschäftigt sein. Ich gehe daher auch dort nach ganz praktischen Gesichtspunkten vor. Fühle ich mich wohl, gelingt die Arbeit besser.

Aber es sind eben nicht nur praktische Gesichtspunkte. Gewisse Vorstellungen und Vorlieben habe auch ich und keineswegs ist mir dieser Bereich gleichgültig. Aber genau dadurch finde ich oft nicht die passende Kleidung. Mich interessiert es zudem immer mehr, unter welchen Bedingungen die Bekleidung hergestellt wurde, ob Menschen oder Umwelt ausgebeutet wurde und von welcher Qualität das Kleidungsstück ist. Es gibt so endlose Mengen an Bekleidung, die im Müll landen, nie getragen wurden, von minderwertiger Qualität sind, dass ich keinen Sinn darin sehe, diesem Berg an Bekleidungsmüll noch etwas von mir hinzuzufügen.

 

Einengende Bedingungen durch die Vorgaben der Modeindustrie:

Kleidergrößen:
Es gibt viel Bekleidung. Gibt es diese für Männer offensichtlich in allen möglichen Varianten, Größen und Breiten, wird es abenteuerlich, wenn ich als Frau nicht in die Durchschnittsnorm passe. Ich habe z.B. recht lange Beine. Gehe ich in ein normales Geschäft, finde ich dort zwar jede Menge Hosen, aber auch die sogenannten langen Hosen (schon sehr viel seltener zu finden), sind in der Regel immer noch zu kurz. Es gab (internetlose) Jahre, wo ich aus Verzweiflung in der Männerabteilung fündig geworden bin. Da ich aber nunmal kein Mann bin, passten die Hosen dort zwar in der Länge, aber der Schnitt war mitunter grauselig.

Farben:
Ein weiteres Beispiel: Als Pippi Langstrumpf-Fan gefallen mir meine naturroten Haaren natürlich besonders gut. Aber manchmal ist es schon ein Drama dann auch was halbwegs passendes an Bekleidungsfarben zu finden – zumal auch meine Haut sehr hell ist und schwarze und weiße T-Shirts damit nicht so prickelnd aussehen und mir deshalb auch nicht gefallen. Noch weniger kann ich mich für rosa, pink und pastellfarbene Kleidung begeistern. Diese Bekleidungsfarben gefallen mir überhaupt nicht. Sie sehen auch meistens gruselig bei mir aus. Ich mag eher die natürlichen Farbtöne wie z.B. die Herbstfarben. Seit längerem hätte ich am liebsten alles in Grüntönen, aber die sind selten modern und so muss ich gezwungenermaßen oft auf irgendein langweiliges Allerweltsblau ausweichen.

 

Ohne minimalistische Garderobe hätte ich nur Frust

Selbst wenn ich mir einen megagroßen Kleiderschrank kaufen würde, wie sollte ich den überhaupt voll bekommen? Es gab viele Jahre, wo ich immer wieder mit 500DM oder 1000DM in die Stadt gegangen bin, mit dem festen Plan dieses Geld für Kleidung auszugeben. Ich bin fast immer unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurück gekehrt: zu klein, zu kurz, modisches Farbdesaster, Blümchen, Rüschchen, Glitzersteinchen – alles nicht meins, alles unpassend. Nix, null, niente, nothing. Leere Taschen, leere Schränke, immer noch volle Geldbörse. Nur 1 x ist es mir gelungen, wirklich meinen Kleiderschrank wieder halbwegs vernünftig voll zu bekommen. Davon habe ich Jahre gezehrt.

 

Meine persönlichen Bekleidungsperspektiven

Die oben beschriebenen Beispiele machen sicher deutlich, warum ich gerne eine minimalistischen Kleiderschrank habe. Alles andere ist gleichermaßen unpraktisch, wie stressig und letztlich unrealistisch. Es klappt ohnehin nicht.

