Warum Minimalismus? 15 Gründe

Minimalismus ist in den letzten Jahren zunehmend in den öffentlichen Fokus gerückt. Die Gründe, weshalb sich Menschen für Minimalismus interessieren sind sehr vielfältig und höchst unterschiedlich. Persönliche, berufliche oder gesellschaftliche Gründe können eine Rolle spielen. Ich habe nachfolgend einige Aspekte hierzu aufgeführt.

Bei der nachfolgenden 15-Punkte-Liste habe ich keine besondere Rangfolge eingehalten, sondern einfach aufgeschrieben, was mir zum Thema eingefallen ist. Auch habe ich mich bemüht, die Gründe wirklich nur aufzuführen, ohne sie an dieser Stelle zu bewerten, insbesondere will ich natürlich auch nicht verallgemeinern. Natürlich gibt es zudem auch Überschneidungen, es kann immer mehre Gründe geben. Vielleicht habe ich auch einige Aspekte vergessen. Diese können gerne unten in den Kommentaren ergänzt werden.

1. Minimalismus zur Veränderung des persönlichen Kaufverhaltens
Manche Menschen kaufen halt gerne ein – warum auch immer. Wer sein Shoppingfieber endlich besser in den Griff bekommen will, hat mit dem Minimalismus eine Möglichkeit, sein Konsumverhalten nachhaltiger zu verändern. Eine Konsumauszeit nehmen, die 30-Tage-Kauf-Warteliste oder auch das befreiende Glücksgefühl beim Entrümpeln sind hier eine Alternative, um einen anderen Zugang zum Konsumieren und Kaufen zu finden.

2. Minimalismus zur Steigerung von Klicks und Likes
Minimalismus ist derzeit ein angesagtes Thema. Mit diesem Thema lassen sich nicht nur journalistische Beiträge, sondern hin und wieder auch Videos, Podcasts und Posts in den verschiedenen Sozialen Netzwerken zum Thema erstellen, um damit eine höhere Klickzahl und somit mehr Aufmerksamkeit zu erreichen.

3. Minimalismus als Grundlage fürs Nomadentum
Manche Menschen reisen gerne und viel, manchmal nur einige Wochen, manchmal auch jahrelang. Zum Teil wird dann sogar unterwegs, ortsunabhängig gearbeitet. Es ist klar, dass man da nicht jeweils seinen ganzen Hausstand mitnehmen kann. Also bleiben nur die absolut nötigsten Dinge im Besitz, ohne die es nicht geht. Statt dessen greift man auf die bestehenden Ressourcen vor Ort zurück, wie z.B. Übernachtungs- und Essensmöglichkeiten, etc.

4. Minimalismus für einen nachhaltigeren Lebensstil
Weniger Dinge zu besitzen, weniger neue Dinge zu kaufen, ist auch eine Möglichkeit, um so weniger wertvolle Ressourcen zu verbrauchen und die Umwelt zu schonen. Mehr Secondhand-Käufe, die Reduzierung von Müll, Dinge länger nutzen, der Verzicht auf den Privat-PKW sind einige der Möglichkeiten, durch weniger Dinge zu einem umweltschonenderen Verhalten zu finden.

5. Minimalismus zur Reizreduzierung
Gerade Menschen, die hochsensibel oder einfach auch durch unsere oft sehr hektische Gesellschaft reizüberflutet sind, können sich mit Minimalismus einen freie und optisch ruhige Räume schaffen, in denen die Sinne wieder zur Ruhe kommen können.

6. Minimalismus um die Arbeit im Haushalt zu reduzieren
Weniger Kram bedeutet, auch weniger Arbeit damit zu haben. Wo keine Stehrümchen sind, müssen auch keine Stehrümchen abgestaubt werden. Mit einem minimalistischen Kleiderschrank reduziert sich die Bügelwäsche von ganz alleine, beim Staubsaugen muss weniger Krempel zur Seite geräumt werden.

7. Minimalismus als Downshifting
Im beruflichen Kontext hilft Minimalismus, dass man wirklich für die Anschaffung der Dinge arbeiten geht, die man auch wirklich benötigt. Das erspart viel Geld. Für dieses Geld muss man im Idealfall dann auch nicht mehr arbeiten und kann ggf. auch seine Arbeitszeit reduzieren.

