Meditation, Ideal und Realität – 10 Tipps, wenn es schwierig ist

Meditation als Ideal

Gebe ich den Begriff „Meditation“ mal in eine Bilder-Suchmaschine ein, dann entdecke ich dort vorrangig wunderschöne Landschaften, Sonnenauf- bzw. untergänge, kerzengrade Menschen im Lotussitz, mittendrin in diesen schönen Landschaften (siehe z.B. hier: https://www.ecosia.org/images?q=meditation )
Beim Begriff „Meditationsplatz“ tauchen in der Bildersuchmaschine dann viele Orte auf, die Ruhe, Harmonie ausstrahlen, meistens weiche und in schönes Licht getauchte Farben. (siehe z.B. hier: https://www.ecosia.org/images?q=Meditationsplatz&size=&aspect=&f=false ). Mir gefallen solche Bilder, sie strahlen viel Ruhe, Harmonie und oftmals auch Naturverbundenheit aus. Schon das Anschauen alleine macht Freude. Natürlich wäre es schön, die Meditation wäre dann bei mir genauso: kerzengerade im Lotussitz in einem wunderbaren Ambiente und ich bin selbstverständlich ebenso harmonisch und ruhig.

 

Meditation als Realität

Die Realität des Alltages ist oft ganz anders. Ich wohne beispielsweise im Ruhrgebiet. Hier habe ich schon mal keinen Sonnenaufgänge am Meer zur Verfügung. Palmen gibts schon mal gar nicht. Auch sitze ich höchst selten irgendwo alleine in der Natur, denn viele Millionen Menschen teilen sich hier eine begrenzte Menge Raum. Dass nicht immer idealtypisches Wetter ist, brauche ich – gerade zur Zeit – eigentlich nicht erwähnen.
Manchmal habe ich mich in einer Meditation aber trotzdem wunderbar ruhig gefühlt und dies natürlich sehr genossen. Aber machen kann ich eine solche innere Ruhe nicht. Meditation ist oft so alltäglich, unspektakulär – zumindestens bei mir. Denn in der Meditation habe ich nun mal mit mir und meinen ganz persönlichen, aktuellen und ganz alltäglichen Befindlichkeiten zutun – halt genau so, wie das Leben selbst auch ist und ich dies erlebe.

 

Meditation und Selbstfürsorge

Natürlich bin ich selbst auch innerlich manchmal sehr weit weg von irgendwelchen Meditations-Idealen. Entweder zwickt und zwackt es irgendwo im Körper, es mir gehen 1000 Dinge durch den Kopf oder ich bin überdreht und verspannt. Der häufig zu lesende Tipp, möglichst immer den gleichen Meditationsort zu wählen, funktioniert bei mir ebenso wenig, wie immer die gleiche Meditationshaltung zu wählen. Gerade in Phasen, wo ich festzustecke und wie erstarrt bin, helfen mir Varianten sehr viel mehr. Einfach mal den Ort ändern, die Haltung, die Zeit – das lockert meine Festgefahrenheit wieder. Manchmal habe ich längere Zeiten im Liegen meditiert oder häufiger Geh- und Sitzmeditation abgewechselt, mal mit und mal ohne CD-Anleitung geübt. Mir ist deutlich geworden, dass es besser ist, selbstfürsorglich darauf zu achten, was ich brauche, als das ich resigniere oder mir an irgendwelchen Meditations-Idealen die „Zähne ausbeiße“. Sind die schwierigen Phasen mal länger als gedacht, dann sind sie einfach da. Vielleicht gelingt es mir, sie zu begrüßen, achtsam wahrzunehmen, wieder zu verabschieden und zur Beobachtung meines Atems zurück zu kehren. Denn solche Phasen bleiben ja nicht für immer. Sie kommen und gehen ebenso, wie die Nacht vom Tag abgelöst wird oder das Einatmen vom Ausatmen.