Seit einigen Jahren habe ich immerhin einen deutschen Bekleidungshersteller gefunden, wo mir zumindestens die Oberteile (T-Shirts, Pullover) gut passen, die Qualität stimmt, es keine ausbeutenden Arbeitsbedingungen gibt. Leider gibts zurzeit auch dort nur begrenzt meine Lieblingsfarbe. Aber noch habe ich genügend Bekleidung im Schrank.

 

Meine minimalistische Garderoben-Zukunft wird darin liegen, dass ich auf Dauer ausschließlich auf T-Shirt, Langarmshirt und Jacke (z.B. Strickjacke, Sweatjacke), sowie Hosen (Jeans) umsteigen werde. Diese Kombination lässt sich je nach Temperatur leicht variieren, gefällt mir und ist praktisch. Und sobald bei den Oberteilen die richtige und passende Lieblingsfarbe dabei ist, werde ich dann mal – ganz unminimalistisch – in größeren Mengen shoppen gehen – endlich mal 🙂

 

Praktische Anregungen für mehr Minimalismus im Kleiderschrank:

Was wir nicht vergessen sollten: 
Jedes überflüssige Kleidungsstück lässt zwar zunächst das Glückshormon Dopamin kurzfristig in die Höhe schnellen, dies hält aber nicht lange an und langfristig verstopft es den Zugang zu unseren wirklichen Bedürfnissen.

 

Nachfolgend eine unvollständige Liste mit Anregungen, wie es auch weniger, fairer und nachhaltiger gehen kann:

Weniger – bewusster- reparieren – upcyceln:

 

Gebrauchte Kleidung:

  • Momox Fashion
  • Kleiderkorb
  • Kleiderkreisel
  • Außerdem gibts die Möglichkeit, die üblichen Auktions- und Verkaufsportale im Internet zu durchstöbern.
  • Einfach mal auf die Suche in der eigenen persönlichen Umgebung begeben: 2nd Hand-Kaufhäuser, Flohmärkte, schwarzen Bretter, Giveboxen, Umsonstläden.
  • Kleidertauschpartys mit Freunde, Bekannten, Nachbarn veranstalten.

 

Neue, aber faire Kleidung

Diese Liste ist auch als PDF zum Download erhältlich: ? Minimalismus im Kleiderschrank – weniger, fairer, nachhaltiger

 

Update: Minimalismus im Kleiderschrank

Vor genau 1 Monat habe ich etwas Minimalismus und Kleidung geschrieben – auch welche Schwierigkeiten bzgl. Bekleidung ich u.a. wegen meiner langen Beine, sowie bei der Farbauswahl habe. Siehe: http://achtsame-lebenskunst.de/2016/06/09/mein-minimalismus-dilemma-im-kleiderschrank/. Herzlichen Dank nochmal für die vielen Tipps und Kommentare zu diesem Thema. Inzwischen habe ich einiges davon umgesetzt und wieder einmal festgestellt:

Warum Minimalismus im Kleiderschrank befreiend und hilfreich ist

– Kein Stress mit Farbauswahl:

Dies ist definitiv immer ein großer Stressfaktor für mich gewesen: Die farblichen Modewellen, insbesondere dann, wenn gerade mal wieder pink, orange, sowie generell pastellfarben modern sind. Es steht mir nicht, sieht wirklich nicht aus, ich fühle mich damit nicht wohl. Brauche ich in solchen Zeiten mal neue Kleidung, geraten Einkäufe zum Desaster. Nachdem ich beim Durchforsten meines Kleiderschrankes festgestellt habe, dass die meisten T-Shirts die beste Zeit hinter sich haben (das passiert halt auch bei den haltbaren T-Shirts, wenn sie entsprechend oft getragen wurden), habe ich mir jetzt einfach mal farbliche Langeweile gegönnt.