8. Minimalismus wegen Frugalismus
Frugalisten sind Menschen mit in der Regel gutem bis sehr gutem Einkommen, die einen möglichst hohen Anteil der Einkünfte sparen und gewinnbringend anlegen. Ziel ist die möglichst frühe finanzielle Unabhängigkeit. Minimalismus dient daher einem möglichst sparsamen Lebenssstil, um diese finanzielle Freizeit möglichst früh zu erreichen.

9. Minimalismus, um weniger, aber hochwertigere Dinge kaufen zu können
Wer weniger Geld für unnötigen Kram ausgibt, hat mehr finanzielle Reserven, um insgesamt zwar weniger, dafür aber hochwertigere und langlebigere Dinge kaufen zu können. Unterschiede ergeben sich hier natürlich auch durch die Höhe des Einkommens. Trotzdem gilt das Prinzip ganz grundsätzlich: Gebe ich 2 x 1€ für zwei Teile von schlechterer Qualität oder reicht ggf. auch 1 Teil in höherer Qualität für 2€?

10. Minimalismus wegen beruflichem Umstieg
Manche Menschen möchten sich beruflich verändern, sehen keinen Sinn mehr in der aktuellen Tätigkeit oder sind nicht mehr bereit, bei dem vielleicht gnadenlosen Wettbewerb mitzumachen. Minimalismus bietet eine stabilere Grundlage für einen Umstieg, indem weniger finanzielle Engpässe bestehen und sich so mehr Alternativen eröffnen.

11. Minimalismus als Begriff für das Ausmisten
Manche Menschen nutzen den Begriff Minimalismus, wenn sie das tun, was man früher „ausmisten“ oder „entrümpeln“ nannte. Es geht hierbei vorrangig darum, ein wenig alten und überflüssigen Krempel loszuwerden. Dies kann in der Folge zu einem minimalistischen Lebensstil führen oder auch nicht. Manchmal geht es auch einfach nur darum, altes Zeug loszuwerden und mehr Platz zu schaffen.

12. Minimalismus als „Konsum-Schluckauf“
Konsum-Schluckauf – diesen Begriff hörte ich erstmals von Daniel Siewert .  Gemeint ist, wenn Menschen Dinge reduzieren, um letztlich nur Platz für neue Dinge zu schaffen.

13. Minimalismus aufgrund privater und persönlicher Veränderung
Manchmal ist es eine Partnerschaft, die zu Ende gegangen ist, manchmal sind die Kinder erwachsen und aus dem Haus. Mitunter gibt es gesundheitliche Einschränkungen, die einen anderen Lebensstil erfordern. Private und persönliche Auslöser können ganz vielfältig sein und dazu führen, den bisherigen Lebens- und Konsumsstil in Frage zu stellen. Minimalismus ist hier die Chance, sein Leben neu und an den wirklich wesentlichen Dingen auszurichten.

14. Minimalismus als Stressabbau
In unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft kann Minimalismus hilfreich sein, um sich nicht im Alltag zu verzetteln oder dauerhaft zu überlasten. Die Konzentration auf weniger und wesentliche Dinge hilft so auch, Stress abzubauen und den persönlichen Alltag wieder überschaubar werden zu lassen.

15. Minimalismus als Wettbewerb
Natürlich gibt es auch Menschen, die aus Minimalismus einen Wettbewerb machen. Minimalismus wird beispielsweise dann zum Wettbewerb, wenn man sich statt mit besonders vielen, nun plötzlich mit möglichst wenig Dingen gegenüber anderen Menschen hervorheben möchte. „Ich habe weniger Dinge als du, als bin ich besser…“
Natürlich kann man einen solchen Wettbewerb aber auch spielerisch und konstruktiv nutzen, beispielsweise, um endlich mit dem Entrümpeln voran zu kommen. Man sucht sich jemand Gleichgesinntes, vereinbart Spielregeln für diesen Minimalismus-Wettbewerb und schafft es so gemeinsam und angestachelt durch den Wettbewerb, endlich, den überflüssigen Kram loszulassen.