Meditation, wenn es schwierig ist – 10 Tipps:

Gerade dann, wenn es schwierig ist, wenn das Kopfkino einen Film nach dem anderen dreht, körperliche Beschwerden überhand nehmen oder es sonstige Gründe gibt, warum das Meditieren schwierig bis unmöglich erscheint, hat sich nach meiner Erfahrung folgendes bewährt:

  1. Beständigkeit, Ausdauer
    Trotz allem versuchen, dran zu bleiben – und sei es nur 2 Minuten morgens auf der Bettkante oder nur 10 Atemzüge lang. 
  2. Gemeinsam meditieren
    In einer Gruppe zu üben, ist eine völlig andere Erfahrung und sehr wohltuend und hilfreicher, als „nur“ alleine Zuhause zu üben.
  3. Anleitungen suchen
    Sehr hilfreich ist, an Einzel- oder Gruppenangeboten von meditationserfahrenen Menschen teilzunehmen. Dies bringt nochmal ganz neue Perspektiven, Motivationen und im Idealfall auch persönliche Tipps und individuelle Unterstützung, wenn es mal schwierig wird. Natürlich ist es hierbei völlig in Ordnung und wichtig, genau hinzuschauen, ob es auch zwischenmenschlich passt und die vermittelten Ansätze ins eigene Leben und zum eigenen Typ passen.
  4. Beständigkeit nicht Starre!
    Variationen suchen, wenn es „klemmt“: Gerade im MBSR (Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) gibt es vielfältige Achtsamkeitsübungen, die insbesondere Anfängern einen guten Einstieg ermöglichen: Sitzmeditation, Gehmeditation, achtsames Yoga, achtsames Essen, Alltags-Achtsamkeit – und selbst in der ZEN-Meditation mit den sehr klaren und festgelegten Haltungen und Strukturen, wechseln Sitz- und Gehmeditation ab.
  5. Meditation und Selbstfürsorge
    Es kann hilfreich sein, einmal zu versuchen, die Haltung, Tageszeit, Ort und Meditationsform bewusst zu verändern und dann schauen, wie sich dies anfühlt. Es kann sehr hilfreich sein, bewusst wahrzunehmen und auch auszuprobieren, ob ich beispielsweise besser morgens oder abends, in längeren oder kürzeren Intervallen meditiere und welchen Rahmen ich für mich brauche.
  6. Informieren und Erfahrungen sammeln:
    Nicht für jede/n passt alles gleich gut. Es haben sich im Laufe der Jahrtausende sehr unterschiedliche Meditations- und Achtsamkeitsformen und -ansätze entwickelt. Am besten vorher mal informieren, welche Übungsmöglichkeiten es in der Umgebung gibt, sich über die Meditationsansätze informieren und ausprobieren. Vielleicht passt aber auch die Achtsamkeit in der Bewegung sehr viel besser, als z.B. die Sitzmeditation.
  7. Meditation ist kein Heldentum.
    Auf besondere persönliche Einschränkungen unbedingt Rücksicht nehmen! Meditation ist kein Wettbewerb, es braucht keine heroisches Taten und Erfolge. Es gibt kein Siegertreppchen, keine Medaillen, keine ehrenhaften Auszeichnungen. 
  8. Ich muss Niemandem etwas beweisen
    – nicht mal mir selbst. 
  9. Weniger ist mehr – auch beim Meditieren.
    Gerade für Anfänger gilt: Besser langsam, allmählich und beständig – als schnell, viel, intensiv, aber unbeständig.
  10. Leistungsdenken gehört nicht zur Meditation
    Leistungsdenken darf – wann immer dies in der Meditation auftaucht – gerne auch wieder losgelassen werden. Selbst sehr erfahrene Meditierende kämen nie auf die Idee zu sagen: „Ich kann (besser) meditieren“. Sie sprechen eher davon, dass sie Meditation bereits einige Jahre länger üben.

