Auf einem Futon schlafen

Bei der Überlegung, wie ein minimalistisches Schlafzimmer gestaltet werden kann, ist häufig auch eine Überlegung, ob statt eines „normalen“ Bettes, nicht lieber ein Futon genutzt werden kann. Ich verwende seit längerem ein Futon zum Schlafen und fühle mich sehr wohl damit.

blaue, ausgerollte und auf einem Holzboden liegende Shiatsumatte

Da ich sehr häufig darauf angesprochen werde, hier nochmal einige Informationen und Anmerkungen dazu:

Ein Futon ist ein Futon – keine „Art Isomatte“ (wie es in einem TV-Beitrag genannt wurde). Dauerhaft auf einer Isomatte zu schlafen, wäre selbst mir zu hart. Gerade im asiatischen Raum, aber auch im arabischen Kulturkreis ist ein Futon eine durchaus übliche und „normale“ Art zu schlafen. Inbesondere in Japan sind die Wohnungen oft sehr klein, Futons werden einfach tagsüber zusammen gerollt und der Platz dann zum Wohnen benutzt.

Ein Tatami, wie es in Japan oft üblich ist und als Unterlage für das Futon genutzt wird, hat übrigens lediglich optische Gründe. Es wird in Japan auch als normaler Fußbodenbelag genutzt.

Nicht für jede/n passt alles. Ob ein Futon der ideale Schlafort ist, lässt sich so generell nicht sagen. Für manche Menschen ist es ideal, für andere nicht. Wer es liebt, eher hart zu schlafen, wird mit dem Futon besser zurecht kommen, als jemand, der gerne weich liegt. Für mich war es die ersten beiden Tage etwas ungewohnt, da das übliche Federn der „normalen“ Matratzen fehlt. Mehrere Tage Anpassung, sind durchaus normal. Wer öfter campt und an Luftmatratzen, Feldbetten oder Isomatten gewöhnt ist, hat auch mit einem Futon vermutlich keine Probleme.

Die Pflege eines Futons ist wichtig. Es gibt inzwischen auch Futons mit Latex-, Roßhaar- oder sonstigen Kombinationen, dort wird das Futon nahezu wie eine normale Matratze mit Lattenrost und einem Bettgestell genutzt. Hat man ein klassisches Futon, ist es wichtig, dies regelmäßig zu lüften, aufzurollen und auch zu wenden. Auch ein gelegentliches Sonnenbad auf dem Balkon soll wegen der desinfizierenden Wirkung gut sein. Ich habe mir angewöhnt, das Futon täglich aufzurollen und regelmäßig zu wenden. Dies wird schnell zur täglichen Gewohnheit, der Aufwand ist aber natürlich schon etwas höher, als beim normalen Bettenmachen. Ich habe mich für einen abnehmbaren Bezug entschieden, so dass sich dieser auch waschen lässt.

blaue, gerollte und stehende Futonmatte

Die gesundheitlichen Aspekte sind ebenfalls sehr unterschiedlich und ich würde hierzu nie allgemeine Aussagen treffen. Daher verzichte ich auch an dieser Stelle auf allgemein gültigen Tipps. Es gibt Menschen mit Rückenproblemen, die davon profitieren und denen es auf Dauer besser geht, für andere Menschen mit den gleichen Rückenproblemen ist es ein Desaster. Ich selbst habe durch meine regelmäßige Achtsamkeitspraxis inzwischen eine recht gute Körperwahrnehmung und bekomme dadurch viel besser mit, was mit gut tut oder nicht. Ich empfehle all denen, die mit Rückenproblemen oder körperlichen Einschränkungen zutun haben, auf jeden Fall zu erhöhter Vorsicht. Im Zweifel lieber auf ein Futon verzichten.

Meine persönliche Motivation und Situation: Weder bin ich sportlich, noch gehöre ich zu den Menschen, die das haben, was man einen „gesunden Rücken“ nennt. Im Gegenteil. Mein 5. Lendenwirbel ist verschoben, Grund ist ein gebrochener Wirbelbogen. Ich vermute aber, dass er nie zusammen gewachsenen gewesen ist. Die Bandscheibe an dieser Stelle hat dadurch bereits gelitten und ist dort schon recht dünn.