 

Zusammenfassend wird deutlich, dass es wirklich viele Gründe gibt, Minimalismus in das eigene Leben zu integrieren. Auch bei mir selbst entdecke ich da viele und ganz vielschichtige Gründe, wie der Auslöser, beruflichen Stress abzubauen, aber auch Reizüberflutung zu vermeiden, weniger Arbeit im Haushalt zu haben oder schrittweise mehr Nachhaltigkeit in den Alltag einzubauen.

 

Zimmer mit Holzdielenboden, einem Hocker 2 Bildern. Am rechten Bildrand ist ansatzweise ein grünes Futon zu sehen

10 thoughts on “Warum Minimalismus? 15 Gründe

  1. Für mich ist Minimalismus aufgrund der Reizreduzierung der entscheidende Grund für diesen Lebensstil. Ich bin sehr sehr schnell überfordert mit äußeren Reizen, gerate schnell in Stress und in diesem Zustand kann ich gar nicht mehr auf mich, meine Bedürfnisse, Grenzen und meinen Körper hören. Es ist sozusagen das Gegenteil von Achtsamkeit. Da mir Achtsamkeit und Selbstliebe jedoch unglaublich wichtig sind, ist Minimalismus die kognitiv aber auch seelisch logische Konsequenz für ein gutes, selbstbestimmtes und erfüllendes Leben für mich.

    1. Hallo Steffi, willkommen im Club. Dazu bin ich noch überempfindlich und Lärm und falsche Worte wirken bei mir wie Ohrfeigen. Ich könnte z.B. keinen Horrorfilm anschauen, weil ich die Distanz zum Gesehenen nicht oder nur mit erheblichem Aufwand aufrecht erhalten kann. „Stell Dich nicht so an, so schlimm ist das doch gar nicht“. Leicht gesagt.
      Ich habe gerade mein (letztes) Aquarium abgeschafft, auch um die Geräusche zu reduzieren, nstürlich auch den Aufwanf dafür. Jetzt ist eigentlich nur noch der Kühlschrank etwas zu hören. Früher waren die Reize von außen wichtig : Kauf von Dingen, Besitz von Dingen, viel Musik machen und hören, etc. Heute sehe ich zu, dass ich Reize reduziere oder zumindest die Kontrolle darüber bekomme. Zeitlich und örtlich. Ich möchte keinem Gegenstand Asyl in meinem Haus gewähren, der keinen Bezug zur Gegenwart hat oder eine Wahrscheinlichkeit besitzt in der Zukunft benötigt zu werden (in einem Haus muss man defintiv mehr aufbewahren als z.b in einer Mietwohnung, angefangen beim Werkzeug, Rasenmäher… ) also Nutzen oder Freude erzeugt. Wenn ein Aquarium jahrelang Freude gemacht hat und dann das eigene Intersse und das der Familie den Besitz nicht mehr rechtfertigt und dann an jemanden weitergegeben wird, der daran Freude hat, dann ist das vollkommen o.k.

  2. Leichter leben ist für mich das Hauptkriterium. Der 8 kg Drucker ist endlich zerstört worden von mir, ich hab ihn noch jahrelang ertragen und ich hab FDH nun einen unter 4 kg. Weil ich alles locker tragen können will. Meine beiden Sofamatratzen sind per Reissverschhluss teilbar. Alles ist leicht zu bewegen. Nicht, dass ich es oft bewege. Nur in meinem Kopf. 🙂 Weil ich älter werde und mich das sonst belastet. Selbst Kleidung will ich nicht an mir spüren. Die neue Fahrradjacke – ein Traum. Nicht, dass ich ein Fahrrad hätte, aber die alte Softshell hatte ich noch aufgetragen. Umso schöner jetzt mit der Traumjacke. Bedürfnisse auch mal aufschieben, auch wenn genug Geld da war für Neues. Finde ich ganz wichtig.

    Mich würde sehr interessieren, liebe Gabi, was du besitzt, was ich die Kategorie „Material“ nenne, was nicht Erinnerung, Möbel, Küchenkram oder Vorrat ist. Wie Nähzeug z. B. . Da bin ich mir immer unsicher.