–> Diese 10 Tipps sind auch als Download verfügbar: PDF-Download: Meditation – 10 Tipps, wenn es schwierig wird

 

–> Weiterführende Tipps:  Achtsamkeitsübungen

 

Achtsamkeit und Meditation – Tipps für Anfänger

Achtsamkeit – wer sich damit beschäftigen will, kommt vor allem um eins nicht drum rum: Achtsamkeit lebt vom eigenen Tun, die Wirksamkeit entfaltet sich erst durch Regelmäßigkeit. Achtsamkeit ist aber auch kein Leistungssport, d.h., es geht nicht um „möglichst viel“, sondern darum, das richtige Maß zu finden. Gerade für Anfänger ist es nicht einfach, dass richtige Maß zu finden. Ich habe daher nachfolgend einige Meditationstipps für Anfänger erstellt:

1. Achtsamkeit im Alltag

Achtsamkeit im Alltag wird den sogenannten informellen Achtsamkeitsübungen zu geordnet. Es gibt inzwischen viele Anregungen für mehr Achtsamkeit im Alltag. All diese sind sinnvoll und hilfreich. Ich empfehle jedem, diese informellen Achtsamkeitsübungen einmal auszuprobieren und sei es nur, z.B. mal das Smartphone regelmäßig und bewusst eine gewisse Zeit des Tages auszuschalten, z.B. 1 Woche lang grundsätzlich in der U-Bahn, im Zug, im Bus… und dann die eigene Reaktion zu beobachten: Wie fühle ich mich körperlich? Wie angespannt oder entspannt bin ich? Was sehe, höre ich? Was geschieht um mich herum? Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf? Was passiert ggf. in mir? All das wahrnehmen und versuchen, dies nicht zu werten.

Anregungen zur Achtsamkeit im Alltag (mit weiterführenden Links) hier: http://achtsame-lebenskunst.de/achtsamkeit-uebungen/
Maria vom Blog Widerstand ist Zweckmässig hat ein Jahresprojekt „Achtsam durch den Tag“ gestartet. Dort gibts im Jahresverlauf 2016 ebenfalls immer wieder Anregungen und Erfahrungen nachzulesen: https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/2016/01/07/achtsam-durch-den-tag-jahresprojekt/

2. Formale Achtsamkeitsübungen

Formale Achtsamkeitsübungen, also Sitz- und Gehmeditation, sowie im MBSR auch Bodyscan und achtsames Yoga wirken sich sehr wohltuend und hilfreich, auf die oben genannte Alltags-Achtsamkeit aus. 

Meine Tipps für die formelle Achtsamkeitsmeditation:

Wer zunächst selbst Zuhause Meditation ausprobieren möchte:

  • Langsam und in kleinen Schritten anfangen. Besser 5 Minuten täglich als 1 x in der Woche 2 Stunden.
  • Als Anfänger-Übung eignen sich insbesondere Übungen zur achtsamen Wahrnehmung des Körpers, wie dies beispielsweise im sog. Bodyscan geübt wird. Nutzen Sie dazu einer der Anleitungen. Eine Übersicht mit weiterführenden Links hier: http://achtsame-lebenskunst.de/achtsamkeit-uebungen/
  • Das achtsame Yoga des MBSR ist ebenfalls eine gute Körperwahrnehmungs-Übung. Gerade Menschen, die sich gerne bewegen und Schwierigkeiten damit haben, sich an längere Sitzmeditationen zu gewöhnen, können davon profitieren. Aber denken Sie dran: Achtsames Yoga unterscheidet sich von Sport zum Auspowern (das kann man bei Bedarf vorher oder hinter noch ergänzen).

Insbesondere am Anfang sind angeleitete Meditationen sehr hilfreich, denn dort erhält man Tipps und Anregungen, die beim Meditieren sehr hilfreich sind. Linda Lehrhaupt hat beispielsweise eine 10-minütige Sitzmeditation, die besonders am Anfang geeignet ist. Siehe hier: http://www.linda-lehrhaupt.com/begleitete-meditationen/sitzmeditation/ . Ansonsten habe ich auch unter dem bereits oben genannten Link eine Übersicht über Anleitungen zusammen gestellt: Achtsamkeitsuebungen/

3. Unterstützung und Anleitung suchen:

Diejenigen, die Meditation und Achtsamkeit über einen längeren Zeitraum ausprobieren wollen, empfehle ich, sich Gruppen, Kurse und Anleitungen zu suchen.