 

– Einfache Auswahl nach dem Zweck:

Schon länger verfahre ich so, dass ich bei der Bekleidung nach dem Zweck frage: Bin ich beruflich unterwegs, trage ich auch als Sozialpädagogin andere Kleidung, als wenn ich Zuhause gerade beim Hausputz bin oder mich abends auf dem Sofa herum lümmele. Beruflich brauche ich Kleidung, in der ich mich gut bewegen kann, die im Bedarfsfall auch etwas aushält, ich aber auch mal für offiziellere Termine, wie Besprechungen, Konferenzen etc. nutzen kann. So etwas wie Kostüm oder Bluse brauche ich aber definitiv nicht. Dann, wenn ich Zuhause bin und z.B. einfach mal den Haushalt erledige etc., trage ich gerne die Kleidung auf, die die beste Zeit definitiv hinter sich hat, aber zum Wegwerfen zu schade und für einige Zwecke dann doch noch nutzbar ist. Früher nannte man sowas „Sonntagskleidung“ und „Alltagskleidung “ – etwas altmodisch, funktioniert aber phantastisch.

 

– Keine morgendliche Zeitverschwendung vor dem Kleiderschrank:

Durch die reduzierten Farben, geht die morgendliche Auswahl noch schneller. Einmal in den Schrank greifen – fertig.

 

– Minimalistische Gleichberechtigung vor’m Kleiderschrank:

Das, was Männer gerne nutzen, Frauen sich aber nur sehr selten gönnen: Immer wieder Gleichartiges tragen zu können. Gerne werden da die prominenten Vertreter wie Steve Jobs, Marc Zuckerberg, Obama und Co. genannt. Bei Frauen ist dies Thema sehr viel seltener. Madita Kahl wird mit ihrer weißen Bluse erwähnt oder das Projekt daskleineblaue. Beides ist dann schon was ganz besonderes. Interessanterweise geht es bei Frauen sehr oft um Varianten, Abwechslung in der minimalistischen Garderobe, damit es bloß nicht einseitig wird. Genau dieses Thema der Varianten und Abwechslung höre ich bei den männlichen Vertretern dagegen selten oder nie. Die ziehen einfach ihre immer gleichen Klamotten an – Punkt. Natürlich: Es gibt auch Minimalistinnen, die einfach auf komplett auf schwarz umgestiegen sind, aber schwarz ist nicht meine Farbe, außerdem gerade bei heißem Wetter unkomfortabel. Was ich mir daher jetzt bewusster gönne, ist die farbliche Langeweile, sowie der bewusste mehrfache Kauf gleicher Teile. Irgendwelche Variationen, Alternativen nutze ich nur, wenn mir danach ist, aber mir ist halt nur selten danach.

 

– Geld gezielter einsetzen:

Entscheide ich mich für insgesamt weniger Kleidung, kann ich mich auch für bessere Qualität entscheiden, sowie für Kleidung, die möglichst nicht unter irgendwelchen ausbeuterischen Bedingungen hergestellt werden.

 

Mein minimalistischer Kleiderschrank zurzeit:

Hier die Auswahl der Kleidung für den Sommer, die ich u.a. vorrangig beruflich, aber auch in der Freizeit trage: 2 blaue (gleiche) Jeans, 2 halblangen dünnen Hosen in weiß und grün, 4 grüne, 2 graue und 2 blaufarbene T-Shirts. Da Minimalismus für mich Befreiung und kein Zwang ist, gönne ich mir aber durchaus noch 2 – 3 brauchbare andersfarbige T-Shirts (sind gerade in der Waschmaschine, daher auf diesem Foto nicht zu sehen). Es gibt für mich kein MUSS, sondern nur ein DARF.
Die T-Shirts sind in Deutschland gefertigt. Die Baumwolle dazu stammt aus Griechenland oder der Türkei, alle Bearbeitungsschritte danach erfolgen in Deutschland. Die Jeans sind nach Angaben des Herstellers in Europa gefertigt, künftig werde ich – bei weniger Zeitdruck – aber auch noch mehr regionalisieren, da es ja inzwischen auch in Deutschland genähte Jeans gibt.