Screenshot einer MRT-Aufnahme. Seitliche Lendenwirbelsäule auf der zu sehen ist, dass sich der 5. Lendenwirbel verschoben hat und die Bandscheibe an dieser Stelle dünner als üblich ist.

 

 

 

 

Wieviel von der ausgeprägten Hüftdysplasie, mit der ich zur Welt gekommen bin, noch übrig geblieben ist, ist leider immer noch nicht zu 100% geklärt. Dort fehlt noch das MRT. Das Thema gehe ich endgültig in den nächsten Monaten nochmal an. Dann habe ich auch noch überdehnbare Gelenke, die hier oder da mal das Sitzen, Gehen, Liegen und generell Bewegen etwas schwierig machen. Man könnte auf die Idee kommen, ich bräuchte Krankenbett und orthopädische Spezialmatratze. Dem ist aber nicht so. Auch mit Rücken und Gelenken geht es auf dem Futon deutlich besser, als bei einer normalen Matratze.

Was sich nicht mal eben auf einem Foto darstellen lässt, ist meine erhöhte Sensibilität. Ich gehöre zu den Leuten, die so ziemlich jede Unebenheit, gerade im Liegen spüren. Ich spaße gelegentlich herum, in dem ich dazu erkläre, dass ich auch von Beruf hätte Wasserwaage werden können. Ich habe mich früher schnell unwohl gefühlt, schlecht geschlafen, ständig neue Matratzen gekauft. Eine weiche Matratze ist ein Desaster für mich, ich merke jede kleine Kuhle. D.h., das Schlafen auf dem Futon wirkt zwar sehr minimalistisch, es hatte für mich aber lediglich Komfortgründe: Ich schlafe dort besser, ich fühle mich besser, es geht mir besser.

Futon und älter werden: Da ich des öfteren auch gefragt werde, wie ich das denn so auf Dauer, gerade im Alter machen will: Das wird die Zeit zeigen. Entscheidend ist, womit ich mich wohl fühle und womit es mir gut geht. Mit jetzt 56 Jahren geht es mit dem Futon noch prima. Die ersten Tage war es durchaus mühsam, von dem Futon ins Stehen zu kommen, heute ist das kein Problem mehr. Übung macht den Meister, auch mit 50+.  Im Zweifelsfall würde ich mir dann eher ein Podest bauen und die Matte darauf legen, als das ich wieder zu klassischem Bett, Lattenrost und üblicher Matratze wechsle.

Platzsparend und multifunktional: Es gibt zusammenfassend keine einheitliche Empfehlung, die ich aussprechen kann, denn ob Futon ja oder nein, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Nicht zu verachten finde ich aber in Zeiten hoher Kosten fürs Wohnen, dass ein Futon recht wenig Platz benötigt. Außerdem kann es durchaus multifunktional benutzt werden. Für mich ist es u.a. auch eine ideale Unterlage für die Sitzmeditation oder auch um dort als eine Art Sofaersatz zu „chillen“, zu lesen und mich einfach zu entspannen – in dem Fall ist das Meditationskissen eine prima Rückenlehne. Das ist sicher alles ein wenig unkonventionell. Aber statt einem Futon hätte ich ansonsten: Bett, Zabuton (Unterlage f. Sitzkissen zum Meditieren) und Sofa. Genau an der Stelle ist ein Futon eben doch minimalistisch. Es spart Möbel, Aufwand, Platz und ich fühle mich mit dieser Art des Weniger sehr bereichert.