Zu beachten ist:

4. Retreats – mehrtägige Meditationen, Schweige-Meditationen:

Mehrtägige Meditationen, z.B. in Klöstern, Tagungshäusern, usw., sind in der Regel sehr intensive Erfahrungen – insbesondere dann, wenn diese in völligem Schweigen durchgeführt werden und ergänzender Austausch oder regelmäßig begleitende Beratung nur in geringem Umfang bzw. kaum möglich ist. Das bedeutet, Sie sind mit Ihren ersten Meditations-Erfahrungen in einem solchen Fall weitest gehend auf sich alleine gestellt. Bevor Sie also Ihre Urlaubstage investieren, empfehle ich, solche Kurse nur mit entsprechender längerer Vorerfahrung zu besuchen. Eine sinnvollere Alternative sehe ich darin, statt dessen zunächst einzelne Achtsamkeitstage zu besuchen (Ein Tag des gemeinsames Meditieren in einer Gruppe). Ein Achtsamkeitstag ist in der Regel auch Bestandteil eines MBSR-Kurses.
Zur Wirkung von langen, intensiven Retreats hier einige Informationen über Studien dazu:  http://www.achtsamleben.at/nebenwirkungen-von-achtsamkeit/

5. Meditation und Erkrankungen:

Psychische Erkrankungen: Insbesondere bei akuter Depression ist die formale Achtsamkeitspraxis nur bedingt bzw. gar nicht geeignet. Bitte unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt bzw. Psychotherapeut Rücksprache halten. Dies gilt natürlich auch bei allen anderen psychischen Erkrankungen bzw. besonderen psychischen Belastungen. Bei überstandener Depression gibt es statt des MBSR-, das MBCT-Programm. Mein Tipp: Achten Sie auf die Grundausbildung der MBSR-Kursleiter bzw. der MeditationslehrerInnen und sprechen Sie vorher ab, was möglich, sinnvoll und dann auch wirklich hilfreich für Sie ist. Achtsamkeit wird üblicherweise immer mit Sitzmeditation verbunden. Sie ist aus meiner Sicht auch sehr entscheidend und wichtig. Aber letztlich gibt es sehr unterschiedliche Formen von Achtsamkeitspraxis (z.B. auch bewegungsaktivere Achtsamkeitsübungen) und es ist sinnvoll, zu schauen, was genau hilfreich ist oder eben auch nicht.

Ergänzende Anmerkung vom 10.1.16 zum besseren Verständnis: Hier eine Erläuterung des Psychotherapeuten Gerhard Zarbock, die in einem Beitrag auf spiegel.de zitiert wurde:

„Achtsamkeitsübungen könnten für Menschen, die das erste Mal eine Depression erleiden, schädlich sein. „In der Behandlung ist es wichtig, die Patienten zu Bewegung und Unternehmungen zu motivieren. Achtsamkeit richtet jedoch den Blick nach innen, auf das körperliche und emotionale Befinden statt nach positiven Aktivitäten zu suchen. Das blockiert die Menschen zu handeln“, sagt der Psychologe und Psychotherapeut Gerhard Zarbock. 
Ist die Depression allerdings chronisch, könne Achtsamkeit hingegen sehr hilfreich sein. Patienten könnten dadurch frühzeitig erkennen, wenn sich wieder eine depressive Phase anschleicht und dann gegensteuern“.
(Quelle: http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/meditation-achtsamkeit-hat-nebenwirkungen-a-989682.html)

Andere Erkrankungen: Achten Sie auf Ihre Möglichkeiten und Grenzen, sprechen Sie ggf. vorher mit den KursleiterInnen. Es geht um Achtsamkeit, nicht um möglichst viel oder möglichst „normal“ zu erscheinen. Achten Sie darauf, ob es Möglichkeiten gibt, dass Sie bei einer Meditation auch eine andere Haltung einnehmen können, z.B. auf einem Hocker, Stuhl, wenn dies angenehmer für Sie ist. Die äußere Haltung soll eine Unterstützung für die innere Haltung sein und keine Quälerei. Es geht um Achtsamkeit und nicht darum, anderen oder sich selbst etwas zu beweisen.