 

 

 geöffneter 50 cm breiter Kleiderschrank Geöffnete Schublade mit T-Shirts

Minimalismus ist Luxus

Genau genommen ist diese minimalistische Auswahl immer noch sehr viel. Es gibt ja immer noch einige andere T-Shirts im Schrank, auch wenn diese so langsam in die Jahre kommen, außerdem 2 weiter Hosen, die ich tragen könnte (aber dafür nochmal etwas enger nähen müsste). In den 70er-Jahren wäre ich im Leben nie auf die Idee gekommen, eine solche Menge als minimalistisch zu bezeichnen. Das wäre bereits sehr viel gewesen. Außerdem frage mich, wieviel Menschen es wohl heute immer noch gibt, die mit einer solch luxeriösen Auswahl sehr glücklich wären, aber aufgrund ihrer desolaten Situation mit noch viel weniger auskommen müssen. Letztlich habe ich immer noch viel Kleidung, dazu qualitativ sehr gut und haltbar.

 

Ergänzende Infos:

In Deutschland gefertigte Kleidung:
Eine Hersteller-Übersicht: http://cobajo.de/bekleidung.html
außerdem gibt es noch: http://geniestreich-jeans.de/ und http://manomama.de 

Interessant finde ich auch diese kleine Blog-Serie von Trigema:
Wie wird Baumwolle hergestellt?
Unter welchen Bedingungen wird ein T-Shirt hergestellt?
Der Weg eines T-Shirts

 

Mein Minimalismus – Dilemma im Kleiderschrank

Gerade bin ich wieder an so einem Punkt bzw. Gedanken: Eigentlich müsste ich mal wieder Kleidung kaufen… Eigentlich…  Ich habe darauf nämlich so überhaupt keine Lust. Für mich ist es völlig unbegreiflich, warum manche Menschen daran Spaß haben. Ich finde es einfach nur nervtötend und schiebe dieses Thema gerne vor mir her. Vielleicht bin ich auch einfach immer ein wenig zu phantasielos gewesen.

Hosen

Der unangenehmste Punkt: Hosen kaufen. Ich habe nunmal lange Beine und so viele lange Größen gibts für Frauen nicht und wenn, dann sind diese langen Größen meistens auch gerade so, dass ich „Hochwasser“ habe. Im 2nd-Hand-Laden brauche ich gar nicht zu schauen. Die meisten Frauen haben wohl kürzere Beine als ich. Will ich dann auch noch eine Jeans, möglichst in Deutschland genäht, dann wird es fast abenteuerlich. Soll ich sie vielleicht doch im Internet bestellen? Das wird eine Tortour, bis ich eine passende habe oder ich müsste gleich mindestens 10 Stück bestellen und mindestens 9 Stück gehen zurück. Oder gibts Geschäfte in der Umgebung? Wenn ja, haben die eine Jeans, die MIR passt – ohne dass die Verkäuferin wieder still und heimlich eine Jeans aus der Männerabteilung holt? Naja, verdrängen wir das Hosen-Thema noch ein wenig …

 

T-Shirts und Pullover

Das geht besser. Mein Oberkörper ist im Vergleich zu den Beinen „normal“. Das erleichtert einiges. Ich kaufe seit einigen Jahren immer bei der gleichen Firma. In Deutschland produziert, gute Qualität (leider keine Hosen). Und wenn nicht im Internet gekauft, sondern vor Ort in einigen firmeneigenen Geschäften, auch bezahlbar. Aber da gibts jetzt auch mehr Modewellen und meine Lieblingsfarben (grün und weinrot) werden deutlich weniger. Blau und Marine ist wohl wieder in, außerdem viele Shirts mit Muster (ein Grusel für mich…). Sweatshirts habe ich zum Glück genug. T-Shirts können bei genauerer Betrachtung zum Glück warten: Eigentlich habe ich immer so geplant, dass ich ausreichend Bekleidung für 2 Wochen habe. Aber bei heißem Wetter und abendlich verschwitzten T-Shirts ist es Unsinn, diese dann so lange liegen zu lassen. Die werden sowieso spätestens am Wochenende gewaschen. Also reicht es ja aus, wenn die T-Shirts im Bedarfsfall 1 Woche lang reichen.

 

Immer das gleiche Outfit…?