 

14 Kommentare

  1. Danke für deinen tollen Beitrag! Ich habe selbst auch schon öfter überlegt, einen Futon einmal auszuprobieren. Das Problem könnte höchstens sein, dass mein Freund darauf dann nicht schlafen will (er mag vor allem weiche Matratzen, hatte schon einen Bandscheibenvorfall (durfte sich dann 1 Monat nicht bewegen, nur liegen)) … das Futon klingt da nicht so geeignet. Allerdings schreibst du auch, dass es gerade für Menschen mit Rückenproblemen gut sein kann. Hast du schon irgendwas gehört von Futon-Schläfern, die einen Bandscheibenvorfall hatten? Das würde mich sehr interessieren.
    LG
    Anke

    • Hallo Anke, Bandscheibenvorfall und Futon – dazu habe ich keine Erfahrungen. Aber:
      Es gibt durchaus Lösungen, die beiden Seiten gerecht werden können: Eine etwas unkonventionelle Lösung wäre z.B.: statt eines großen Doppelbettes (180-200cm breit), ein kleineres Doppelbett (140cm – 160cm) oder platzsparendes Schrankbett PLUS Futon. Dann kann man und frau zusammen im Doppelbett schlafen, aber auch mal einer hier und einer dort. Gerade im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ist das gar nicht schlecht, tut einer Beziehung keinen Abbruch und wird von nicht wenigen Paaren so praktiziert. Es gibt Stimmen, die sagen, dies soll für den Schlaf sogar besser sein. Eigene Erfahrung: Es ist auch ideal, wenn sich ausgerechnet „Eule“ und „Lärche“ zusammen gefunden haben. Dann kann die „Eule“ auch mal bis in die Nacht hinein ungestört lesen und die „Lärche“ ungestört schlafen und morgens, ohne dass sie die „Eule“ beim Schlafen stört, schonmal aktiv werden.

  2. Ein sehr interessanter Beitrag. Danke.
    Ich habe auch des öfteren Rückenprobleme da ich mit einem 6. Lendenwirbel gesegnet bin.
    Früher haben sich die ohnehin viel zu dünnen Bandscheiben gerne mal verschoben, was zur mehrwöchigen Bewegungslosigkeit führte. Seit ich den Beruf gewechselt habe, geht es eigentlich. Wenn ich heute mal mehrere Nächte Rückenschmerzen habe, zerre ich die Matratze aus dem Bett und schlafe auf der Erde. Siehe da – es geht besser. ABER – leider habe ich auch oft mit Wadenkrämpfen nachts zu tun – und nein, es liegt nicht am Magnesium…
    Es fällt mir dann jedoch eindeutig sehr viel leichter, die Beine aus dem Bett zu schwingen und aufzutreten, als auf der Erde zu liegen und im Krampf versuchen hoch zu kommen. Sollte ich das jemals ganz in den Griff bekommen, dann steht dem Schlafen am Boden auch nichts mehr im Wege.
    Gruß Kllaus

    • Hallo Klaus, Ich hoffe, die Wadenkrämpfe sind irgendwie in den Griff zu bekommen. Vielleicht liegts ja auch am Rücken? Meine Vorstufe zu auf dem Boden zu schlafen war übrigens ein starres statt ein flexibles Lattenrost. Damit gings mir im Rücken auch schon einiges besser.

  3. Da ich mir keinen Futon leisten kann, schlaf ich einfach auf 4 Steppbetten, teils Second Hand gekauft, jeweils 2 in einem Bettbezug. Für mich sehr angenehm, ach was, ich liebe es! Auf normalen Matratzen bekomme ich Rückenschmerzen, da komm ich morgens gar nicht mehr hoch. Wer weicher liegen möchte, kann eine Therm-A-Rest Isomatte drunterlegen, das geht auch halbseitig 😉 Diese Matten gibt es bis zu 10cm (!) Dicke. Ein Vorteil der Steppbetten ist für mich auch, das ich die in der Waschmaschine waschen kann, mache ich einmal im Jahr. Danke für Deinen informativen Artikel.

    • Hallo Tommi, na das ist eine kreative Variante. Die ist ja nicht nur günstig, sondern auch wegen der Wascherei höchst praktisch und vor allem klasse, wenn dann keine Rückenschmerzen auftauchen.