Dieser Text ist auch als PDF-Datei zum Download erhältlich: Download PDF Achtsamkeit und Meditation für Anfänger

Buddhas Kaffeepause – oder: die Schokoladen-Meditation

Wer kennt das nicht: Stress, Belastung, tausend Dinge, die zu regeln und zu erledigen sind. Und dann ist endlich Pause. Endlich ein wenig abschalten und da eine Pause auch meistens eher kurz ist: Eben noch schnell einen Kaffee, nebenbei ins Smartphone schauen, eine Verabredung planen, telefonieren, unterhalten und irgendwas nebenbei essen. Leider ist dann die Gefahr groß, dass die Pause nicht wirklich eine Pause ist, sondern nur eine weitere Variante von Belastung, Automatismen, vielfältigen Ablenkungen und manchmal Überforderungen. Wie können wir Pausen wirklich genießen, wohltuend gestalten und Essen und Trinken zu einem wirklichen Erlebnis werden lassen? Achtsamkeit bietet auch hier vielfältige Möglichkeiten. Maren Schneider hat eine wunderbare Anregung: Buddhas Kaffeepause:

 

„Treten Sie einen Moment aus Ihrer Geschäftigkeit heraus, und geben Sie sich und Ihrem Geist wieder mehr Raum. Schalten Sie ganz bewusst für ein paar wenige Minuten vom Tun-Modus in den Sein-Modus. Machen Sie sich dazu eine leckere Tasse Kaffee (oder Tee), und zelebrieren Sie den Augenblick. Genießen Sie jeden Schluck Ihres Kaffees mit voller Aufmerksamkeit. Riechen Sie den Duft, der aufsteigt, spüren Sie die Wärme, die durch die Tassenwand dringt. Lassen Sie das Aroma Schluck für Schluck auf der Zunge zergehen. Spüren Sie, wie es Ihrem Körper geht, wie Sie sich fühlen. Und immer wenn Sie merken, dass Gedanken Sie ablenken, bringen Sie sich wieder zurück zu Ihrem Kaffee, zurück zur Wärme, zum Duft, zurück zu diesem Moment. Beenden Sie die Kaffee-Meditation mit Wertschätzung und Dankbarkeit für die Möglichkeit, dieses Getränk genießen zu können (bis der Kaffee in Ihre Tasse gelangt ist, hat er nämlich einen ziemlich langen und aufwendigen Weg hinter sich), und versuchen Sie, sich Ihre Aufmerksamkeit, Klarheit und Offenheit, die Sie beim Trinken hatten, so weit es geht für die kommenden Aufgaben zu bewahren.“ Quelle: Maren Schneider,  Entdecke den Buddha in dir!  Schwierige Situationen gelassen meistern. eBook-Ausgabe 2015, Knaur eBook

 

Also, wenn dann doch die Vorweihnachtsstress-Keule zuschlägt oder einfach, weil es schön ist: Einfach mal „Buddhas Kaffeepause“ einlegen. Das geht natürlich auch mit anderen Getränken oder Lebensmitteln, also vielleicht darf es auch eine Lebkuchen-, Gummibärchen-, Kuchen-, Bratapfel- oder Schokoladenpause sein. Bewusst genießen, erleben, wirklich nur beim Essen und Trinken sein, das kann – wirklich achtsam gestaltet  – eine regelrechte Geschmacksexplosion für die Sinne sein. Dies ist gleichermaßen anregend, wie erholsam.

Das zitierte Buch von Maren Schneider kann ich übrigens sehr empfehlen. Es enthält viele Anregungen zur Achtsamkeit.

Hier weitere Anregungen zu achtsamer Ernährung:

 

 

Mehr Lebensqualität durch Minimalismus – 5 Anregungen

Die Situation heute

Noch immer wird bei uns Motto hoch gehalten: „Mehr ist besser. Mehr kaufen, mehr genießen, mehr haben.“ Und stets wird uns eingeredet, dass dann auch nochmal irgendwas besser wird. Tatsächlich ist dies aber letztlich nur dann der Fall, wenn wirklich Mangel an den grundlegenden Dingen herrscht. Es gibt einfach materielle Bedürfnisse, die sind da – jede/r hat sie, denn jede/r benötigt z.B. Essen, Trinken, Wohnen, Kleidung. Fehlt es daran, ist es klar, dass dann mit der Verbesserung dieser materiellen Bedürfnisse auch eine Verbesserung der Lebensqualität verbunden ist. Was wir aber oft vorfinden ist ein Zuviel: zuviel Dinge, meterlange Regale mit Kosmetikartikeln, überfüllte Kleiderschränke, ständig immer noch größere TV-Bildschirme, Zeug wohin man sieht. Was ist daran noch Lebensqualität? Es ist ein vollgestopftes Leben, ein ständiges Suchen, Aufräumen, Säubern, ein- und ausräumen. Es ist wie beim Essen: Es kann noch so lecker sein, irgendwann ist man einfach satt, übersättigt.

