Der Erreger und die (psychische) Erregung

Derzeit jagt eine Schlagzeile die nächste, darunter leider auch viele Fake-News. Schulen und Kitas sind geschlossen, die Fußballbundesliga hat ihren Spielbetrieb unterbrochen, Konzerte und andere größere Veranstaltungen sind abgesagt. Mit dem Conrona-Virus steigt aber auch die psychische Erregung und Aufgeregtheit. Darauf weist Stephan Grünewald in einem lesenswerten Interview auf den psychologischen Hintergrund von Hamsterkäufen und Hysterie hin: „Die Erregung ist schneller, als der Erreger

 

Einige Gedanken und Links zum Thema – aus der Sicht von Achtsamkeit und Minimalismus:

Ich denke, es ist wichtig, sich einerseits über den aktuellen Corona-Virus zu informieren, andererseits aber Erregung und Überdrehtheit zu reduzieren. Denn sich an Aufgeregtheiten festzuhalten, hilft bekanntlich am wenigsten dabei, einen klaren Kopf zu behalten.

Informieren

Pinwand aus Kork mit gelbem Zettel auf dem eine Glühbirne aufgemalt ist
Foto: Absolut Vision

Wer sich über das Corona-Virus möglichst sachlich informieren möchte, findet hier entsprechende Informationen:

 

Psychische Erregung reduzieren – den Kopf klar bekommen

Gerade in ungewöhnlichen Lebenssituationen ist es wichtig, verständliche Unruhe, Angst oder Unsicherheit nicht in unsinnigem Aktionismus auszuagieren. Den Kopf klar bekommen und dann entscheiden, was man tut oder nicht, erscheint mir sinnvoller.

 

Aktiv, konstruktiv und kreativ werden

Kreativ werden

Raum mit Musikinstrumenten
Foto: Wes Hicks

Derzeit lohnt sich ein virtueller Blick nach Italien, denn die Italiener zeigen derzeit besondere soziale Kreativität, um mit der in Italien verhängten Corona-Ausgangssperre umzugehen. Unter dem Hashtag #andratuttobene (alles wird gut) werden in den Sozialen Medien zahlreiche Aktivitäten veröffentlicht, z.B. Abendessen via Skype, Nähkurse auf Youtube oder Balkonkonzerte, Siehe:

und:

 

Aktiv werden – Zeit zum Entrümpeln und Platz schaffen nutzen

Küchenzeile mit Spüle links, einer Kochplatte und einem Schubladenschrank auf dem ein Espresskocher steht

Joshua Becker gibt mit 14 Entrümpelungs-Tipps die Anregung, doch einfach die Zeit zu nutzen, um das eigene Zuhause wieder in Ordnung zu bringen.

Die unterschiedlichen deutschsprachigen Minimalismus-Blogs sind ebf. voll mit Tipps für ein entrümpeltes Zuhause. Da eh keine Bundesliga läuft und auch keine größeren Veranstaltungen stattfinden, eine prima Gelegenheit und aktuell ein paar Ausreden weniger, endlich mal anzufangen:

 

Konstruktiv: Sei kein Panik-Hamster! Vorrat mit Sachverstand

Foto eines Hamsters

Nutze die Gelegenheit, um Ordnung und Realität in deine Vorräte zu bringen. Dazu kann man beispielsweise eine Liste mit vorhandenen Vorräte und deren Menge anlegen. (Vielleicht einfach ein Zettel an die Innenseite der Schranktür heften). Nach einer Woche (bzw. vor dem nächsten Einkauf) kann man nun nochmal durchzählen und schauen, wieviel noch da ist und so einen besseren und genaueren Überblick über den wirklichen Verbrauch der letzten Tage erhalten. Alternativ dazu, notiere einfach, wenn und wann eine Packung (von was auch immer) leer ist. Eine Strichliste mit dem Namen des Produktes reicht im Bedarfsfall aus. Sehr effektiv ist es auch, eine zeitlang mal ein Haushaltsbuch zu führen. So verschafft man sich nach und nach einen guten Überblick über den persönlichen Durchschnittsbedarf. Gleichzeitig beruhigt dies auch und bringt Sicherheit, da man aktiv und sinnvoll etwas tun kann. So kann man sicher sein, die wirklich nötigen Dinge auch Zuhause haben, statt Unmengen von unreflektierten Hamsterkäufen.