    Lg Tanja

    1. Hallo Tanja, ich habe eine Kiste mit ein wenig Werkzeug. Also Hammer, Schraubenzieher, Zange etc. – Dann gibt es auch noch eine Nähmaschine und einen Nähkasten mit diversem Nähzeug. Beides benötige ich nicht so oft, aber hin und wieder schon. In der Regel nur dann, wenns mal was zu reparieren gibt, nicht als Hobby. Neu kaufen würde ich mir eine Nähmaschine vermutlich auch nicht, aber wo sie mal da ist – so zwei oder drei Mal im Jahr hole ich sie dann schon raus. Gerade in der Umzugsphase war sowohl Werkzeugkiste, als auch der Nähkram schon sehr praktisch. Auch jetzt ist immer nochmal dies oder das. Zwei kleinere 5-Liter Farbeimer vom Anstrich in der letzten Wohnung habe ich auch noch, einschl. ein paar Pinsel. Als mir kürzlich die Kaffeetasse umkippte – genau die schöne weiße Wand runter – wusste ich, dass es eine gute Idee war, diese Farbeimerchen einfach nochmal aufzuheben. 😉

      Ein wenig in die Zukunft denken und sich nicht mit irgendeinem Kram belasten, den man irgendwann nicht mehr so ohne weiteres bewältigt bekommt, kann ich sehr gut nachvollziehen. Geht mir auch so.

  3. Hallo,

    sehr schöne Liste, ich erkenne mich in ein paar Punkten wieder. Bei mir ist es so, dass ich einfach gerne wenige Dinge habe, welche ich dann intensiv und gerne nutze. Ich mag es nicht, wenn zu viel Zeug herumliegt oder in den Schränken schlummert.

    Der nächste Aspekt ist finanzielle Sicherheit. Der ergibt sich durch weniger Konsum schon fast automatisch. Ich verdiene ganz gut und habe nicht viel Ausgaben. Damit falle ich auch unter den Punkt Anleger. Es einfach schön, wenn man weiß, dass irgendwelche Spontankosten jederzeit handelbar sind.

    Weniger arbeiten wird sicher auch ein Thema werden, investiertes Geld bringt ja auch neues Geld nach Hause. Monat für Monat.

    Ich überlege bei jedem Kauf mittlerweile auch eher nach dem Aufwand, den es bedeutet ein Ding wieder loszuwerden. Bestellen ist einfach, man bekommt es geliefert. Loswerden ist Aufwand, sei es durch Verkauf auf eBay oder die schlichte Entsorgung.

    Nachhaltigkeit ist dann ein gutes Nebenprodukt des Ganzen.

    Gruß
    Fuseboroto

  4. Oder aus religiösen Gründen Franz von Assisi und so.
    Beim Frugalismus sehr ich alle Einkommensklassen. Nur treten die guten bis besseren medial auf. Darunter kommt man dann irgendwann langsam in Niedriglohn und prekäre Arbeitsverhältnisse oder Hartz4 . Dann hätte man noch Armut als Grund.

    1. Ach ja, die religiösen Gründe – stimmt. Die sind mir wirklich überhaupt nicht in den Sinn gekommen, dabei hat es dort eine wirklich lange Tradition.

      Armut, Niedriglöhne und Co. sind für mich eher ein Zwangskontext. Natürlich kann man auch dort in gewissem Rahmen minimalistisch leben, aber das ist dann schon eine recht schwierige Geschichte. Beruflich hatte ich damit schon oft zutun, daher weiß ich, dass es sich in der Regel wirklich ganz anders anfühlt, als selbst beim sparsamsten Frugalisten.

      1. Wo du Recht hast… von außen ist es u.U. nicht immer zu unterscheiden. Man weiß nicht was ganz Geizige auf dem Konto haben. Schlimm ist Kinderarmut, da kann kaschiert werden, aber die Kinder leiden , die Eltern natürlich auch. Trotzdem würde ich Armut dazuzählen. Im Ergebnis ist es kaum anders, nur die Freiwilligkeit fehlt.

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