Aktuelle Phantasielosigkeit in Unternehmen

Was wir aber in unserem gesellschaftlichen Umfeld erleben ist, dass diejenigen, deren materiellen Grundbedürfnisse längst gesättigt sind, immer noch umworben werden, noch mehr zu kaufen und zu konsumieren. Und die, die ohnehin viel haben, wollen oftmals noch mehr. Warum und wozu eigentlich? Ist das nicht sehr phantasielos? Unternehmen könnten sich ja ebenso auch auf diejenigen Menschen konzentrieren, denen materiellen Bedürfnisse noch lange nicht gedeckt sind, indem sie z.B. Menschen in sog. 3.Welt-Ländern mal endlich bessere Löhne zahlen. Oder wirkliche sinnvolle Alternativen für uns hier finden, z.B. mehr Serviceleistungen, hochwertigere Produkte, Upcycling – und muss ein Unternehmen immer endlos wachsen?

Was brauchen wir jetzt wirklich?

Was brauchen wir denn hier bei uns an Lebensqualität? Wenn wir mit unserem Überangebot an materiellem Lebensstandard keine wirkliche Verbesserung der Lebensqualität mehr erreichen können, unser Überkonsum längst dramatische Folgen für Klima, Resscourcen und Überleben hat – was ist jetzt tun oder auch zu lassen? Wie lässt sich mehr wirkliche Lebensqualität finden? Dazu nachfolgend einige Überlegungen:

1. Zeit / Muße

Unser Leben ist oftmals völlig durchgetaktet. Ich bemerke, dass es heute gar nicht mehr so einfach ist, sich einfach mal Zeit zu nehmen – ohne Plan, To-Do-Liste oder Zeitmanagement, ungeplant, einfach so.
Neulich viel es mir bei mir selbst auch wieder auf. Ich saß nichtstuend auf dem Sofa, einfach so, nichts planend, einfach nur da sitzend und dachte: „Stimmt, das habe ich früher öfter gemacht und es war wohltuend.“ Es gibt zudem noch viel mehr Möglichkeiten des vermeintlichen Nichts-Tuns: das Flackern der Kerze beobachten, den vorüberziehenden Wolken nachschauen, bei einem Spaziergang die Luft genießen (ohne gleich an Wellness, körperliche Fitness oder sonstwas zu denken), zum zwanzigsten Mal den gleichen Song hören, einfach weil ich ihn gerade so schön finde, usw.
Nehmen wir eigentlich diese vielen kleinen Möglichkeiten noch wahr? Nehmen wir uns selbst noch wahr, anstatt nur irgendeiner Idealvorstellung von uns? Bekommen wir wirklich noch mit, was uns gut tut?

2. Weniger Reiz- und Informationsüberflutung

Um es klar zu sagen: Ich liebe es, mich heute so schnell und unkompliziert informieren zu können. Es ist wunderbar, wie schnell wir uns vernetzen können. Ich genieße es besonders, dabei nicht nur auf die klassischen Medien wie Fernsehen, Radio und Tageszeitung angewiesen zu sein. Die sozialen Netze, die vielen Internet-Blogs, Podcasts und klassischen Webseiten sind wunderbar und mein derzeitiger Genuß einer E-Book-Ausleih-Flatrate ist kaum zu toppen.
Aber: Wo sind die Grenzen? Wo sind meine Grenzen? Wie aufnahmefähig bin ich denn noch? Und wieviel Raum brauche ich, all diese Reize, Informationen noch zu verarbeiten?