  4. Bärbel Menzenbach

    Hallo Gabi,
    Toller Beitrag. Sehr interessant für mich. Ich habe mir seit einigen Wochen mein „Mädchenzimmer „eingerichtet. Das Bett ist das eigentliche Besucher Schlafsofa.
    Mir wurde gesagt, dass das keine Dauerlösung sein kann. Aber da ich sehr klein und leicht bin und keine Rückenprobleme habe, komme ich super gut zurecht. Ich möchte nicht sofort überstürzt was kaufen , was ich anschließend vielleicht direkt bereue.
    Die Idee mit deiner Futon Matte wäre
    gute Alternative. Platzsparend und vielseitig. ….das gefällt mir. ..
    Jetzt hab ich erstmal Zeit mir gründlich Gedanken dazu zu machen.
    L.G Bärbel

  5. Hallo Gabi,

    Futons sind auch schon häufiger in mein Blickfeld gerückt. Was für ein Futon verwendest du denn eigentlich? Klassisch heißt Baumwolle?

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Hallo Phillip, ich verwende ganz genau formuliert eine Shiatsumatte – diese hat einen abnehmbaren und waschbaren Bezug. Das war wegen Problemen mit Stauballergie ein entscheidender Grund für meinen Kauf speziell dieser Matte. Allerdings hat sich genau dieser Punkt interessanterweise als wenig relevant erwiesen. Ich habe jetzt deutlich weniger allergische Probleme, als vorher mit einer normalen Matratze und Encasing. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. – Die Shiatsumatte enthält überwiegend Baumwolle, aber auch etwas Wolle und noch 20% Polyacryl. Bei einem Neukauf würde ich vermutlich genau dies ändern und auf Polyacryl verzichten. Baumwolle und ganz klassisch gefällt mir am besten.

      • Hallo Gabi,

        danke für deine Antwort! Ich ziehe demnächst (mal wieder) um und das Zimmer ist dieses Mal nicht möbliert. Deshalb recherchiere ich gerade, wie ich mich betten möchte. Ich habe ja nun die Freiheit, Neues zu probieren.

        Ein Bettgestell für ein Futon finde ich recht widersprüchlich seitens des Konzepts und ich mag die Vorstellung, keinen Raum im Zimmer mit einem Bett zu blockieren. Andererseits ist ein Futon auf dem Boden eher eine Einzelpersonlösung, wie es mir scheint.

        Der Gebrauchtmarkt gibt übrigens auch einiges her. 🙂

        Lieber Gruß,
        Philipp

        • Hallo Philipp, sehe ich genauso: Wenn Futon, wozu dann ein Bettgestell? Einzelperson-Lösung: Klar, da ist es am unkompliziertesten. In einer Beziehung: Wenn einer der beiden keine Lust auf Futon hat, ist das natürlich so eine Sache. Aber da gäbe es ja Kompromisse. Mein Tipp aus eigener Praxis: 1 Bett, z.B. 140cm, 1 Futon. 140cm reicht auch für 2, es geht aber eben auch getrennt. So kommt jede/r zu seinem/ihren Recht. Wenn es um Platz geht, ginge ja ansonsten auch Klappbett, Hochbett, dieses zusammenschiebbare Papp-Bett gibts ja auch noch. Aber ist halt auch schon wieder viel Mobiliar.

  6. Liebe Gabi,
    danke für den tollen Einblick. Schläfst du auf dem Rücken? Oder auf der Seite?
    Ich überlege in unserem Gartenhaus solche eine Variante auszuprobieren (bin momentan Seitenschläfer, war vor der Schwangerschaft Rückenschläfer, ändert sich vielleicht nochmal wieder).
    Liebe Grüße
    Nanne

    • Hallo Nanne, Rückenlage geht bei mir überhaupt nicht. Ich schlafe auf der Seite. Keine Ahnung, warum das bei mir gut geht, aber es geht gut. Manchmal wenn es irgendwie unbequem ist, verschiebe ich die Matte nur einige Zentimeter, dann habe ich wieder irgendeine Minimalveränderung im Dielenfußboden gemerkt. L.G. Gabi

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