Dann gibts ja diejenigen Leute, die immer das gleiche Outfit tragen. Ist ja auch wirklich super bequem, sich überhaupt keine Gedanken mehr um dieses Thema machen zu müssen. Üblicherweise wird da der ein oder andere – meist männliche – Prominente genannt. Für Steve Jobs Rollkragenpullover soll ja extra nochmal die Produktion angeworfen worden sein und er hat halt alle Pullover aufgekauft. Ok, ich bin nicht prominent, kein Mann und soviel Geld habe ich schonmal gar nicht. Und es dürfen bei mir dann durchaus auch mal 2 oder 3 verschiedene Farben sein. Aber diese Farben sind dann ja auch mal unmodern und dann wird’s irgendwann eng bis nervtötend. Pink, orange, knallrot, pastell, schwarz, weiß sind nämlich Farbentöne, die bei meiner Haar- und Hautfarbe einfach nur fürchterlich aussehen. Pink gefällt mir zudem mit Abstand am wenigsten.

 

Mein eigentliches Minimalismus-Dilemma

Ich bin erst im letzten Jahr überhaupt auf die Idee gekommen, einfach mal 2 grüne Sweatshirts mehr als nötig zu kaufen und mir diese einfach als Vorrat in den Schrank zu legen. Und das waren dann 2(!) Sweatshirts in 2 verschiedenen Grüntönen. Soviel ist das auch nicht. Auf die Idee, dass ich vielleicht einfach 7 gleiche T-Shirts auf einmal kaufen könnte, bin ich einfach nie gekommen. Bis jetzt, wo ich das hier so aufschreibe und mir klar wird, dass ich mir damit hätte viel nervtötende Shopperei ersparen können. Ich hatte einfach diese Idee noch nicht – zumindestens nicht für mich. Das ist mein eigentliches Dilemma. Vielleicht mache ich das demnächst doch mal und kaufe einfach mehrfach das gleiche T-Shirt. Aber das hat ja zum Glück noch Zeit…

Tja und über das Thema Hose muss ich nochmal ein wenig nachdenken. Auch über das Thema Hosen und Vorrat und dann ist Ruhe für ein paar Jahre. So ganz vorstellen kann ich mir das im Moment ehrlich gesagt noch nicht. Wobei Vorrat bei mir ja auch nicht bedeutet, dass ich gleich 10 Hosen kaufen würde (wäre ja auch ein wenig teuer). Die Hälfte reicht locker und mindestens 2 Hosen lägen vermutlich wirklich nur im Schrank. Denn eigentlich läuft die Waschmaschine ohnehin mindestens 1 x die Woche und mehr als eine Hose gleichzeitig trägt vermutlich nicht mal eine Shopping-Queen.

 

Aktion #Klamottenkur – Wieviel Zeug darf und muss es sein?

Aktion Klamottenkur

Wenn irgendwas in den letzten Jahren extrem ausgeufert ist, ist dies aus meiner Sicht u.a. die Anzahl von Kleidungsstücken im Kleiderschrank. Das viele von diesen Kleidungsstücken unfair produziert worden sind, oft durch Giftbrühen geschleust wurden, brauche ich kaum noch erwähnen. Die jährlich zur Fastenzeit stattfindende Aktion #Klamottenkur, die am 10.2.gestartet ist und bis zum 26.3. läuft, ist daher ein schöner Anlass, mal ein wenig genauer hinzuschauen und mitzumachen. 50 Teile für 7 Wochen – mit allem drum und dran.