 

Aktive Psychohygiene

handgeschriebenes Papier mit Aufschrift "Mindfulness" an einem Fenster stehend.
Photo: Lesly Juarez

So wichtig wie regelmäßiges, gründliches Händewaschen ist, so wichtig ist es auch, auf die persönliche Psychohygiene zu achten. Gönn dir regelmäßige Offline-Zeiten! Als Info-Junkie puscht du deine persönliche psychische Erregung, was am Virus selbst aber absolut nichts ändert. Nutze daher immer wieder Gelegenheiten, um abzuschalten und „runter zu kommen“. Hilfreich sind ausgedehnte Spaziergänge in der Natur, ein Buch lesen, spiele auch mit deinen Kindern. Wer minimalistische Unterhaltung sucht, braucht hierfür nicht einmal Netflix. Die Online-Mediatheken der TV-Sender bieten eine Fülle von Filmen, Dokumentationen und Reportagen.

Wer sich mit Achtsamkeit und Meditation befassen möchte, findet hier zahlreiche Anregungen:

 

19 thoughts on “Der Erreger und die (psychische) Erregung

  1. Noch nie war mein Garten so ordentlich und ich habe Dinge darin erledigt , die ich aufgeschoben hatte. Wenn draußen Chaos ist, dann ist bei mir wenigstens Ordnung im Garten.
    Blut spenden ist gescheitert. Da standen 100 Leute an, die hatten dieselbe Idee.

  2. Ich wurde nicht dazu erzogen, den Mund zu halten. Merke ich mit dem Hörer in der Hand. Das Herz rast und ich rede trotzdem ganz ruhig. Erreicht habe ich nix. Das war Bauchweh 1 gestern. Nach 3 brauchte ich einen Liebesfilm und Mantra „Ruhe bewahren, sagt Gabi.“

    1. Ruhe bewahren ist in der Tat nicht so einfach, ist mir diese Woche auch nicht immer gelungen, insbesondere, da einiges berufliche zu erledigen was nicht ganz einfach war. Ging mir ähnlich wie dir, äußerlich ruhig, aber… – Ist trotzdem wichtig, wieder von diesen hohen Anspannungslevel wieder runter zu kommen. Dauert halt manchmal ein wenig…

      1. Moin, Angst habe ich keine, aber Respekt. Lebe auch alleine und die Kinder und Enkel gebeten Kontakt derzeit zu meiden. Mit Mitte 50 gehören ich dann wohl zur Risikogruppe.
        Ich denke die Sache mit dem Toilettenpapier und den Nudeln, bzw. den Hamsterkäufen wird sich im Laufe der nächsten 14 Tage bessern. Wir verhungern nicht und zur Not gibt es noch andere Möglichkeiten sich zu säubern 🙂
        Persönlich komme ich gut mit der Situation klar, auch wenn das Abstand halten befremdlich ist. Ich bin es gewohnt lange alleine mit mir zu sein.
        In Krisenzeiten zeigt sich, wer/wie der einzelne Mensch wirklich ist.

        Passt alle auf euch auf und bleibt gesund!

        1. Liebe Susanne,
          vielen Dank für diesen beruhigenden Post. Mir tut es gerade unheimlich gut, von Menschen zu lesen, die besonnen und ruhig der Dinge harren, die da noch kommen.
          Bleibt alle gesund!

  3. Danke!

    Leider muss ich arbeiten, soll HomeOffice machen. Ich hasse das. Die Technik ist bei uns eher Steinzeit. Wir sind Großhandel, es geht vieles nun nur noch Online. Wenn die Umsätze zurückgehen, gibts Kurzarbeit. Den Betrieb muss trotzdem aufrecht gehalten werden. Ich renn schnell los, um noch etwas zu erledigen. Ja, die Hamsterkäufe. Ich hab noch einen Packen Klopapier, hurra! Doch wenn ich einen sehe, kaufe ich einen! So weit ist es gekommen. Supermärkte sind leer. Schinken oder geräucherten Fisch. Milch für meinen Joghurt. Ja, ich hatte Samstag mehr gekauft, doch nicht lange haltbar und Mittagstische haben geschlossen. Die gibts mehr Industriegebiet. Der Wohnort ist eher klein.

    Familienfeier werden abgesagt. Meine Schwester hat Ende des Monats Geburtstag. Ich soll meine Mutter nicht besuchen und ihr helfen. Wie paßt das zusammen? Ein Paket von ihr habe noch geschafft, zurückzuschicken. Hermes hat leider nur Shops. Die Bestellung vom Supermarkt gabs erst in 14 Tagen einen Termin. Irre!

    Ich leb alleine. Nun muss ich auf meine Freunde zählen. Tja! Soziale Kontakte soll man meiden. Die Haut schuppt von dem blöden Desinfektionsmittel; wir müssen beim Betreten der Firma die Hände desfinieren. Die Seife tut das übrige. Ich merk sehr, daß mich das alles nur streßt, was die Haut verstärkt leiden läßt. Man kann einfach nicht planen, man muss jeden Tag gucken, was geht. Ohne Vorwarnung!

    Mit meinem Urlaub im Mai, weiß nicht. Ich hatte mich schon gefreut. Ich wollte im März oder April paar Tage frei nehmen. Kann ich knicken. Den Gründonnerstag habe ich eingereicht. Doch das nun wieder fraglich geworden. Das streßt mich ungemeint und setzt mich nur zu. Ich könnt echt nur heulen.

    1. Ich bin um die Homeoffice-Anteile, die ich derzeit machen kann, wirklich sehr dankbar. Es ist ruhiger, ich kann Dinge konzentrierter und unabgelenkter abarbeiten. Den wirklichen Hardcore-Job haben neben dem medizinischen Bereich derzeit insbesondere auch die ganzen KassiererInnen in den Supermärkten etc. – Was die leisten, ist wirklich unglaublich. Und das oft im dichtesten Menschengewühl.

  4. Ja, super Beitrag!

    Die ganze Quarantäne mal als Rückzug nutzen. Ich nutze die ganze Situation und Gelegenheit dazu, meine Outdoor Ausrüstung zu erweitern und zu optimieren. Ich finde sinnvolle Vorräte und eine gewisse Vorbereitung gut und wichtig. Das kann jeder auch ohne viel Geld oder Platz (aka Prepper-Bunker). In meinem Kellerregal befindet sich eine Box mit nützlichen Dingen bei einem Stromausfall, dazu ein ultra warmer und gemütlicher Schlafsack, der jede Bettdecke toppt, ein Wasservorrat und praktisches Werkzeug.

    Meine Küchenvorräte halte ich nach einem Rotationsprinzip, sodass ich nicht sinnlos bunkere. Klopapier habe ich schon lange ersetzt durch Wasserflasche und Tuch. So greifen Minimalismus, Praktikabilität und „Smart-Prepping“ wie ich es nenne ineinander und ich brauche mich nicht verrückt machen.

    Das Leerkaufen der Desinfektionsmittel ist auch nur eine kopflose Aktion… anscheinend wissen viele nicht, dass man bei Viren ein Viruzid (z.B. Virugard) benötigt…

    Viel Gesundheit und einen klaren Kopf dir Gabi! Grüße aus Bottrop!

    1. Hallo Aura,
      bei mir geht es auch in einer Linie weiter, nur mit deutlich mehr Vorräten und mehr Leuten zu Hause, die sonst in Mensa oder Kantine essen. Das ganze losgewordene Zeug macht plötzlich Sinn, wenn man mehr Platz zum Ausweichen hat und für Vorräte. Wo vorher sinnlose Kochbücher standen, stehen jetzt Vorräte. Natürlich haben wir nur das, was wir mögen, den Vorwurf mancher Medien Lebensmittel würden bei Mehrkauf später bloß weggeschmissen teile ich nicht. Wir haben nach MHD sortiert und 2020 ist fast weg. Vieles kann man noch nach Jahren essen. Natürlich ist frisch immer besser, aber manches ist aus dem Glas auch nicht so übel.

    2. Das Rotationsprinzip bei Lebensmitteln ist wirklich eine gute Sache, da behält man vermutlich auch gut den Überblick.
      @Thorsten: Dein beschriebenes Beispiel von der Küche ist wirklich das, was ich sinnvollen Minimalismus nenne: Raus mit dem überflüssigen Zeugs, damit Platz ist für das, was wirklich gut und wichtig ist.
      Und es sind Beispiele für überlegtes Handeln statt eher kopfloser Aktionismus.

  5. Werte Gabi
    Danke für Dein Engagement mit Deinem Blogg Ansichten und Lebensweisen kund zu tun und sinnvolle achtsame Beiträge auszutauschen. Zum aktuellen Corona Thema bemerke ich, wie das kleine Virus es geschafft hat, all die grossen Probleme vor dem Ausbruch, resp. der Verbreitung zu „lòsen“. Das meine ich nicht böse oder rechthaberisch, sondern nur aus einer höheren Warte her betrachtet. Der ganze Massentourismus, die Überschwemmung mit Menschen von Venedig, Barcelona, etc. die stadtgrossen Passagierschiffe, die Pendlersröme zu Stosszeiten, Grossanlässe aller Art buhlten um Kunden, die internationale Vielfliegerei, die ungehinderte internationale Offenheit für Menschen und Waren, usw. all diese Aus den Fugen geratenen Erscheinungen könnten vorher nicht eingedämmt, nicht sinnvoll gelöst werden. Nein es herrschte Unvermögen, man könne im Internationalen Bereich keine Regelungen in Bezug auf Flugverkehr, Schiffsverkehr oder Stossverkehr herbei führen. Alle waren tatenlos. Und nun, ein kleines Virus kann plötzlich das alles.
    Hoffen wir das alles gut vorbei geht, doch danach hoffe ich, dass der ungeregelte Konsum nicht gleich wieder losbricht, sondern … die Menschen vielleicht zur Einsicht kommen, dass ETWAS WENIGER AUCH MEHR sein kann.
    Allen gute Gesundheit und in der Ruhe eine wohltuende Entschleunigung.

    1. Das stimmt, die Zwangspause hat bei aller Negativität auch ihr Gutes, wenn das auch etwas makaber klingt. Natur und Umwelt können erst mal kurz aufatmen. Die Luftverschmutzung hat vielerorts stark nachgelassen.
      Wie wichtig ein vernünftiger Vorrat ist, durfte ich jetzt selbst erfahren, die Influenza hatte mich ausgeknockt und da war ich schon sehr froh, dass die Vorratsschränke recht gut gefüllt waren. Hatte zwar selbst kaum Hunger, aber ein Kind ist ja auch noch im Haus.
      Muss nächste Woche nur mal los, Klopapier hamstern. 😄

      Allen eine virenfreie Zeit! (Grippe ist auch doof! Fühle mich nach zwei Wochen noch immer wie ausgespuckt.)

  6. Ich fand gerade Kuchen ohne Sozialkontakt vor der Tür. ☺

    Mich ärgert, dass die Nichtrisikogruppe leichtsinnig mit dem Virus umgeht und lieber feiern geht. Im Bekanntenkreis ist schon ein Corona Fall.

    1. Oh, das ist ja wirklich eine schöne Sache mit dem Kuchen vor der Tür. Letztlich geht es auch um soziales Denken und Handeln – z.B, auch bei dem, was du bzgl. des leichtsinnigen Umgangs beschreibt. Wer selbst nicht zur sog. Risikogruppe gehört, kann trotzdem das Virus an andere Menschen übertragen – unabhängig davon, ob dann genau diese Menschen Risikogruppe sind oder nicht. Da scheint bei einzelnen Leuten vermutlich etwas zu fehlen …

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