 3. Kreativer Freiraum

In unserer reizüberfluteten und gleichzeitig oft so durchorganisierten Welt, ist es schwierig, dann noch kreativen Freiräume zu entwickeln. Kreativität braucht inneren und äußeren Raum. Kreativität meine ich hier nicht als „Bastel-Aktivität“, sondern als das Erschaffen neuer Ideen und Lösungswege, das Erstellen ungewohnte Verknüpfungen, etc..
Probleme gibt es nun wirklich genug, aber wie lösen wir sie? Ich denke, es braucht dringend die vielen und ganz unterschiedlichen kreativen Kompetenzen. Welche neuen Möglichkeiten oder ungewohnten Wege sollten mal einfach ausprobiert werden? Wieviel Freiräume zum Experimentieren, Probieren, Scheitern und Neuprobieren geben wir Menschen eigentlich? Heute ist es recht leicht, an Wissen heran zu kommen. Aber wie ordnen wir dieses Wissen dann ein? Was stellen wir mit diesem Wissen an? Was hat es mit unserem konkreten Leben zu tun? Wie setzen wir dieses Wissen praktisch um? Und wie lernen wir, wichtig von unwichtig zu unterscheiden?

4. Interessen, Talente, Leidenschaften

Ich denke, Interessen, Fähigkeiten und Talente sollten so genutzt werden, wie sie da sind. Es gibt z.B. geniale handwerkliche Tüftler, die Lösungen für nahezu jedes praktische Problem finden. Oder der Gärtner mit dem berühmten grünen Daumen. In der Zeit, in der ich als Erzieherin tätig war, hatte ich mal eine Kollegin, die wirklich genial gut und leidenschaftlich gerne aufräumte. Ein Segen für den Kindergarten, in dem wir beide damals arbeiteten. Auch erinnere ich mich an eine Familienmutter, die wirklich gerne geputzt hat, ohne deshalb zum Putzteufel zu mutieren. Ruckzuck war bei ihr alles fertig.
Das Problem unserer Gesellschaft ist, dass Menschen mit praktischen Talenten in der Regel sehr viel weniger verdienen, als Menschen mit Studienabschluss. Dadurch besteht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche in Arbeitsbereiche gedrängt werden, in denen sie nicht wirklich glücklich sind und ihre Begabungen nur unzureichend ausleben können. Dabei brauchen wir solche Begabungen auch. Was nützen z.B. die schönsten Upcycling-Konzepte, Planungen zur besseren und schonenderen Ressourcennutzung, wenn es nicht auch diejenigen gibt, die die Fähigkeit haben, solche Konzepte und Planungen mit Leben zu füllen und auch für die erst dann auftauchenden Schwierigkeiten einen vielleicht originellen Lösungsweg zu finden?
Wie könnte es gelingen, dass Talente besser zur Entfaltung kommen können? Geben wir Ihnen wirklich genügend Raum oder haben wir gleich immer die „bringt-zu-wenig-Geld“-Schere im Kopf? Was braucht es – außer mehr finanzieller Verteilungsgerechtigkeit – noch?

5. Miteinander statt gegeneinander

Immer wieder zu einem Miteinander zu finden, statt gegeneinander. Muss es wirklich immer die Konkurrenz sein, das Mehr-haben-Wollen? Es gibt wunderbare Beispiele des Miteinanders, des Teilens, des gemeinsam Feierns und Genießens. Darüber hinaus können wir auch miteinander nach mehr gemeinsamer Lebensqualität suchen, statt jede/r für sich alleine. Wir können aber auch miteinander arbeiten, uns unterstützen, in schwierigen Lebenssituationen Mut machen. Unser Leben kann dadurch viel reichhaltiger, lebendiger und entspannter zugleich werden. –

Lebensqualität: die bloße Maximierung von materieller Übersättigung überwinden

Natürlich sind das jetzt nicht alle Aspekte, die mehr Lebensqualität ausmachen. Auch sind es vorrangig eher Fragen als Antworten. Aber genau da fängt es auch an: Sich und anderen einfach mal Fragen stellen können und dürfen. Vielleicht müssen wir auch nicht gleich und sofort die fertigen und perfekten Antworten haben, sondern wach bleiben, neue Lebensentwürfe ausprobieren und uns immer aufs Neue bewusst machen, dass Lebensqualität nicht automatisch nur mit materiellem Lebensstandard gleich zu setzen ist und statt dessen zu schauen, was darüber hinaus weist.