Wie es bei mir aussieht:

Bei mir ist es eigentlich ohnehin nicht ganz so viel, was ich an Kleidung habe. Ich bin – mal die einzelnen Jahreszeiten betrachtet – eigentlich nahezu immer im Klamottenkur-Modus. Allerdings auch ein wenig unfreiwillig: Schuhe kaufen ist wegen meiner sehr schmalen Füße ein mittleres Desaster. Hosen zu finden, die für meine relativ langen Beine passen: Nervtötend. Meistens gefallen mir auch die aktuellen Modefarben nicht oder die Farben sehen bei meiner Haarfarbe einfach gruselig aus und was auch eine Rolle spielt:  Ich habe einfach keine Lust auf Shopping: zu voll, zu laut, zu hektisch. Sehe ich dann die viele Kleidung, entstehen inzwischen vor meinem inneren Auge auch die Bilder von ausgebeuteten Näherinnen –  und damit ist auch das letzte Restchen an Interesse verloren.  Mir fehlt dann auch einfach zusätzlich noch die „Mode-Antenne“.  Ich habe sie einfach nicht.
Bei Oberteilen (Jacken, Pullover, T-Shirt) ist es mir gelungen, in den letzten Jahren nach und nach auf in Deutschland fair produzierte Ware umzusteigen. Nichts läuft ein oder färbt aus und diese Teile halten und halten und halten … eine wahre Wonne.

Ich habe mal in den Kleiderschrank nachgeschaut, welche Oberteile ich so in den letzten Monaten wirklich getragen habe. Das Ergebnis auf dem Bild ist eigentlich ein bisschen geschönt, da ich die helle Jeans nur 1 x an hatte und ganz links 3 Teile sind eigentlich Sport- bzw. Wanderkleidung. 2 Anoraks, 2 Paar Schuhe, sowie Schal und Handschuhe fehlen auf dem Bild.

 

 

Ich scheine einen „3-er-Tick“ zu haben, was mir gerade erst beim Erstellen des Fotos aufgefallen ist. Eigentlich habe ich noch drei weitere Sweatshirts im Schrank, aber die habe ich sozusagen auf Vorrat gekauft, da meine Lieblingsfarben grün und weinrot unmodern geworden zu sein scheinen und nur noch wenig davon zu bekommen waren. Die Aktion Klamottenkur schlägt für dieses Jahr vor, zusätzlich aus den 50 Teilen noch 5 Outfits auszuwählen. Mal schauen, ob und was mir dazu einfällt…

Wieviel ist minimalistisch?

Eine kritischer Gedanke geht mir zum Thema Bekleidung immer wieder durch den Kopf: Sicherlich habe ich im Vergleich zu anderen Menschen einen eher minimalistischen Kleiderschrank. Aber diese minimalistische Ausstattung ist deutlich größer, als das, was ich früher als Jugendliche bzw. junge Erwachsene an Kleidung hatte (70er und Anfang der 80-er Jahre). Damals hatte ich überhaupt nicht das Gefühl, dass die Menge von 3 Hosen und ca. 5 Pullover für den Winter auch nur einen Ansatz minimalistisch sein könnte. Es war einfach „normal“. Als mein Bruder mal stolz erzählte, er habe 10 Hosen im Schrank, habe ich als durchaus an Kleidung interessierter Teenie gedacht „der spinnt“ – was will ein Mensch mit soviel Hosen? Ich wollte nur unbedingt eine Jeans haben, die hatte ich irgendwann und war glücklich. Schaue ich heute in meinen Schrank, befinden sich einschließlich 2 dünner Sommerhosen und 1 Wanderhose 9 Hosen, von denen ich dann faktisch aber immer nur 2 Hosen trage. Es ist halt alles sehr relativ und so minimalistisch bin ich also heute gar nicht.

#Klamottenkur als Alltagsachtsamkeits-Übung

Achtsamkeit beim Tragen von Kleidung: Es ist in jedem Fall spannend, mal genauer hinzuschauen und z.B. auszuprobieren, ob es nicht vielleicht doch mit weniger Kleidungsstücken geht. Ich finde, eine prima Übung zur Alltags-Achtsamkeit: 50 Teile auswählen (was sind eigentlich meine Lieblingsteile?) und dann mal genau hinschauen, hinfühlen, wahrnehmen: Wie geht es mir mit dieser Menge Kleidung? Was passiert in mir? Wie fühle ich mich? Ich werde in den nächsten Wochen mal etwas genauer hinschauen.

Hier gibts Infos zur Klamottenkur: